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Ukraine-Krieg: Russland will Massenflucht verhindern – Raketenangriffe in der Nacht

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Von: Tobias Utz, Karolin Schäfer, Moritz Serif, Tim Vincent Dicke, Vincent Büssow, Lucas Maier, Jan-Frederik Wendt, Christian Stör, Sarah Neumeyer

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Russland ruft ein neues Zwischenziel im Ukraine-Krieg aus. Den Truppen droht eine Einkesselung im Donbass: die Lage im News-Ticker am Donnerstag, 29. September. 

+++ 09.30 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Scheinreferenden in den russisch besetzten Gebieten in der Ukraine sprechen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordere die Unterstützung der Türkei für die betroffenen Regionen und „dass wir Putin überzeugen“, sagte Erdogan am Mittwochabend. Am Donnerstag werde er das mit dem Kremlchef diskutieren. Zu den Referenden sagte Erdogan: „Ich wünschte, sie würden kein Referendum abhalten, und wir könnten dieses Problem stattdessen durch Diplomatie lösen.“

+++ 08.45 Uhr: Der Vorsitzende der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, hat in einer Mitteilung erklärt, dass russische Staatsbürger, die im Militärregister geführt werden, eine offizielle Erlaubnis für das Verlassen ihres Wohnortes benötigen. Wolodins Ankündigung hat wohl mit der massenhaften Flucht nach der Ankündigung der Teilmobilmachung in Russland zu tun.

+++ 07.45 Uhr: In der Nacht auf Donnerstag (29. September) haben russische Truppen offenbar die Region Dnipropetrowsk bombardiert. Das berichtet das Nachrichtenportal Kyiv Independent unter Berufung auf Aussagen des Gouverneurs Valentyn Reznichenko. Demnach kamen durch die Raketenangriffe mindestens drei Menschen, darunter ein Kind, aus der Zivilbevölkerung ums Leben. Mehr als 60 Häuser wurden beschädigt. Die Angaben sind nicht unabhängig prüfbar, Aufnahmen aus einem der bombardierten Dörfer bestätigen allerdings die Aussagen des Gouverneurs.

Ukraine-Krieg
Die Aufnahme zeigt einen Einschlagskrater in einem Dorf in der Region Dnipropetrowsk. (Screenshot) © Telegram / Valentyn Reznichenko

+++ 06.30 Uhr: Unausgebildete Rekruten, die Teil der jüngsten Mobilmachung Russlands sind, sollen offenbar geschwächte Elite-Einheiten im Ukraine-Krieg unterstützen. Teile davon sind durch schwere Verluste geschwächt. Wie das Thinktank „Institute for the Study of War“ analysiert, stellt dies allerdings wohl keine wirkliche Verstärkung für die russischen Truppen dar. Verschiedene russische Elite-Einheiten sind in der Ukraine verstreut und teils unorganisiert. Offenbar wird nun versucht, diese an die restlichen Streitkräfte anzugliedern. Die Angaben des Thinktanks sind nicht unabhängig prüfbar.

News zum Ukraine-Krieg: Putin ruft neues Ziel aus

+++ 05.15 Uhr: Die russische Regierung hat wohl ein neues Zwischenziel im Ukraine-Krieg ausgerufen. Kreml- und Putin-Sprecher Dmitri Peskow erklärte am Mittwoch (28. September), dass die Eroberung des gesamtes Gebiets Donezk nun im Vordergrund stehe. Bislang kontrollieren die russischen Streitkräfte gemeinsam mit Separatistengruppen 58 Prozent der Region im Osten der Ukraine. Allerdings kommt es dort zu Versorgungsproblemen (s. Update v. 04.00 Uhr).

News zum Ukraine-Krieg: Russische Truppen wohl eingekesselt

Update vom Donnerstag, 29. September, 04.00 Uhr: Russischen Truppen droht die Einkesselung rund um die Stadt Lyman im Gebiet Donezk. Der ukrainischen Armee gelangen laut übereinstimmenden Beobachterangaben entscheidende Fortschritte in der Region. Bereits seit mehreren Tagen werden die Versorgungs- und Verbindungswege in die Stadt durch die ukrainischen Streitkräfte kontrolliert. Zuletzt wurden mehrere Dörfer im Umland erobert. Die Stadt Lyman weist zwar lediglich 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf, ist allerdings von enormer strategischer Bedeutung. Es handelt sich um einen entscheidenden Abschnitt auf Verbindungswegen in das Gebiet Luhansk, wo ebenfalls russische Truppen stationiert sind.

Lyman, das „Nordtor des Donbass“

Entscheidende Schlacht steht an: Was für beide Seiten auf dem Spiel steht

+++ 22.00 Uhr: Der Besuch des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko in der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien hat die Spannungen in der Region erhöht. Sie verurteile den Besuch Lukaschenkos „entschieden“, schrieb Georgiens Präsidentin Salome Surabischwili am Mittwoch auf Twitter. „Dieser Schritt verletzt georgisches Recht in den okkupierten Gebieten und steht im Widerspruch sowohl zum internationalen Recht als auch zu den bilateralen Beziehungen unserer Länder“, fügte Georgiens Regierungschef Irakli Garibaschwili seinerseits hinzu.

+++ 20.30 Uhr: Die USA kündigten erneut militärische Hilfe für die Ukraine an. 1,1 Milliarden US-Dollar sollen an Sicherheitshilfen in Form von neuen Waffen bereitgestellt werden, informierte das US-Verteidigungsministerium am Mittwoch. Wie CNN berichtete, würden die Waffen nicht direkt aus bestehenden Waffenbeständen geliefert, sondern neu produziert.

Unter den Waffenlieferungen an die Ukraine befinden sich neben 18 Artillerie-Raketensysteme (Himars), auch zugehörige Munition, 150 gepanzerte Mehrzweck-Radfahrzeuge, 40 Lastwagen und 80 Anhänger zum Transport. Zudem sollen auch zusätzliche Radargeräte für unbemannte Flugsysteme geliefert werden. Insgesamt haben die USA seit Beginn des russischen Angriffskrieges „mehr als 16,2 Milliarden US-Dollar an Sicherheitshilfe für die Ukraine“ bereitgestellt, hieß es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums.

News zum Ukraine-Krieg: Russlands Geheimdienst nimmt wohl ukrainischen Spion fest

+++ 19.00 Uhr: In Moskau hat der russische Geheimdienst FSB nach eigenen Angaben einen ukrainischen Spion festgenommen. Der Tatverdächtige „sei ukrainischer Staatsbürger“ und Agent des ukrainischen Geheimdienstes (SBU), meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch (28. September) unter Berufung auf FSB-Kreise. Im Frühjahr 2022 habe er „die Aufgabe vom Geheimdienst bekommen, Daten über russische Militärtechnik auf russischem Gebiet zu sammeln“, hieß es weiter.

Zuletzt war Ende August ein ukrainischer Staatsbürger wegen mutmaßlicher Spionage festgenommen worden. Auch unter den eigenen Staatsbürgerinnen und -bürgern ermittelt die russische Strafverfolgungsbehörde. Der ehemalige Journalist Iwan Safronow wurde Anfang September zu 22 Jahren Haft wegen Hochverrats verurteilt.

News zum Ukraine-Krieg: Von der Leyen will Russland mit Gaspreisdeckel „büßen lassen“

+++ 17.48 Uhr: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Mitgliedstaaten ein achtes Sanktionspaket gegen Russland vorgeschlagen. Es soll unter anderem einen Preisdeckel auf russisches Öl ermöglichen, wie von der Leyen am Mittwoch in Brüssel sagte. Zudem sind weitere Ein- und Ausfuhrbeschränkungen im Umfang von sieben Milliarden Euro geplant.

„Wir sind entschlossen, den Kreml für die erneute Eskalation büßen zu lassen“, sagte von der Leyen zur Begründung. Die EU akzeptiere weder die „Scheinreferenden noch jede Art von Annexion“ ukrainischer Gebiete, betonte sie. Nach sogenannten Referenden in vier von russischen Truppen besetzten Regionen im Osten und Süden der Ukraine hatten die pro-russischen Behörden dort Befragungen der Bevölkerung abgehalten. Ziel ist der Anschluss an Russland. Erwartet wird eine rasche Annexion durch Moskau.

News zum Ukraine-Krieg: Scholz sichert Unterstützung zu

+++ 15.55 Uhr: Kanzler Olaf Scholz hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj anhaltende politische, finanzielle und humanitäre Hilfe sowie Waffenlieferungen zur Verteidigung im Ukraine-Krieg zugesagt. In einem Telefonat am Mittwoch habe Scholz zudem betont, dass Deutschland das Ergebnis der Scheinreferenden in den von Russland besetzten Gebieten Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja niemals anerkennen werde, erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit.

+++ 14.30 Uhr: Russland will den Ukraine-Krieg bis zur Eroberung des gesamten Gebiets Donezk fortsetzen. Das sei das Mindestziel, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Bisher kontrollieren die russischen Truppen und die Separatistenverbände rund 58 Prozent des ostukrainischen Gebiets Donezk. In den besetzten Teilen des Gebiets Donezk hatte es fünf Tage lang bis Dienstag ein Scheinreferendum über den Beitritt zu Russland gegeben – mit angeblich fast 100 Prozent Zustimmung. „Sie wissen ja, dass nicht das gesamte Territorium der Donezker Volksrepublik befreit ist“, sagte Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Deshalb, als ein Minimum, müssen wir das gesamte Gebiet der Donezker Volksrepublik befreien.“

+++ 12.50 Uhr: Die von Russland ernannten Köpfe der Separatisten in den ukrainischen Regionen Luhansk und Cherson haben Wladimir Putin um die Annexion dieser Gebiete durch Russland gebeten. „Ich bitte Sie, die Frage eines Anschlusses der Volksrepublik Luhansk an Russland als Mitglied der Russischen Föderation zu prüfen“, erklärte der Luahansker Separatisten-Anführer Leonid Passetschnik auf Telegram. Auch der Chersoner Separatisten-Chef Wladimir Saldo erklärte, um den Beitritt des Gebiets zu Russland gebeten zu haben.

News zum Ukraine-Krieg: Kuleba verdammt Scheinreferenden

+++ 12.00 Uhr: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat die russischen Scheinreferenden in Bausch und Bogen verdammt. Die Abstimmungen seien aus Sicht der Ukraine „null und nichtig“, sagte Kuleba in einer Erklärung. Die Menschen seien mit vorgehaltener Waffe zum Ausfüllen von Papieren gezwungen worden, das sei ein weiteres russisches Verbrechen. „Die Ukraine hat jedes Recht, ihre territoriale Integrität mit militärischen und diplomatischen Mitteln wiederherzustellen, und wird die Befreiung der vorübergehend besetzten Gebiete fortsetzen. Die Ukraine wird niemals auf ein russisches Ultimatum eingehen.“

+++ 10.30 Uhr: Die Ukraine hat nach Einschätzung britischer Geheimdienste ihre Gegenangriffe gegen die russische Invasion im Nordosten des Landes verstärkt. Die Einheiten machten langsame Fortschritte auf mindestens zwei Achsen östlich der Linie der Flüsse Oskil und Siwerskyj Donez, wie das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Kurzbericht mitteilte. Allerdings verteidige sich Russland auch stärker als vorher. Auch die Region Cherson sei weiter schwer umkämpft. Russland versuche außerdem im ostukrainischen Donbass nahe der Stadt Bachmut weiter vorzudringen, während die russischen Truppen im Norden und Süden großem Druck ausgesetzt seien.

News zum Ukraine-Krieg: Selenskyj kündigt Rückeroberung der Gebiete an

+++ 09.35 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ungeachtet der Scheinreferenden die Rückeroberung der betroffenen Gebiete seines Landes angekündigt. „Diese Farce in den besetzten Gebieten kann nicht einmal als Imitation von Referenden bezeichnet werden“, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache in der Nacht. „Wir bewegen uns vorwärts und befreien unser Land“. Zudem schloss Selenskyj Verhandlungen mit Wladimir Putin bei einer Annexion von russisch besetzten Gebieten in seinem Land aus. Solange Putin Präsident sei, gäbe es in einem solchen Fall nichts zu bereden.

News zum Ukraine-Krieg: Putin drohen Meutereien in Separatistengebieten

+++ 07.15 Uhr: Die russischen Annexionen der besetzten ukrainischen Gebiete könnte offenbar für neue Spannungen in den selbsternannten „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk sorgen. Das prognostiziert das US-Thinktank „Institute for the Study of War“ in einem Lagebericht. Bereits vor den abgehaltenen Referenden sei es immer wieder zu Meutereien gekommen, sobald die Separatistenverbände gebeten wurden, außerhalb ihrer Gebietsgrenzen für Russland zu kämpfen. Denis Puschilin, Separatistenführer in der Region Donezk, erklärte am Dienstag (27. September), dass die Einsätze weiter zunehmen könnten. Die Informationen sind nicht unabhängig verifizierbar.

News zum Ukraine-Krieg: Russische Rekruten als „Kanonenfutter“?

+++ 06.30 Uhr: Die russische Regierung spricht von „Fehlern“ bei der Teilmobilmachung für den Ukraine-Krieg. Diese gelte es zu korrigieren, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag. Immer wieder gibt es Berichte, wonach unausgebildete Zivilisten als Rekruten eingesetzt werden. Das russische Nachrichtenportal Mediazona rechnet sogar damit, dass jüngst eingezogene Soldaten nach nur einem Tag Ausbildung an die Front müssen, vor allem in den Regionen Cherson und Charkiw ist das demnach der Fall. Das US-Thinktank „Institute for the Study of War“ spricht in diesem Kontext von „Kanonenfutter“. Die Angaben zur Ausbildungsdauer der eingezogenen russischen Soldaten sind nicht auf unabhängige Weise verifizierbar.

Erstmeldung vom Mittwoch, 28. September: Die USA bereiten derzeit neue Waffenlieferungen an die Ukraine vor. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Beamte berichtet, soll es einen Wert von 1,1 Milliarden Dollar haben. Teil der Waffenlieferungen sind demnach neue „HIMARS“-Mehrfachraketenwerfer und die dazugehörige Munition. Zudem sollen diverse Drohnen und Radarsysteme geliefert werden.

(vbu/jfw/tvd/cs/lm/sne/tu/kas mit dpa/AFP)

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