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Ukraine-Krieg in Karten: So ist die aktuelle Lage an den Fronten

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Von: Luisa Billmayer, Philipp David Pries, Marie Ries, Nils Tillmann

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Wie ist die Situation in der Ukraine, in Cherson oder in Charkiw? Hier finden Sie die aktuellen Entwicklungen in täglichen Karten und Daten. Außerdem ordnen wir das Geschehen seit Kriegsbeginn ein.

Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 hat der Krieg in der Ukraine große Zerstörung und viel Leid über das Land gebracht. Das Datenjournalismus-Team von IPPEN.MEDIA berichtet über die Lage seit Kriegsbeginn in Karten und mit Analysen. Ein Beitrag dazu ist eine aktuelle Themenkarte auf Startseiten und in Artikeln, in der wir bedeutende Entwicklungen einordnen. Diese Karte findet sich auch jeweils hier im Artikel.

Fokus Cherson: Pforte zur Schwarzmeerküste im Ukraine-Krieg

Cherson im Süden des Landes zeigen wir hier zusätzlich in einer tagesaktuellen Karte zum Ukraine-Krieg. Dieser Verwaltungsbezirk, seit Sowjetzeiten Oblast genannt, fiel schon im März 2022 in russische Hände. Etwas mehr als eine Million Menschen lebten dort beim letzten ukrainischen Volkszählung, davon etwa 290.000 in der gleichnamigen Gebietshauptstadt. Nach den Scheinreferenden im Herbst erklärte Russland die Oblast Cherson zusammen mit Luhansk, Donezk und Saporischschja als annektiert.

Nichtsdestotrotz begann die Ukraine im Herbst eine Gegenoffensive in der Oblast. Ein wichtiges Ziel dabei war die Rückeroberung der Hauptstadt Cherson. Strategische Bedeutung kommt ihr laut Militärexperten vom Institute for the Study of War durch ihre Lage am Dnipro zu. Nur etwa 30 Kilometer Wasserweg trennen die Gebietshauptstadt vom Schwarzen Meer. Die Kontrolle über Cherson bot Russland lange Zeit eine vorteilhafte Ausgangslage für eine mögliche erneute Offensive im Südwesten des Landes. Auch Odessa, die bedeutendste Hafenstadt der Ukraine, ist von dort aus in Reichweite für mögliche Artillerieangriffe.

Angesichts der vorrückenden ukrainischen Armee begannen die prorussischen Besatzer im Oktober, Zivilisten aus Cherson zu evakuieren. Wenige Wochen später zogen sich auch die russischen Truppen vollständig aus der Stadt zurück. Viele von ihnen wurden an andere Fronten der Ukraine verlegt. Als neues Hauptquartier in der Oblast Cherson wählte die russische Armee Henitschesk aus. Die Stadt am Asowschen Meer liegt Einschätzungen des britischen Verteidigungsministeriums zufolge günstig für Lieferungen von der russisch besetzten Krim. Auch befindet sie sich außerhalb der Reichweite ukrainischer Artillerie.

Fokus Charkiw: Die Stadt nach der großen Gegenoffensive

Die ukrainische Oblast Charkiw grenzt im Nordosten an Russland. Diesen weiteren Brennpunkt zeigen wir hier tagesaktuell in einer Fokus-Karte. Zu Beginn des Angriffskrieges brachte die russische Armee weite Teile der Oblast unter ihre Kontrolle. Dazu zählten unter anderem die Städte Isjum und Kupjansk, zwei strategisch wichtige Verkehrsknotenpunkte.

Auch Charkiw als Hauptstadt der gleichnamigen Oblast nahmen die russischen Truppen ins Visier. Die Stadt ist nach Kiew die zweitgrößte des Landes und zählte vor Beginn des Angriffskriegs etwa 1,4 Millionen Einwohner. Ein großer Teil davon spricht Russisch als Muttersprache. Mit Dutzenden Universitäten und Hochschulen gilt die Stadt als ein Wissenschafts- und Bildungszentrum. Auch wichtige Industriezweige, darunter Maschinenbau und Elektrotechnik, sind in der Metropole beheimatet.

Nach monatelangem Beschuss im Frühjahr flohen viele Menschen aus der Stadt. Zerstörte Wohnhäuser, zahlreiche Tote und Verletzte – der Krieg hinterließ massive Spuren in Charkiw. Mit einer großangelegten Gegenoffensive wendete sich das Blatt in der Oblast jedoch zugunsten der Ukraine: Die russische Armee musste bedeutende Niederlagen in der Region hinnehmen. Viele Soldaten verließen Orte Charkiws fluchtartig. Im Oktober meldeten die ukrainischen Truppen die Befreiung von mehr als 98 Prozent der Oblast. Trotzdem bleiben Teile Charkiws weiterhin umkämpft oder unter russischer Kontrolle.

Wie unsere Ukraine-Karten zustande kommen

In den täglichen Ukraine-Karten zeichnen wir seit dem 24. Februar 2022 den aktuellen Stand des Krieges nach: Welches Gebiet wird derzeit von der russischen Armee kontrolliert, welches umkämpft, welches wurde von den ukrainischen Truppen zurückerobert? Was sind bedeutende Entwicklungen und wie sind sie zu verstehen?

Damit Sie sich täglich ein Bild machen können, bereiten wir im Hintergrund verschiedene Daten auf und analysieren diese. Wir reichern diese an, rücken sie ins Licht des aktuellen Geschehens und visualisieren diese. Ebenso setzen wir immer wieder neue Schlaglichter, indem wir etwa einen Zeitraum gebündelt betrachten oder Orte von besonderem Interesse wie Mariupol oder Kiew beleuchten.

Erste Grundlage für Karten in Zeiten des Krieges sind unter anderem Daten von Satelliten, Social-Media-Beiträgen, Geheimdiensten, Ministerien und Augenzeugenberichten aus dem Land. Diese werden unter anderem vom Institute for the Study of War und dem AEI Critical Threads Project sowie den Analysten von LiveUA gesammelt und als Geodaten von Partnern wie IPPEN.MEDIA weiterverarbeitet, analysiert und in verschiedener Form veröffentlicht.

Eigene Berechnung der ukrainischen Rückeroberungen

In einem entscheidenden Punkt erfassen wir den aktuellen Stand des Krieges vollständig selbst und produzieren eigene Kartenflächen: bei den ukrainischen Rückeroberungen. So können wir für Sie sämtliche Gebiete einheitlich ausweisen, die jemals unter russischer Kontrolle oder Einflusssphäre standen – und es jetzt nicht mehr sind. So entsteht ein weitaus vollständigeres und größeres Gebiet, als es die einschlägigen Quellen meist ausweisen. Dies umfasst etwa große Gebiete rund um Kiew und im Nordosten der Ukraine. Erst dadurch wird sichtbar, wieweit Russland von seinen Kriegszielen entfernt ist - und wie weit von seiner zwischenzeitlichen Einflusssphäre.

Jede Karte kann immer nur eine bestmögliche Annäherung an das Kriegsgeschehen sein. Keine Karte kann vollständig oder gar in Echtzeit die Lage in einem Land wie der Ukraine wiedergeben, das flächenmäßig fast doppelt so groß ist wie Deutschland. Uns geht es in erster Linie um die wesentlichen Ereignisse und Entwicklungen des Krieges in Form von Karten. Und diese können wir mit modernen Methoden und Technologien wesentlich transparenter machen, als es zu früheren Zeiten auch nur denkbar war.

Transparenz: Unsere Daten, Quellen und Methoden

Wir betreiben seit Kriegsbeginn einen hohen Aufwand, um Sie verlässlich und aktuell über den Stand des Krieges zu informieren. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf Karten und ihrer Einordnung. Die Themenkarte zu Beginn des Artikels und auf den Startseiten von IPPEN-MEDIA-Portalen wie FR.de und Merkur.de aktualisieren wir werktags immer bis mittags und dann noch einmal gesondert für das Wochenende. Die Fokus-Karten von Cherson und Charkiw aktualisieren wir frühmorgens gegen 5 Uhr automatisiert, sobald die neuesten Daten und Flächen vorliegen und berechnet wurden.

Die jeweils markierten Gebiete wie „Umkämpft“ oder „Russisch kontrolliert“ basieren auf Analysen des US-amerikanischen Institutes for the Study of War (ISW), das wiederum eine Vielzahl eigener Quellen nutzt. Dank dieser Zusammenarbeit können wir tagesaktuelle Karten produzieren, die wir zusätzlich einordnen, analysieren und anreichern.

Das markierte Gebiet der ukrainischen Rückeroberungen berechnen wir mit eigenen Methoden. Es entsteht aus sämtlichen Gebieten, die seit Kriegsbeginn des 24. Februar unter russischer Kontrolle oder ein umkämpftes Gebiet waren und es inzwischen nicht mehr sind. Zusätzlich lassen wir Teildaten des ISW zu zurückeroberten Regionen einfließen. Wir korrigieren zusätzlich Artefakte, die durch unterschiedliche Komplexitäts- oder Vereinheitlichungsgrade entstehen. Im Ergebnis können wir tagesaktuell automatisiert eine Karte aufbereiten, die den bestmöglichen Stand nicht nur der russischen, sondern auch der ukrainischen Seite des Krieges zeigt.

Die Ausweisung der russischen Separatistengebiete und der vor dem Krieg kontrollierten russischen Areale basiert auf den Rohdaten von LiveUA, einer unabhängigen Plattform für die Analyse von Krisenherden auf Grundlage von Satelliten- und Social-Media-Daten.

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