Nach Rede im Weißen Haus

„Wahnsinnig“, „Faschist“: Trump entsetzt die USA - Parteifreunde fassungslos, Star im TV Tränen nahe

In einer 17-minütigen-Rede wettert Trump gegen Wahl-“Betrug“ und verbreitet Falsch-Informationen. Parteifreunden geht das zu weit. Im TV folgen denkwürdige Szenen.

Washington D.C. - Schon am Wahlabend hatte Donald Trump verfrüht seinen Wahlsieg erklärt. Am Donnerstag sorgte der amtierende US-Präsident dann für einen weiteren Eklat: In einer 17-minütigen Rede im Weißen Haus behauptete er erneut, und ohne Beweise vorzulegen, der Wahlausgang sei ein „Betrug“ der Demokraten.

Trump schreckt USA mit Wahl-Rede: „Gefüllt mit Lügen“

Zuvor hatte sich Trump zwei Tage nicht zu Wort gemeldet und stattdessen auf Twitter gewütet - was auch Klimaaktivistin Greta Thunberg spöttisch kritisierte. Der Kurznachrichtendienst versieht immer mehr seiner Tweets mit Warnhinweisen. Auch das soziale Netzwerk Facebook geht ähnlich vor. Bereits vor dem Schließen der ersten Wahllokale hatte der US-Präsident verkündet: „Gewinnen ist leicht. Verlieren ist niemals leicht. Nicht für mich.“ Wie ernst es ihm mit dieser Aussage ist, zeigte er während seines Auftritts. „Wenn sie die legalen Stimmen zählen, gewinne ich leicht“, sagte Trump und sprach von „Horrorgeschichten“.

Doch das Echo fiel erneut recht eindeutig aus: Ein kurzes Statement „gefüllt mit Lügen“ sei der Auftritt gewesen, schreibt die New York Times. Noch drastischer als die ohnehin Trump-kritische Zeitung reagierten mehrere US-TV-Sender. Die mit unbelegten Behauptungen gespickte Erklärung ging den Kanälen zu weit - nicht nur angesichts der aktuellen Zwischenergebnisse.

US-Wahl 2020: Sender brachen Trump-Übertragen ab - Romney widerspricht US-Präsident deutlich

ABC, NBC und CBS unterbrachen nicht nur die Übertragung, sondern korrigierten Trump oder machten deutlich, dass sie seine Anführungen für falsch hielten. „Wir müssen jetzt unterbrechen, da der Präsident eine Reihe von falschen Behauptungen aufstellt“, sagte NBC-Journalist Lester Holt. Kollegin Dana Bash von CNN zeigte sich ebenfalls entsetzt: „Es ist nicht nur gefährlich. Es ist unsinnig“. Trumps Versuche, die Briefwahl zu diskreditieren, hätten den Weg zu genau diesen Moment geebnet, urteilte sie.

Doch nicht nur die Sender reagierten irritiert auf Trumps Auftritt. Die Szenen im Weißen Haus lösten landesweit zahlreiche Reaktionen aus. Auch seitens der Republikaner. „Jede Stimme auszuzählen ist das Herzstück einer Demokratie“, äußerte sich Senator Mitt Romney auf Twitter. Schon in den vergangenen Tagen hatten sich Parteifreunde Trumps von Äußerungen des Präsidenten distanziert.

Einen emotionalen Auftritt lieferte Stephen Colbert in seiner landesweit beachteten „Late Show“. Den Tränen nahe äußerte er sich zu Trumps Auftritt im Weißen Haus: „Donald Trump hat hart daran gearbeitet heute Abend etwas zu zerstören“. Colbert gab in seiner Ansprache offen zu, er habe nicht erwartet, dass es ihn so schwer treffen würde: „Wir wussten alle, dass er so etwas tun würde. Was ich nicht wusste, ist, dass es so sehr schmerzen würde. Ich habe nicht erwartet, dass es mir das Herz bricht.“

Colbert nannte Trump in der vielfach geteilten Sequenz einen „Faschisten“ - und ordnete die Präsidenten-Ansprache als Beleg für Trumps Wahlniederlage ein.

Trump vor Wahlniederlage? Republikaner entsetzt - „Wahnsinnige Rede“ des US-Präsidenten?

Adam Kinzinger, Republikaner und für den Bundesstaat Illinois im Repräsentantenhaus, bezeichnete Trumps Rede als „wahnsinnig“. Auf Twitter schrieb er: „Wir wollen, dass jede Stimme ausgezählt wird.“ Er führte an, sollte Trump wirklich Hinweise darauf haben, dass eine Wahl-Manipulation stattfinde, solle er Beweise präsentieren – und keine Fehlinformationen verbreiten.

Larry Hogan, der republikanische Gouverneur von Maryland, fand ebenfalls harte Worte für Trumps Gebaren. Er twitterte: „Es gibt keine Verteidigung für die Kommentare des Präsidenten heute Abend, die unseren demokratischen Prozess untergraben. Amerika zählt die Stimmen, und wir müssen die Ergebnisse respektieren, wie wir es immer getan haben. Keine Wahl oder Person ist wichtiger als unsere Demokratie.“

Andere führende Republikaner unterließen es, ein Statement zu Trumps scharf kritisierten Auftritt im Weißen Haus zu liefern. Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, lehnte Medienanfrage ab. Währenddessen hatte der Demokrat und US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden* in seiner Rede darauf hingewiesen, dass Demokratie „manchmal ein bisschen Geduld fordert“

Über den weiteren Fortgang der US-Wahl halten wir Sie in unserem News-Ticker auf dem Laufenden. Weitere Informationen finden Sie auch im Ticker der Kollegen von fr.de*.*Merkur.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowski/AFP

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