Nach Stürmung des US-Kapitols

Super-Spreader-Event? Hunderte Soldaten in Washington mit Corona infiziert - Vorwürfe gegen Biden und Trump

Sie waren zum Schutz der Amtseinführung von Joe Biden nach Washington geströmt. Wie sich jetzt herausstellt, haben sich dabei zahlreiche Nationalgardisten mit dem Coronavirus infiziert.

  • 25.000 Nationalgardist:innen wurden zum Machtwechsel nach Washington beordert.
  • Offenbar haben sich nun zahlreiche Soldat:innen mit dem Coronavirus infiziert.
  • First Lady Dr. Jill Biden versucht nach einem Parkhaus-Vorfall die Wogen zu glätten.

Washington, D.C. - Washington hatte sich für den Machtwechsel am 20. Januar gerüstet. Das Kapitol verwandelte sich in ein Feldlager. Auf Fotos sah man patrouillierende Nationalgardist:innen. Sie lagen auf den Gängen, schliefen in Menschentrauben eng nebeneinander auf dem Marmorboden und bewachten den Ort, der zuvor Ziel eines Aufruhr war. Nach der Stürmung des US-Kapitols am 6. Januar wurden 25.000 Nationalgardist:innen zur Absicherung der Amtseinführung des 46. US-Präsidenten Joe Biden beordert. Wie sich nun herausstellt, könnte sich dies zu einem Super-Spreader-Event entwickelt haben. Denn zahlreiche Mitglieder der Nationalgarde haben sich offenbar mit dem Coronavirus infiziert.

„Sie haben uns zusammengepackt wie Sardinen“, berichtet ein Nationalgardist der Nachrichten-Plattform Politico. Hunderte von ihnen wurden nun positiv auf das Virus getestet oder befinden sich in Quarantäne in nahegelegenen Hotel-Anlagen, berichten drei Quellen innerhalb der Garde der Zeitung. Bereits zuvor war es offenbar zu Problemen mit Corona-Testungen gekommen. Teilweise hätten sich Soldat:innen selbst um einen Zugang zu Corona-Tests kümmern müssen. Andere seien unter Druck gesetzt worden, ihre Quarantäne frühzeitig zu beenden und sich zum Dienst zu melden. Ein Mitglied der Nationalgarde berichtete anonym Politico, die meisten Corona-Fälle verliefen asymptomatisch und würden offenbar aus den Heimat-Standorten der Truppen stammen. Die Leitung der Garde lehnte es bislang ab, die Anzahl der positiven Corona-Fälle offiziell bekannt zu geben.

Zur Verstärkung der Sicherheit des Kapitols werden auch Soldaten der Nationalgarde eingesetzt. Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

Nationalgardist:innen mit Coronavirus infiziert - 25.000 waren für Amtseinführung Bidens in Washington

Nun ist die Angst groß, der Einsatz in Washington könnte tragische Folgen haben. Und sich gar zu einem Super-Spreader-Event entwickeln. „Letztendlich müssen wir sicherstellen, dass sie ihre längere Ruhezeit nicht auf dem Campus verbringen, sondern in Hotelzimmern“, sagte der demokratische Senator Connecticuts, Chris Murphy dazu. Der Ausmaß des Problems wurde nochmals unterstrichen, als bekannt wurde, dass Soldat:innen für ihre Pause in dem Parkhaus eines Regierungsgebäudes ausharren mussten. Auf engstem Raum.

Diese Entscheidung sorgt nun für Entsetzen. Roy Blunt, der Senator Missouris, bezeichnete den Vorfall bereits als „Covid-19-Gefahr“. Und Floridas Gouverneur Ron DeSantis beorderte seine Truppen sogleich in den Bundesstaat zurück. „Sie sind Soldaten, sie sind nicht Nancy Pelosis Diener“, sagte er aufgebracht. Die Order, in dem Parkhaus die Pause zu verbringen, wird aktuell untersucht. Offenbar hatte jedoch ein Kapitol-Polizist diesen Befehl gegeben, ohne dafür autorisiert worden zu sein. Demnach habe der Kongress davon nichts gewusst, wie mehrere Senator:innen betonten.

Ein demokratischer Kongressabgeordneter auf dem Weg zur Sitzung. Das Kapitol wird eine Woche nach den Ausschreitungen von der Nationalgarde bewacht.

Corona-Ausbruch bei Nationalgarde: Hunderte Soldat:innen infiziert - Dr. Jill Biden besucht Truppen

First Lady Dr. Jill Biden besuchte nach der Kritik an der Unterbringung der Soldat:innen am Freitag die Truppen. Und brachte Schokokekse mit sich. In den sozialen Netzwerken ist der Unmut aktuell jedoch groß. „Sie musste das tun, nach dem, was ihr Mann mit ihnen gemacht hat“, liest sich ein Instagram-Kommentar. „Ich vermute, das war bevor sie aus dem Kapitol geschmissen wurden und gesagt bekamen, in einem Parkhaus zu schlafen“, ein weiterer.

„Von ganzem Herzen - Danke an die Nationalgarde für ihren kontinuierlichen Einsatz, unsere Nation zu beschützen“, schrieb Dr. Jill Biden auf ihrem Twitter-Account „Flotus“. Auf einem beigefügten Foto ist zu sehen, wie die First Lady ihre rechte Hand aufs Herz legt, im Hintergrund die Soldat:innen. Auf diesen Post gibt es aktuell kontroverse Reaktionen. Während die einen den Bidens den Parkhaus-Vorfall ankreiden, verteidigen andere das Ehepaar mit dem Hinweis, sie hätten davon nichts gewusst. Der Gründer der Democratic Coalition, deren selbstgewählte Aufgabe es ist, Donald Trump* zur Rechenschaft zuziehen, tweete daraufhin: „Die Nationalgarde hat in einem Parkhaus geschlafen, weil Donald Trump zu einer terroristischen Attacke auf das Kapitol angestiftet hat. Wenn Ihr wütend seid, dann stimmt dafür ihn zu verurteilen.“

Für die Familie Biden haben die Truppen eine besondere Bedeutung. Der 2015 gestorbene Sohn Joe Bidens*, Beau, war Mitglied der Nationalgarde. (aka) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © J. Scott Applewhite

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