Wir klären den Mythos auf

„Draußen nur Kännchen“: Warum gibt‘s diese Regel in manchen Lokalen?

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Ein Klassisches Kännchen Kaffee.

„Draußen nur Kännchen“ ist in Deutschland schon seit vielen Jahren ein geflügeltes Wort. Aber warum gibt es diese Regel eigentlich in manchen Lokalen? Und ist sie wirklich noch so verbreitet?

München - „Draußen nur Kännchen“. Wer je in einem Ausflugslokal mit Freiluftbereich war, könnte diesen Satz schon einmal gehört haben. Er bedeutet: Eine Tasse Kaffee kann man im Außenbereich nicht bestellen, sondern nur das teurere (aber auch größere) Kännchen.

Längst ist der Ausdruck auch negativ behaftet: Er steht exemplarisch für die deutsche (Über-)Genauigkeit oder auch manchmal für die hiesige Service-Wüste. Andererseits steht er auch ein bisschen für die guten, alten Zeiten, als Lokale noch nicht „Lounges“ hießen, es noch keine 20 Bohnen-Sorten auf der Karte gab und man einfach nur einen in einer Porzellan- oder gleich Metall-Kanne servierten Kaffee trinken konnte.

Ob im Internet oder auch mal in geselliger Runde: Über den Ausdruck „Draußen nur Kännchen“ gibt es immer wieder Diskussionen. Was ist der Hintergrund für die Regel? Betriebswirtschaftliche Gründe, meinen die einen. Da wird der Kaffee nicht so schnell kalt die anderen. Und die Bedienung müsse nicht so oft laufen, lautet eine weitere Theorie.

Unsere Onlineredaktion hat sich auf die Suche nach dem wahren Grund gemacht und bei ein paar Lokalen angefragt, die im Netz als „Draußen nur Kännchen“-Restaurants gelten. Mit erstaunlichem Ergebnis: Bei den meisten davon gibt‘s nach Auskunft der Wirte draußen auch eine Tasse Kaffee. Der Mythos „Draußen nur Kännchen“ ist in der Realität also nicht mehr so wirklich oft anzutreffen.

Wirte erklären das „Draußen nur Kännchen“-Prinzip

In einzelnen Gaststätten aber gilt das „Draußen nur Kännchen“-Prinzip tatsächlich noch. Etwa im Restaurant Uelfetal im Bergischen Land, einem klassischen Lokal mit Aussichtsterrasse. „In der Regel gibt es bei uns seit 1991 draußen nur Kännchen‘“, räumt Inhaber und Geschäftsführer Horst Schmitz ein. „Natürlich servieren wir auf Wunsch auch Tassen Kaffee sowie diverse Spezialitäten-Kaffee.“ Für die Kännchen-Sache führt er verschiedene Argumente auf. „Warum es nur Kännchen geben sollte, hat schlicht praktische Gründe. Da der Serviceweg bis zu 100 Meter und ein Stockwerk beträgt, ist eine Tasse Kaffee auch schnell mal übergeschwappt bzw. kalt geworden. Dazu gibt es auch schlicht betriebswirtschaftliche Gründe (versuchen sie mal, an der Tankstelle einen Liter Diesel (= Tasse) zu tanken, da wird schnell auf eine Mindestabnahme von fünf Llitern (= Kännchen) verwiesen. Da Sie aus München kommen: Ein halbes Glas Weizen gibt es doch auch nicht! Oder?“ Ein guter Punkt - schließlich schenken viele Biergärten in München ab einer bestimmten Uhrzeit das Helle ja auch nur noch in Masskrügen aus.

Beim Café Wichtig am Timmendorfer Strand an der Ostsee galt das „Draußen nur Kännchen“-Prinzip auch über viele Jahrzehnte. Inzwischen nicht mehr. Wirt Tung Truong erklärt, dass das Lokal und die Außenterrasse in den Siebzigern immer beliebter worden seien. Und vor allem draußen die Plätze knapp wurden. „Der Weg vom Tresen im Innenbereich zur Terrasse war lang, und teilweise hatte es sich auch nicht gelohnt, für eine Tasse Kaffee circa 50 Meter Laufweg zu machen. Wenn der Gast dann auch noch mehr als eine halbe Stunde verweilte, war es nervig, da andere Gäste keinen Platz gefunden haben. Auch ist eine Tasse Kaffee schwieriger zu transportieren als eine Tasse Cappuccino oder ähnliches.“

Die weiten Wege sind‘s also, auf denen das „Draußen nur Kännchen“-Prinzip fußt - gemischt mit ein bisschen betriebswirtschaftlichen Gründen. Damit wäre das Rätsel aufgeklärt.

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