Stiftung Warentest enthüllt:

Bankkarte und PIN aus der Post geklaut - ein Opfer erzählt

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Es gibt bereits Tausende Fälle, in denen Bankkarten auf dem Postweg verloren gingen - und in die Hände von Betrügern fallen. Diese heben dann unkontrolliert Geld von Ihrem Konto ab.

Unglaublich, aber wahr: Erst wird einer Frau die Geldbörse und dann die neue Bankkarte samt PIN aus der Post gestohlen. Die Folge: Ein Schaden von Tausenden Euro.

Es hört sich wie ein schlechter Plot in einem Hollywood-Film an - doch für eine Frau aus Berlin wurde es zur bösen Realität: Wie Stiftung Warentest jetzt berichtet, soll Eugénie Zobel-Kowalski erst die Geldbörse im Bus gestohlen worden sein.

Als sie sich dann übers Online-Banking eine neue Bankkarte mitsamt PIN-Nummer per Post von Ihrer Hausbank zukommen lassen will, kommen diese niemals bei ihr an.

Stiftung Warentest: Phishing analog - Bankkarte und PIN aus dem Briefkasten gestohlen?

Wie üblich, sollten die neue Karte und die persönliche Identifikationsnummer zur Sicherheit in zwei unterschiedlichen Briefen zeitversetzt versendet werden. Doch das Warten nimmt einfach kein Ende - stattdessen erwartet Zobel-Kowalski, von Beruf Redakteurin, der große Schock: Jemand hatte sich an ihrem Konto zu schaffen gemacht und über 1.000 Euro von Ihrem Bankkonto abgehoben.

Die Täter hatten wohl ihre Karte abgefangen und zwei Abbuchungen - 930 und 140 Euro - an zwei verschiedenen Bankautomaten in Berlin getätigt. Sofort rief die Geschädigte den Kundenservice der Volksbank an, um die Karte sperren zu lassen. Doch da passiert es: Noch während des Gesprächs mit einem Mitarbeiter werden weitere Abhebungen von ihrem Konto vorgenommen - insgesamt 6.000 Euro.

Zum Glück konnten die Täter nicht noch mehr Geld einsacken - der Dispositionskredit der Geschädigten war bereits am Limit. Der Volksbank-Mitarbeiter reagiert sofort - und sperrt die Karte. Damit die Geschädigte allerdings noch wichtige Lastschriften, unter anderem für Versicherungen, tätigen kann, werden ihr ein paar hundert Euro Extra-Dispo eingeräumt.

Bankkarte und PIN gehen auf Postweg verloren? So gehen Sie vor

Außerdem stellt Zobel-Kowalski sofort Strafanzeige bei der Polizei. Schließlich muss sie sogar bei ihrer Hausbank vorstellig werden. Und schon kommt der nächste Schock: Es scheint, als ob die Geschädigte sogar unter Verdacht steht, ihr eigenes Konto geräumt zu haben. Das Gruselige daran: Der oder die Täter wissen nun alles über die Betroffene - schließlich haben er oder sie Zugang zu all ihren Daten und konnten sie so auch missbrauchen und sich ihres Kontos bemächtigen.

Die Geschädigte ist kein Einzelfall. Wie das Landeskriminalamt Berlin berichtet, gehen allein in der deutschen Hauptstadt jährlich Tausende von Karten und PINs auf dem Postweg verloren. Ob Postboten ihre Hand im Spiel haben oder diese aus dem Briefkasten von dritten Personen gefischt werden, ist allerdings nicht bekannt. Am Ende ist oftmals der Geschädigte der Dumme. So wie auch im Fall von Zobel-Kowalski.

Sie erhält zwei Wochen nach dem Vorfall einen Brief von ihrer Hausbank - mit den Worten: "Da die beiden Medien (Karte und persönliche Geheimzahl Pin) seit einiger Zeit durch verschiedene Post­dienst­leister zeit­versetzt zugestellt werden, liegt die Post­verlustquote auf dem Trans­portweg bei null Prozent."

Ist der Kunde der Dumme? Bank hat Versendungsrisiko zu tragen

Die Kundin sei somit selber schuld, dass sie die Post nicht erhalten habe. Die dreiste Begründung: Sie habe grob fahrlässig gehandelt. Ihr Briefkasten sei schließlich nicht ausreichend geschützt gewesen vor etwaigen Zugriffen Fremder.

Erfahren Sie hier zudem, wie Sie sich vor Kreditkartenbetrügern im Netz schützen können.

Oft genug bleiben Karten­inhaber am Ende auf ihrem Schaden sitzen, so auch der Tenor bei Stiftung Warentest. Nämlich dann, wenn sie belegen müssen, dass sie nicht unvor­sichtig mit Karte und PIN umge­gangen sind – und es wie im Falle der Geschädigten gar nicht können. Doch das ist nicht ganz richtig.

Banken tragen das sogenannte Versendungs­risiko. Können sie nicht nach­weisen, dass Bank­karte und PIN ange­kommen sind, haften allein sie für alle Verluste, die entstehen, bevor der Kunde beides nach­weislich in den Händen hat. Umso unver­ständlicher ist es, dass die meisten Banken Karten und PIN per Stan­dard­post versenden anstatt etwa per Einschreiben mit Rück­schein.

Happy-End: Kosten werden von Bank erstattet

Zum Schluss gibt es allerdings im Falle von Zobel-Kowalski doch noch ein Happy-End. Zwei Monate nach dem Diebstahl ist das ganze Geld wieder da. Zudem erreicht die Geschädigte ein Brief von ihrer Bank, der besagt, dass sie die Kosten erstattet bekommt und zudem eine neue Bankkarte erhält. Und diesmal landet auch beides in ihrem Briefkasten - trotz des ausdrücklichen Wunsches, die beiden Briefe in die Filiale geschickt zu bekommen.

Lesen Sie hier auch, wie dreist Betrüger Kunden auf Ebay Kleinanzeigen abzocken.

Ebenfalls schockierend: So fies tischen Betrüger ahnungslose Bürger teure Handy-Abos auf.

jp

Zahl der gesprengten Geldautomaten nimmt zu

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