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Gibt es den HIV-Schnelltest für zuhause auch bald bei uns?

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Zuhause schnell Blut abnehmen und in wenigen Minuten wissen, ob man HIV-positiv ist: Das soll nun ein neuer Heimtest können.

HIV ist in Deutschland für viele noch immer ein Tabu-Thema. Doch Schnelltests für zuhause könnten nun schon bald bequem und diskret Klarheit schaffen.

Vielen ist es zu unangenehm, zum Arzt zu gehen und sich über eine mögliche Ansteckung mit HIV zu erkundigen. Zu groß ist die Scham, sich öffnen zu müssen und sich am Ende vielleicht sogar noch vor diesem rechtfertigen zu müssen, warum man sich angesteckt haben könnte.

Doch bald könnte Betroffenen dieser schwere Gang abgenommen werden – denn in Zukunft soll es auch in Deutschland HIV-Schnelltests für zuhause geben. Diese sind bereits in Großbritannien und Frankreich legal erhältlich – doch hierzulande dürfen diese nur an Ärzte, medizinische Laboratorien und staatliche Institutionen verkauft werden.

HIV-Schnelltest für zuhause: Genauere Messungen möglich?

Eine neue und verbesserte Generation der Schnelltests soll das nun ändern: "In Europa sind seit kurzer Zeit erstmals Schnelltests mit einer CE-Kennzeichnung erhältlich, die wesentlich genauer und einfacher zu handhaben sind als frühere Tests", bestätigt Susanne Wackers, Referentin beim Bundesgesundheitsministerium, wie der Nachrichtendienst dpa berichtet.

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft allerdings, dass auch bald Apotheken und HIV-Beratungsstellen Schnelltests für zuhause verkaufen dürfen. Mit dem Ergebnis, dass am Ende mehr Menschen auf das Angebot aufmerksam werden und HIV-Tests machen.

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden 2015 etwa 3900 Menschen in Deutschland mit HIV diagnostiziert. 1200 von ihnen haben den Krankheitsbefund allerdings erst sehr viel später nach dem Beginn der Erkrankung erfahren – dementsprechend war bei diesen die Krankheit bereits weit fortgeschritten. Eine Behandlung wird dann schließlich schwieriger. Und das, obwohl die Behandlung der chronischen Krankheit heutzutage dank geeigneter Medikamente viel leichter geworden ist.

Doch die Dunkelziffer soll nach Schätzungen des RKI viel höher sein – etwa 12.600 Menschen leben angeblich in Deutschland mit dem HI-Virus – ohne es überhaupt zu wissen. Darunter größtenteils homosexuelle sowie teilweise bi- und heterosexuelle Männer und Frauen, darunter auch Drogensüchtige. Holger Wicht, Sprecher der deutschen AIDS-Hilfe in Berlin, warnt vor deutlichen Anzeichen einer HIV-Erkrankung wie Lungenentzündung und massivem Gewichtsverlust und rät zu einem sofortigen Test.

So funktioniert der HIV-Schnelltest für zuhause

Allerdings erkennen Ärzte seiner Meinung nach die Gefahr nicht sofort: "Ärzte sind da aber meist zu wenig offensiv. Viele scheuen die Frage nach HIV, weil sie ihren Patienten nichts unterstellen wollen." Zudem benötigen diese eine rechtliche Erlaubnis des Patienten – und können nicht einfach heimlich Blut abnehmen lassen.

Doch wie soll der neue Schnelltest überhaupt funktionieren? Die Modelle funktionieren wie ein Blutzuckertest für Diabetiker. Das heißt konkret: Sie halten den Test an Ihre Fingerkuppe und nach einem kleinen Pieks träufeln Sie den entstehenden Bluttropfen auf ein Stäbchen. Dann kurz gedulden – und das Ergebnis wird in Linienform angezeigt. Zwei Linien bedeuten eine HIV-Infektion.

In Europa ist der Schnelltest für zuhause bereits wie eine Bombe eingeschlagen. So sollen in Frankreich schon etwa 145.000 Stück verkauft worden sein – und auch in Australien, wo es ihn seit Jahren zu kaufen gibt, feiert er bereits viele Erfolge. Für das Bundesgesundheitsministerium eine sehr gute Bilanz, um den HIV-Schnelltest bald auf den Markt zu bringen.

Von Jasmin Pospiech

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.  
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene.
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
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Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.  © dpa
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Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren.  © picture alliance / Science Photo
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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