Zoonose

Neues Tiervirus befällt auch Menschen: So gefährlich ist die Infektion mit dem Chapare-Virus wirklich

Krankenpfleger und Mediziner sind ständig in Kontakt mit kranken Menschen: Klinikalltag
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Krankenpfleger und Mediziner sind ständig in Kontakt mit kranken Menschen – das Risiko einer Virusübertragung ist in dieser Branche höher als in anderen Berufen.

Virusinfektionen können je nach Virus harmlos verlaufen – oder lebensgefährlich. Das Chapare-Virus ähnelt dem Ebola-Erreger – in folgender Region wurden Fälle gemeldet.

Manche Viren befallen in der Regel nur Tiere. Dazu zählen etwa Influenza-A-Viren H5N1, die die Vogelgrippe auslösen. Diese ist vor allem für Hühnervögel wie Puten und Fasane gefährlich. Doch es gibt auch Viren, die von Tier auf Mensch übergreifen können. Der prominenteste Vertreter ist derzeit Sars-CoV-2, der Erreger von Covid-19. Doch es gibt weit mehr Beispiele für Zoonosen* – von Mensch zu Tier und von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten. Dazu zählt etwa das durch das Chapare-Virus ausgelöste hämorrhagische Fieber, das mit gefährlichen Blutungen einhergeht.

Am 16. November 2020 teilte das US-amerikanische Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) mit, dass sich das potenziell tödliche Tiervirus nicht nur von Tier auf Mensch, sondern auch von Mensch zu Mensch ausbreiten kann. Wie das Tropeninstitut weiter berichtete, sprechen folgende Symptome für die Ansteckung mit dem Chapare-Virus:

  • Fieber
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Zahnfleischbluten
  • Hautausschlag
  • Augenschmerzen

Ebola-ähnliche Krankheit: Drei Menschen verstarben 2019 an einer Chapare-Infektion

Die erste Infektion mit dem Krankheitserreger fand 2004 in der bolivianischen Provinz Chapare auf. Jahrelang wurden keine Fälle mehr gemeldet, doch jetzt veröffentlichte Forschungsergebnisse belegen mindestens fünf Chapare-Virusinfektionen im Jahr 2019. Drei der Patienten waren an der Ebola-ähnlichen Krankheit verstorben. Das Virus verbreitete sich von Mensch zu Mensch durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten und trat bislang nur in einer Region in der Nähe der bolivianischen Hauptstadt La Paz auf, wie das Tropeninstitut meldete.

Wie die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC informiert, kann eine Infektion mit dem Chapare-Virus sogenanntes hämorrhagisches Fieber zur Folge haben. Eine Übertragung der Viren findet durch direkten Kontakt mit infizierten Nagetieren oder durch indirekten Kontakt mit deren Urin und Kot statt. Im Fall der 2019 gemeldeten Infektionen waren drei Patienten Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie sich durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut oder Urin infizierter Patienten angesteckt hatten.

Im Jahr 2020 gab es bislang keine bekannten Chapare-Infektionen beim Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus weltweit ausbreiten könnte, ist dem Portal Gentside zufolge sehr gering. Es sei nicht hitzebeständig und auch die Verwendung von Desinfektionsmitteln würde es schnell abtöten. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Mehr Quellen: https://www.livescience.com/chapare-virus-human-transmission.htm; https://www.gentside.de/gesundheit/neues-todliches-virus-es-ahnelt-ebola-und-wird-von-mensch-zu-mensch-ubertragen_art20396.html

Weiterlesen: Gefährliches Zika-Virus jetzt auch in Europa - Französischer Patient infiziert sich zu Hause.

Muss ich Angst vor fremdem Blut haben?

Eine Packung Leben: Jedes Jahr werden in Deutschland 4,7 Millionen Liter an Blutprodukten transfundiert. Foto: Judith Michaelis/dpa-tmn
Eine Packung Leben: Jedes Jahr werden in Deutschland 4,7 Millionen Liter an Blutprodukten transfundiert. Foto: Judith Michaelis/dpa-tmn © Judith Michaelis
Ruth Hecker ist an der Uniklinik Essen für die Patientensicherheit zuständig und Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Foto: Reiner Zensen/APS/dpa-tmn
Ruth Hecker ist an der Uniklinik Essen für die Patientensicherheit zuständig und Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Foto: Reiner Zensen/APS/dpa-tmn © Reiner Zensen
Professor Andreas Humpe ist Direktor der Abteilung für Transfusionsmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Foto: Andreas Humpe/dpa-tmn
Professor Andreas Humpe ist Direktor der Abteilung für Transfusionsmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Foto: Andreas Humpe/dpa-tmn © Andreas Humpe
Kristina Hölig leitet den Bereich Transfusionsmedizin am Uniklinikum Dresden und ist Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Transfusionsmediziner. Foto: Gabriele Bellmann/UKD/dpa-tmn
Kristina Hölig leitet den Bereich Transfusionsmedizin am Uniklinikum Dresden und ist Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Transfusionsmediziner. Foto: Gabriele Bellmann/UKD/dpa-tmn © Gabriele Bellmann
Vielfältig: Blutkonserven kommen zum Beispiel nach Unfällen, bei Operationen oder auch in der Chemotherapie zum Einsatz. Foto: Friso Gentsch/dpa/dpa-tmn
Vielfältig: Blutkonserven kommen zum Beispiel nach Unfällen, bei Operationen oder auch in der Chemotherapie zum Einsatz. Foto: Friso Gentsch/dpa/dpa-tmn © Friso Gentsch

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