Covid-19-Impfung: Ja oder nein?

Corona-Impfung: Fieber, Übelkeit, Muskelschmerzen – Krankenschwester berichtet über Nebenwirkungen

Die 84-jährige Britin Maureen Hughes erhält den Pfizer/Biontech-Impfstoff. In England werden von dieser Woche an (Stand 15.12.2020) Corona-Impfungen in Hausarztpraxen im ganzen Land verabreicht. Über Nebenwirkungen der Impfung berichtet eine Krankenschwester, die in den USA an der Impfstoffstudie beteiligt war.
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Die 84-jährige Britin Maureen Hughes erhält den Pfizer/Biontech-Impfstoff. In England werden von dieser Woche an (Stand 15.12.2020) Corona-Impfungen in Hausarztpraxen im ganzen Land verabreicht. Über Nebenwirkungen der Impfung berichtet eine Krankenschwester, die in den USA an der Impfstoffstudie beteiligt war.

Die erste Corona-Impfung: Auch in Deutschland ist es seit Dezember 2020 soweit. Eine Teilnehmerin der Impfstoffstudie von Pfizer und Biontech berichtet.

  • In einigen Ländern wie etwa Großbritannien können sich Menschen bereits seit Mitte Dezember 2020 in Hausarztpraxen gegen Covid-19 impfen lassen.
  • In Deutschland ist die Corona-Impfung* seit Ende Dezember 2020 möglich. Risikogruppen wie ältere und kranke Menschen sowie medizinisches Fachpersonal haben als Erste die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.
  • Die US-amerikanische Krankenschwester Kristen R. Choi war Studienteilnehmerin eines klinischen Corona-Impfstofftests. Ihr wurden im Rahmen des Tests zwei Injektionen mit dem Impfstoffkandidaten des Mainzer Unternehmens Biontech und dessen US-Partners Pfizer verabreicht. Auf dem Fachportal Jama berichtet Choi über Nebenwirkungen, die sie an sich beobachtet hat. Und warnt vor einem falschen Eindruck, der bei vielen entstehen könnte.

Kisten Choi scrollte Anfang August 2020 durch ihren Instagram-Feed und stolperte dort über eine Anzeige. Es ging um eine Impfstoffstudie, für die die Pharmakonzerne Pfizer und Biontech freiwillige Probanden suchten. Die Krankenschwester meldete sich an und wurde Teil der klinischen Phase III des Impfstoff-Kandidaten BNT162b2. In dieser Phase werden mehrere tausend bis mehrere zehntausend Freiwillige geimpft. Erforscht wird dabei, ob ein neuer Impfstoff gegen eine Infektion schützt und welche möglichen Nebenwirkungen auftreten.

Choi als Krankenschwester und Mitarbeiterin an der School of Nursing an der University of California in Los Angeles wurde im Rahmen des klinischen Tests zweimal gegen Corona geimpft: Einmal im August und das zweite Mal im September. Wo sie die erste Spritze gut wegsteckte, kämpfte sie nach der zweiten mit Nebenwirkungen, wie sie in einem Bericht auf dem Fachportal Jama schreibt. Doch Choi bereute ihre Entscheidung nicht.

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Corona-Impfung: „Wenn ich es noch einmal machen müsste, würde ich es sofort wieder tun“

Die erste Corona-Impfung mit dem Impfstoffkandidaten BNT162b2 hatte nur einen schmerzenden Arm zur Folge. Doch nach der zweiten Injektion im September fühlte sich die Krankenschwester nicht gut: „Mein Arm schmerzte an der Injektionsstelle, viel mehr als beim ersten Mal. Am Ende des Tages fühlte ich mich schwindlig, fröstelte, mir war übel und ich hatte rasende Kopfschmerzen. Ich ging früh zu Bett und schlief sofort ein. Gegen Mitternacht wachte ich auf und fühlte mich noch schlechter – fiebrig und unterkühlt, übel, schwindelig und konnte meinen Arm vor Muskelschmerzen an der Injektionsstelle kaum heben. Meine Temperatur betrug 37,4 Grad Celsius. Ich wälzte mich hin und her und schlief den Rest der Nacht kaum noch“. Das Fieber stieg und am Morgen zeigte das Fieberthermometer 40,5 Grad Celsius: „Das war das höchste Fieber, an das ich mich erinnern kann, und es machte mir Angst. Ich nahm Paracetamol und trank ein Glas Wasser“. Choi kontaktierte die Mitarbeiter der klinischen Studie, die sie beruhigten: Viele Teilnehmer würden nach der zweiten Injektion körperlich reagieren. Sie solle ihre Symptome weiter beobachten und sich melden, wenn sich etwas ändert. Doch im Laufe des Tages klang das Fieber ab und am nächsten Morgen waren alle Symptome verschwunden, so Choi in ihrem Bericht.

In der Jama-Veröffentlichung führt Kisten Choi die im Forschungsbericht erfassten unerwünschten Nebenwirkungen des Pfizer-Biontech-Impfstoffes auf, die an Probanden beobachtet wurden: Müdigkeit (75 Prozent), Kopfschmerzen (67 Prozent), Schüttelfrost (33 Prozent), Muskelschmerzen (25 Prozent), Fieber (17 Prozent) und Gelenkschmerzen (17 Prozent). Doch trotz der Nebenwirkungen, die Choi an sich selbst beobachtet hat, würde sie sich wieder impfen lassen: „Ich bin absolut der Meinung, dass sich jeder impfen lassen sollte“, zitiert sie der Business Insider Choi: „Was ich erlebt habe, obwohl es nicht wirklich angenehm war, war nur vorübergehend. Es war kein Notfall, es ging innerhalb eines Tages vorüber, und wenn ich es noch einmal machen müsste, würde ich es sofort wieder tun.“

Kein Covid-19 durch Impfung – auch wenn Impfreaktion ähnliche Symptome zur Folge haben kann

Es sei normal, dass der Körper auf den Impfstoff reagieren kann, der im Fall des Pfizer-Biontech-Präparats Teile des Coronavirus-Genoms in Form einer sogenannten Boten-RNA enthält. Bei Kontakt mit dieser Boten-RNA produziert der Körper für das Coronavirus typische Eiweiße, die nicht krank machen, das Immunsystem allerdings zur Produktion von Corona-Antikörpern anregen. „Unser Körper muss sein Immunsystem aktivieren, damit es lernt, das Virus zu bekämpfen, das ist der Sinn eines Impfstoffs“, so Choi: „Und ein Teil dieser Aktivierung bedeutet, dass wir möglicherweise Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit erleben — all die Dinge, die ich erlebt habe“. Dies habe aber nicht zu bedeuten, dass man durch die Impfung an Covid-19 erkrankt ist – das ist nicht möglich, da der Impfstoff keine Coronaviren enthält, sondern nur winzige Teile des Virus-Genoms. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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