Von Geburt an

Depressionen: Diese fünf Faktoren sollen die wahre Ursache dafür sein

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Wer unter Depressionen leidet, weiß oftmals nicht, woher sie eigentlich rühren.

Wer unter Depressionen leidet, fragt sich häufig: Warum gerade ich? Forscher sind dieser Frage nun auf die Spur gegangen – ihre Erkenntnisse verblüffen.

Schätzungen zufolge leiden vier Millionen Deutsche an Depressionen. Das macht bereits 5,2 Prozent der Bevölkerung aus. Mit jedem Jahr kommen mehr dazu – doch noch immer scheint es, als ob die psychische Erkrankung ein Tabuthema darstellt. Man spricht selten darüber – aus Angst, den Job zu verlieren oder vor dem Stigma durch Freunde oder Bekannte.

Job- oder privater Stress sowie Schicksalsschläge: Immer mehr Deutsche erkranken an Depressionen

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe kann ein Lied davon singen – einer Umfrage zufolge wissen nur wenige Deutsche überhaupt, was die Diagnose Depression wirklich bedeutet. Man rät den Betroffenen dagegen oft, sich endlich "zusammenzureißen" – doch durch diese Ignoranz fühlen sich viele Patienten nicht ernstgenommen und ziehen sich nur noch mehr zurück.

Aber warum erkranken manche im Laufe ihres Lebens an Depressionen – und manche nicht? Diese Frage bewegt die Forschung bereits seit Jahren. Man geht bis dato davon aus, dass es keinen bestimmten Grund gibt – sondern dass es ein wechselseitiges Zusammenspiel mehrerer Faktoren bedarf. Dabei soll es sich unter anderem um folgende handeln:

  • Genetische Veranlagung
  • Körperliche Erkrankungen
  • Hormonumstellungen (zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes)
  • Kindheitstraumata

Zwar bedeutet das noch lange nicht, dass alle diejenigen, die solche Erfahrungen gemacht haben, auch (später) im Leben an Depressionen erkranken. Schließlich geht jeder individuell mit etwaigen Herausforderungen oder Schicksalsschlägen um. Dennoch kann das Wissen um gewisse Faktoren, die eine Depression begünstigen, dabei helfen, diese langfristig zu vermeiden.

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1. Die Mutter hat während der Schwangerschaft Alkohol getrunken

Was viele Frauen nicht wissen: Sie nehmen bereits Einfluss auf den Embryo im Mutterleib. So haben Mediziner feststellen können, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben, zu erheblichen Fehlbildungen und Störungen im Gehirn neigen. "Wenn die Mutter während der Schwangerschaft trinkt, können beim Kind viele Schäden entstehen", bestätigt Hans-Ludwig Spohr von der Berliner Charité, in einem Beitrag auf "dasgehirn.info". "Wir Mediziner nennen diese Krankheit Fetales Alkoholsyndrom (FASD)."

Zwar wisse man noch nicht, ab welcher Menge das Ungeborene einen Schaden davonträgt, aber ein Glas Wein pro Tag hält Spohr bereits für sehr bedenklich. Außerdem seien Jugendliche mit FASD negativ aufgefallen – sie sollen im Vergleich zu Gleichaltrigen häufiger aggressiv und depressiv sein, so Spohr. Das Pikante daran: Jährlich werden angeblich 3.000 bis 4.000 Kinder mit Alkoholschädigungen geboren. Daher gilt für werdende Mütter: am besten während der Schwangerschaft gar keinen Alkohol anrühren.

2. Negative Erlebnisse in der Kindheit 

Dass einen schmerzliche oder schlechte Erfahrungen in der Kindheit nachhaltig prägen, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Dass traumatische Erlebnisse somit auch Depressionen begünstigen, wohl auch nicht. "Als traumatisierend werden im Allgemeinen belastende Ereignisse wie schwere Unfälle, Erkrankungen und Naturkatastrophen, aber auch Erfahrungen erheblicher psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen bezeichnet", heißt es dazu auf der Website der Deutschen Traumastiftung. "Sie können tiefe Wunden in der Seele hinterlassen, die einen Menschen ein Leben lang beeinträchtigen." Weitere Traumata können sein:

  • Scheidung der Eltern
  • Mobbing
  • Tod eines Angehörigen

Wenn ein Kind diese traumatischen Situationen nicht richtig verarbeiten kann, kommt es erst zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Falls sie nicht behandelt wird, kann dies schließlich zu einer chronischen Depression führen.

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3. Eltern sind unzuverlässig

Ein Kind sollte Geborgenheit und Zuneigung von den Eltern erfahren, ansonsten fühlt es sich wertlos und ungeliebt. Zwar ist es wichtig, dass es lernt, auf eigenen Füßen zu stehen, aber dennoch sollten Eltern dem Kind stets Sicherheit vermitteln, dass sie für es da sind. Nur so kann es später genug Selbstvertrauen entwickeln und dem Leben und all seinen Widerständen trotzen.

Wenn aber auf die Bedürfnisse des Nachwuchses nicht genug eingegangen wird oder es das Gefühl hat, sich nicht auf die Eltern verlassen zu können, führt das oft zu einer Bindungsstörung. Letztere kann sich mit der Zeit ebenfalls zu einer handfesten Depression ausweiten, wenn es sich unsicher fühlt und so in die weite Welt hinaustritt.

4. Die Eltern leiden ebenfalls an Depressionen

Viele Mediziner vermuten schon seit längerem, dass eine familiäre Veranlagung ebenfalls Depressionen auslösen kann. So soll das Risiko für ein Kind um drei bis sechsmal größer sein, wenn eines der beiden Elternteile depressiv ist. "Wenn beide Elternteile depressiv sind, dann hat das Kind eine 70 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, auch an einer Depression zu erkranken", meint auch Alexandra Winzinger, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin gegenüber der Huffington Post. "Ich persönlich würde sogar sagen, dass die Zahl noch höher liegt."

Der neue Gesundheitsreport der DAK ist da: Ihr zufolge soll jeder fünfte Fehltag im Job seelische Gründe haben.

Zudem würde dieser Effekt noch verstärkt, da depressive Eltern kaum eine sichere Bindung zu ihrem Kind eingehen können. Dadurch fühle sich das Kind wieder auf sich allein gestellt und einsam. Nur "wenn das depressive Elternteil einsichtig ist und sich helfen lässt, sieht das Kind, dass die Eltern versuchen, mit der Krankheit umzugehen", sagt sie. Außerdem sei es enorm wichtig, dass das Kind andere, enge Bezugspersonen hat, die nicht depressiv sind.

5. Eltern setzen Kind unter Druck

Doch nicht nur Vernachlässigung, auch ein überfürsorgliches Verhalten der Eltern kann die Sprösslinge überfordern. So fanden Forscher der Bringham Young University heraus, dass diese Kinder weniger empathisch und engagiert sind sowie mit Bindungsstörungen zu kämpfen haben.

Außerdem fühlen sie sich unter Druck gesetzt, was sie mit übermäßigem Alkohol- oder Drogenkonsum zu kompensieren versuchen. "Die überfürsorglichen, sogenannten Helikopter-Eltern, nehmen ihre Kinder in Schutz, wollen nicht, dass sie scheitern", sagt Nora Volmer-Berthele, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie. Dieses Verhalten schade ihnen enorm. "Und das Gefühl 'ich bekomme es selbst nicht hin' kann ein früheres Auslösen der persönlichen Krankheitsphase möglicherweise begünstigen."

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jp

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