Schlechte Zeiten

Schlechte Zeiten: Pilzsammler müssen in diesem Jahr besonders aufmerksam sein

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Wegen dem trockenen Sommer erwarten Experten eine schlechte Pilzsaison.

Im Herbst zieht es Pilzfreunde nach draußen. Im Wald und auf Wiesen lassen sich allerlei Köstlichkeiten finden - normalerweise. In diesem Jahr könnte die Ausbeute aber mager ausfallen.

Bremen (dpa) - Für Pilzsammler ist dieser Sommer alles andere als super. Jens Karius geht in die Pilze, seit er ein Kind ist. Doch so eine schlechte Saison hat der 47-Jährige aus Weyhe in der Nähe von Bremen bisher noch nie erlebt.

Schlechtes Pilzjahr: Totale Ernteausfälle

"Die Sommerpilze sind komplett ausgefallen", sagt er. Selbst in seinem Urlaub in Schweden, wo die Pilze normalerweise üppig wachsen, hatte er kein Glück. Schuld daran ist die Trockenheit in diesem Sommer. Denn das mögen die meisten Pilze überhaupt nicht.

"Im Augenblick ist noch relativ wenig zu holen", bestätigt Marco Thines, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Diese kann auf das geballte Wissen von Wissenschaftlern, Hobbyforschern, Züchtern und Naturschützern zurückgreifen. "Lokal sind die Unterschiede riesig", sagt Thines. "Aber für Gesamtdeutschland würde ich ein eher schlechtes Pilzjahr erwarten." Sollte es in den nächsten Wochen jedoch ordentlich regnen, könne sich das noch ändern.

Klimawandel beeinflusst auch Pilzsaison

Müssen sich Pilzsammler angesichts des Klimawandels häufiger auf schlechte Jahre einstellen? Das können Fachleute nicht definitiv beantworten. "Man stellt fest, dass manche Pilze früher als sonst im Jahr auftreten und dass wärmeliebende Arten häufiger vorkommen", sagt Thines. "Im Moment sind das Trends." Es fehle aber an Studien, die das statistisch auswerten. Der Grund: Wo welche Pilze wachsen, melden nur einige Dutzend ehrenamtliche Helfer. Deshalb ist die Datenbasis mager.

Etwa 9000 Großpilze sind in Deutschland bekannt. 6000 hat das Bundesamt für Naturschutz auf ihre Gefährdung hin untersucht. Ein Viertel davon steht demnach auf der Roten Liste, gilt also als mehr oder weniger stark gefährdet. Ein weiteres Viertel gilt als ungefährdet. Bei den übrigen Arten können Experten keine genaue Einschätzung abgeben, da nicht genug Daten vorliegen. "Es gibt Pilzarten, die waren früher weit verbreitet und sind jetzt kaum noch zu finden", sagt Thines. Von den Großpilzen seien zwar nur etwa 100 als Speisepilz bedeutend, doch auch sie würden Lebensräume verlieren.

Ein Beispiel ist der Wiesenchampignon, dem die intensive Landwirtschaft zu schaffen macht. Durch Dünger und Autoabgase reichert sich Stickstoff in den Böden an, auf den die meisten Pilze empfindlich reagieren. "In Deutschland gibt es außerhalb der Nationalparks keine Wälder, die natürlich sind", ergänzt Thines. Viele seltene Pilze gebe es nur dort, wo totes Holz herumliege. In landwirtschaftlich besonders intensiv genutzten Bundesländern wie Niedersachsen seien das offene Grünland und damit auch der Pilzbestand auf naturnahen Wiesen um 90 Prozent innerhalb von 60 Jahren zurückgegangen, sagte Thines der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

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Wälder leiden unter Pilzarmut

Das ist nicht nur eine schlechte Nachricht für Pilzfreunde, sondern auch für Ökosysteme wie den Wald. Denn Pilze spielen darin eine herausragende Rolle. Sie sind die einzigen Organismen, die tote Baumstämme in wenigen Jahren zersetzen können. Zudem versorgen sie mit ihrem unterirdischen Geflecht Bäume und Kräuter mit Nährstoffen und Wasser. Überdies leben sie in Symbiose mit vielen Pflanzen und Tieren - sie helfen Kühen zum Beispiel dabei, Gras zu verdauen. Pilze sind auch für den Erhalt vieler Insekten- und Käferarten wichtig, sagte Thines der Zeitung: "Werden sie weniger, dezimiert das auch die Nahrung und den Lebensraum für Insekten." Ohne Pilze wäre Getreide- oder Obstanbau kaum möglich, Medikamente wie Antibiotika, Brot und Wein könnten nicht hergestellt werden.

Deshalb können sich Wissenschaftler wie der Evolutionsbiologe Thines von der Universität Frankfurt und der Freizeit-Pilzkenner Karius gleichermaßen für die vielfältigen Organismen begeistern. "Ich esse Pilze nicht nur gern", sagt Karius. "Sie sind auch wunderschön." Seit einem Jahr ist er geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Er bietet in diesem Jahr erstmals Pilzwanderungen an und berät Sammler, die sich unsicher mit gefundenen Pilzen sind.

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Mehr Sicherheit mit Pilzsachverständigen und Bestimmungs-Apps

In den Wald gehen und Pilze sammeln - daran haben inzwischen wieder mehr Menschen Spaß. Bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zeigt sich das in der steigenden Zahl von Pilzsachverständigen. Doch auch Laien zieht es in die Pilze. Allerlei Bestimmungs-Apps für das Smartphone machen die Suche heute vermeintlich leichter. Doch Pilzkenner Karius hält davon wenig. "Ich finde das riskant. Gerade bei Pilzen, wo die Gefahr besteht, dass man sich vergiftet", sagt er. "Manche Pilze sind nur mit dem Mikroskop voneinander zu unterscheiden."

Wolfgang Prüfert hat für die Deutsche Gesellschaft für Mykologie bereits 2015 einige Apps getestet. Sein Urteil: Pilzsammler, die bei der Suche nur auf eine App vertrauten, spielen mit ihrem Leben. Seitdem sind zwar weitere Apps auf den Markt gekommen, unter ihnen sieht Prüfert aber keine bahnbrechende Neuerung. "Anfänger sollten komplett die Finger von Apps lassen", lautet deshalb seine Empfehlung.

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Auf rohem Hähnchenfleisch findet sich häufig das Bakterium Campylobacter, das im schlimmsten Fall zu Durchfall, Fieber und Übelkeit führen kann.
Auf rohem Hähnchenfleisch findet sich häufig das Bakterium Campylobacter, das im schlimmsten Fall zu Durchfall, Fieber und Übelkeit führen kann. © Andreas Geber / picture alliance / dpa
Auch auf rohem Fisch findet es sich. Wird das Fleisch gewaschen kann sich das Bakterium durch das Spritzwasser in der ganzen Küche verteilen.
Auch auf rohem Fisch findet es sich. Wird das Fleisch gewaschen kann sich das Bakterium durch das Spritzwasser in der ganzen Küche verteilen. © Holger Hollemann / picture alliance /dpa
Auch rotes Fleisch ist betroffen. Keime werden beim Braten ausreichend abgetötet. Sie können sich das Waschen also beruhigt sparen.
Auch rotes Fleisch ist betroffen. Keime werden beim Braten ausreichend abgetötet. Sie können sich das Waschen also beruhigt sparen. © Oliver Berg / picture alliance / dpa
Aus Angst vor Salmonellen oder auch nur, um Schmutz zu entfernen, waschen manche rohe Eier nach dem Einkauf ab. Das kann die natürliche Schutzschicht beschädigt, Keime dringen leichter in das Innere des Eis ein.
Aus Angst vor Salmonellen oder auch nur, um Schmutz zu entfernen, waschen manche rohe Eier nach dem Einkauf ab. Das kann die natürliche Schutzschicht beschädigt, Keime dringen leichter in das Innere des Eis ein. © Victoria Bonn-Meuser / picture alliance  /dpa
Wenn auf abgepacktem Salat, Gemüse oder Obst vermerkt ist, dass es gewaschen ist, dann können Sie sich das erneute Abwaschen mit kostbarem Wasser sparen.
Wenn auf abgepacktem Salat, Gemüse oder Obst vermerkt ist, dass es gewaschen ist, dann können Sie sich das erneute Abwaschen mit kostbarem Wasser sparen. Für lose Ware gilt das natürlich nicht. © Christian Charisius / picture alliance / dpa
Reis soll vor dem Garen gespült werden, aber bei Pasta kommt niemand auf die Idee. Dafür schrecken viele die Nudeln nach dem Kochen ab. Das verwässert jedoch den Geschmack und spült die wertvolle Stärke ab.
Reis soll vor dem Garen gespült werden, aber bei Pasta kommt niemand auf die Idee. Dafür schrecken viele die Nudeln nach dem Kochen ab. Das verwässert jedoch den Geschmack und spült die wertvolle Stärke ab. © Matthias Hiekel / picture alliance / düa
Das Pilze beim Waschen Wasser ziehen ist ein Küchenmärchen, aber dennoch ist es nicht nötig, Pilze abzuwaschen, wenn Sie sie garen wollen. Dann reicht es, sie abzubürsten. Sollen Sie roh in den Salat geschnitten werden, ist ein Bad aber nicht verkehrt.
Das Pilze beim Waschen Wasser ziehen ist ein Küchenmärchen, aber dennoch ist es nicht nötig, Pilze abzuwaschen, wenn Sie sie garen wollen. Dann reicht es, sie abzubürsten. Sollen Sie roh in den Salat geschnitten werden, ist ein Bad aber nicht verkehrt. © In ga Kjer / picture alliance / dpa

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