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Kinder mit Ohrfeige zu bestrafen, „war völlig normal“ – Experten warnen vor Methoden

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Autor Matthias Kröner kennt dies aus seiner eigenen Kindheit und plädiert wie Pädagogin Katia Saalfrank für Erziehung ohne physische Strafen.

Berlin – Wenn der Vater von zwei Jungs nicht gerade als Autor unter anderem für das beliebte Portal „eltern.de“ schreibt, so ist er gerne mit seinen Kindern unterwegs. Zusammen den Fußball kicken ist gerade hoch im Kurs. Da geht es auch mal stürmisch und laut zu. Als seine Kinder noch im Kleinkind-Alter waren, traf er sich gerne mit anderen Eltern im Café oder Restaurant. Die Kinder waren natürlich auch dabei. Und wie Kinder eben so sind, waren sie auch mal laut. Doch ist das in Ordnung? Oder ist es ein Ausdruck davon, seine Kinder heutzutage nicht im Griff zu haben? Rückblickend gesehen würde Kröner es selbst für sich so einordnen.

Kindererziehung: Experte meint, Eltern haben ihren Nachwuchs nicht im Griff

Gerade im Austausch mit Großeltern und Nachbarn hört der zweifache Vater dies immer wieder, dass die heutige Elterngeneration ihre Kinder nicht richtig erzieht. Sie würden ihren Nachwuchs zu sehr mit „Samthandschuhen anfassen“ und ihnen zu wenig Grenzen setzen. Das zeige sich dann auch in dem (vor)lauten Verhalten. Durch die wenigen Grenzen würden sich die Kinder leichter zu egoistischen und verwöhnten Menschen entwickeln, sagt beispielsweise der Erziehungswissenschaftler Autor Albert Friedrich Wunsch. Der Hochschullehrer polarisiert immer wieder mit seinen Ansichten und Thesen über die heutige, moderne Kindererziehung. Einige „Helikopter“-Eltern springen sofort, sobald das Kind nur einen Mucks macht – mit diesem Verhalten würde man der Entwicklung des Kindes eher schaden, sagt Pädagogin Beate Letschert-Grabbe.

Dass Grenzen-setzen früher auch deutlich mit physischen Reaktionen gelebt wurde, hat der Autor zu Familienthemen Matthias Kröner als Kind selbst erfahren: „Wenn ich früher ‚blöder Papa!‘ gesagt habe, passierte das genau einmal. Dann gab es eine ‚gscheite Schelln‘ (fränkisch für Ohrfeige), Wut wurde konsequent weggesperrt („Geh in dein Zimmer!“), und es war völlig normal zu strafen („Du bekommst jetzt Fernsehverbot!“).“ Laut sein war da nicht gewünscht und nicht erlaubt.

Zwei Brüder fahren mit viel Lärm auf einem Skateboard durch ein Zimmer. (Symbolbild)
Dürfen Kinder von heute nie laut sein, sollen Eltern sie „wegsperren“, wenn sie stören? (Symbolbild) © Nasos Zovoilis/Imago

Beziehung statt Erziehung? Experten raten, neue Wege einzuschlagen

Doch wie sieht eine gute und richtige Erziehung heutzutage aus? Ist es noch normal, seine Kinder einzubremsen, sie nie laut sein zu lassen, sie „wegzusperren“, wenn sie stören und Wut haben? „Ich glaube, viele Eltern meiner Generation wissen, dass sie das nicht wollen. Aber wie geht es besser? Dafür haben wir kaum Vorbilder. Wie man Kinder erziehen soll, ist heute weniger klar definiert, als es zu meiner Kindheit war – und vor allem sind wir uns dabei nicht einig. Stattdessen stellen wir heute sogar den Begriff ‚Erziehung‘ in Frage. Und setzen eher auf ‚Beziehung‘.“

Auch Pädagogin, Vierfach-Mama und Autorin Katia Saalfrank kennt diese Schwierigkeiten der Generationenunterschiede aus ihrer täglichen Arbeit als Coach von Eltern. Die Mutter von vier Söhnen plädiert in einem ihrer Bücher dafür, neue Wege in der Kindererziehung zu gehen, weg vom klassischen Erziehungsmodell, hin zu mehr Eltern-Kind-Beziehung. Dabei geht es darum, den Fokus mehr auf Achtsamkeit statt Belehrung, Vertrauen statt Kontrolle sowie Miteinander statt Gegeneinander zu setzen.

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Eltern-Kind-Beziehung heute: Angepasste Gefühle können zu Angststörungen führen

Gemäß der Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie, der Säuglings- und Bindungsforschung als auch der Hirnforschung in der Evolutionsbiologie ist heute bekannt, welcher Umgang mit Kindern gut ist. „Früher mussten Gefühle und emotionale Bedürfnisse nach Wärme, Nähe und Geborgenheit unterdrückt werden, was Langzeitfolgen für die betroffenen Kinder hat. Von Burnout über Depressionen bei Jugendlichen, Angst-, Bindungs- und Beziehungsstörungen. Wenn wir das doch heute wissen, dann können wir diese Erkenntnisse in unseren Umgang zu Kindern einfließen lassen und können wegkommen von der reinen Verhaltensanpassung“, betont die Pädagogin Saalfrank.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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