Behörden warnen

Die Krätze ist wieder da - und sie gilt als hochansteckend

Die Krätze ist auf dem Vormarsch, sagen Dermatologen. Die juckende Hauterkrankung ist nicht nur nervig – sondern auch gefährlich.

Vergangenes Wochenende musste eine komplette Krankenhausstation geschlossen werden. Was sich nach einem gefährlichen, neuen Virus anhört, ist tatsächlich eine alte Krankheit, die wieder stärker ins Tageslicht drängt. Es handelt sich dabei um die Krätze. Wegen ihr musste das Bonner Johanniter-Krankenhaus seine Pforten schließen.

Und Hautärzte glauben, dass sie nicht nur zurückgekehrt, sondern auch stärker denn je ist. Die Krätze ist auf dem Vormarsch, verkündete der Berufsverband der deutschen Dermatologen schon 2016.

Was ist Krätze?

Bei der Krätze, auch Scabies oder Skabies genannt, handelt es sich um eine ansteckende, stark juckende Hauterkrankung. Ihr Name leitet sich aus dem Lateinischen von "scabere" ab, was "kratzen" bedeutet.

Sie wird ausgelöst durch die Krätzmilbe, ein winziger Parasit, der durch längeren engeren Hautkontakt übertragen wird. Dabei gräbt die Krätzmilbe kleine Gänge in die Haut und legt dort ihre Eier ab. Der starke Juckreiz an Händen und Oberkörper verleitet zum Kratzen, woher auch der Name stammt.

Doch dadurch kommt es zu Hautentzündungen und das Infektionsrisiko steigt. Dadurch entsteht auch das typische Hautbild der Krätze. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 300 Millionen Menschen betroffen.

Neben Händen und Oberkörper sind besonders Körperfalten wahre Brutstätten für die Spinnentierchen. Dazu gehören:

  • der Genitalbereich
  • die Zwischenräume von Fingern und Zehen
  • die Achselhöhlen
  • der Bauchnabel

Hier fühlen sie sich besonders wohl, da es dort oftmals ziemlich warm und feucht ist. Auch im Bett vermehren sich die Milben aus diesem Grund rasant schnell – weshalb hier die Ansteckungsgefahr am größten ist.

Was sind die Symptome von Krätze?

  • Starker Juckreiz an Händen und Oberkörper
  • Eventuell leichtes Brennen der Haut
  • Bläschen und Pusteln (diese können mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllt sein)
  • Hautekzeme
  • Krusten (nach Aufplatzen der mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen)

Bei jeder Berührung löst sich die Haut dieses Jungen - er leidet unter einer Schmetterlingshaut. Was das ist und wie es ihm jetzt geht, erfahren Sie hier.

Wie kommt es zu einer Ansteckung?

Ärzte sagen, wenn ein enger und intensiver Hautkontakt von Mensch zu Mensch entsteht. Meistens muss dieser mindestens fünf bis zehn Minuten erfolgen. Besonders dann, wenn man sich zudem für ein Stelldichein in den Laken wälzt. Doch auch beim gemeinsamen Schlafen im Bett, Kuscheln oder auch beim Liebkosen von Kleinkindern oder bei der intensiven Betreuung und Pflege von Menschen können die Parasiten übertragen werden. Kurzes Händeschütteln allein reicht dagegen für eine Ansteckung mit Krätze nicht aus. Der Grund dafür: Die Krätzmilbe kann nur kurze Zeit ohne einen Wirt überleben - mangelnde Körperhygiene erhöht allerdings das Risiko, dass sich die Krätzmilbe vermehrt und so auch auf andere übertragen lässt.

Auch Menschen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist, sind oftmals gefährdeter, an Krätze zu erkranken. Zudem kommt die Erkrankung in Krankenhäusern oder Pflegeheimen - wie auch im Fall des Bonner Krankenhauses zu sehen - wegen des engen Körperkontakts zwischen Pfleger und Patienten häufiger vor.

Häufiges Händewaschen oder übertriebene Körperhygiene helfen allerdings nicht unbedingt – die Krätzmilben gibt es schon seit Jahrtausenden und besiedeln Menschen jeden Alters oder Herkunft. Besonders gerne nisten sie in trockener, spröder Haut oder bei Kindern. Deren hauteigene Schutzfunktion ist oftmals noch nicht vollständig ausgereift.

Krätze: Wie erfolgt die Behandlung?

Was aber tun, wenn ich bereits Krätze habe? Dann schnell ab zum Arzt. Die Hauterkrankung lässt sich allerdings recht gut durch sogenannte Anti-Milben-Mittel zum Auftragen oder Einnehmen (letzteres seit Mai 2016) behandeln. Ziel ist es, alle vorhandenen Krätzmilben in und auf der Haut auszumerzen. Patienten sollten sich allerdings genau an die Anweisungen von ihrem behandelnden Arzt halten, da manche Mittel starke Nebenwirkungen aufweisen können. Besonders Schwangere, Stillende und Kinder sollten hier also Vorsicht walten lassen.

Cremes zur äußeren Anwendung enthalten oftmals den Wirkstoff Permethrin und sind gut verträglich - sie werden meist großflächig auf die betroffenen Stellen aufgetragen und nach acht bis zwölf Stunden wieder abgewaschen. Danach empfiehlt es sich, frische Kleidung anzuziehen und die Bettwäsche zu wechseln. Oftmals reicht eine Kur aus - falls allerdings nach zwei Wochen noch immer Beschwerden vorhanden sind, müssen Sie die Anwendung wiederholen. Generell müssen Patienten noch vier Wochen nach Therapiebeginn beim Hautarzt erscheinen, um einen erneuten Ausbruch auszuschließen.

Allerdings kann die Haut auch nach einer erfolgreichen Therapie noch jucken oder verändert aussehen - Ärzte sagen dazu postskabiöses Ekzem. Dabei handelt es sich um eine Reizung der Haut durch Rückstände der Parasiten, die in der Haut verblieben sind. Diese lässt sich allerdings gut durch eine antientzündliche Salbe oder Creme behandeln. Zusätzlich sollte der Patient noch eine rückfettende Bodylotion auf die strapazierten Hautstellen für einige Wochen auftragen, damit sich diese wieder regenerieren können.

Zur inneren Therapie von Krätze ist seit Mai 2016 in Deutschland auch Ivermectin offiziell zugelassen. Auch eine Behandlung mit der Substanz wird meist nur als einmalige Kur durchgeführt. Auch hier gilt: Falls 14 Tage nach der Behandlung noch Auffälligkeiten auftreten, muss die Behandlung ebenfalls wiederholt werden. Diese Alternative ist für alle diejenigen Betroffenen sinnvoll, bei denen eine äußere Therapie mit Permethrin nicht funktioniert hat.

Meistens geht von Betroffenen nach schon einem Tag keine Ansteckungsgefahr mehr aus. Dennoch sollten Sie Ihre Klamotten, Handtücher und Bettwäsche am besten täglich wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen, damit Sie auch sichergehen können, dass Sie auch alle Milben entfernt haben. Polster, Matratzen oder andere Möbel sollten Sie zudem täglich absaugen oder luftdicht in einer Plastiktüte für mindestens sieben Tage verpacken.

Krätze: Wo treten die Fälle aktuell auf?

Nach dem Ausbruch auf einer Station in einem Bonner Krankenhaus werden nun immer mehr Skabiesfälle öffentlich. Besonders Großstädte in Nordrhein-Westfalen sollen davon betroffen sein. Angeblich seien diese laut den dortigen Gesundheitsämtern in Düsseldorf von 21 im Jahr 2013 auf 93 in 2016 gestiegen. Auch in Duisburg verzeichnete man noch 2014 44 Fälle - bis heute hat sich die Zahl knapp vervierfacht.

Gibt es eine Meldepflicht für Krätze?

Die Hautkrankheit ist laut dem Robert Koch Institut gemäß §6 und 7 IfSG durch Privatpersonen  nicht meldepflichtig, deshalb gibt es noch keine konkreten Zahlen, wie viele bereits betroffen sind oder waren. Die Dunkelziffer scheint deshalb größer zu sein als bekannt. Institutionen wie etwa Pflege- und Altersheime oder Kitaeinrichtungen müssen Fälle dagegen melden.  

Bitte beachten: Die Tipps in diesem Artikel sind KEIN Ersatz für einen Arztbesuch. Falls Sie Beschwerden haben, sollten Sie immer auch Ihren Hausarzt aufsuchen, um mögliche Risiken auszuschließen.

Lesen Sie auch: So werden Sie endlich unschönen Hautgrieß an den Augen los.

Auch interessant: Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist wieder zurück - doch wie gefährlich ist sie?

jp

Fotostrecke

So sieht die Krätze im Endstadium aus:

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © Instagram/erkanyunus

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