"Süßes Blut"

Studie deckt auf: Darum werden Sie ständig von Mücken gestochen - und andere nicht

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Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, warum manche Menschen öfters gestochen werden als andere.

Im Spätsommer werden Mücken, Wespen & Co. für Mensch und Tier nochmal richtig lästig. Stiche sind da vorprogrammiert. Oder wählen diese etwa ihre Beute bewusst aus?

Wer kennt es nicht? Während man selbst das Gefühl hat, jedes Jahr wieder aufs Neue mit Mückenstichen übersät zu sein, gibt es wiederum Freunde, die von den lästigen Biestern verschont zu bleiben scheinen. Da stellt sich die Frage, ob die kleinen Insekten etwa mit Vorsatz bei ihrer Wirtsuche vorgehen? Ziehen manche Personengruppen Stechmücken tatsächlich geradezu magisch an?

Gibt es Menschen, die Mücken tatsächlich lieber stechen?

Ja, sagt Entomologe Joseph M. Conlon, der als technischer Berater für die "American Mosquito Control Association" arbeitet. "Es steht außer Frage, dass manche Individuen auf Mücken attraktiver wirken als andere, da sie Chemikalien über ihre Haut bzw. Hautoberfläche aussondern." Dies sei vor allem bei Menschen der Fall, die folgende fünf Kriterien erfüllen:

1. Sie sind schwanger

Weibliche Stechmücken sollen geradezu nach Kohlenstoffdioxid gieren. Spezielle Nervenrezeptoren helfen ihnen dabei, das Gas in ihrer Umgebung aufzuspüren. Doch was hat das damit zu tun, ob Sie schwanger sind oder nicht?

Laut einer Studie von 2002, die im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde, sollen Frauen in späteren Stadien ihrer Schwangerschaft (meist um die 28. Woche) 21 Prozent mehr Kohlenstoffdioxid ausatmen als nicht-schwangere Geschlechtsgenossinnen. Die Forscher kamen daher zu dem Schluss, dass dieser physiologische Unterschied erklären könnte, warum schwangere Frauen, die an der Untersuchung teilgenommen hatten, zweimal so viele Mücken anzogen.

Aber nicht nur Kohlenstoffdioxid, sondern auch ein bestimmter Duft, der von schwangeren Frauen ausgehe, könne sie für die Insekten attraktiver machen, glaubt Laura Harrington, Professorin für Entomologie an der Cornell University.

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2. Sie schwitzen stark

Wenn Sie häufig von Mücken gestochen werden, sollten Sie überlegen, ob Sie schweißtreibende Workouts im Sommer lieber in den eigenen vier Wänden absolvieren sollten. Der Grund dafür: Die Milchsäure, ein Nebenprodukt von anstrengenden, körperlichen Aktivitäten, welches durch Schweiß ausgeschieden wird, soll Mücken ebenfalls wie magisch anziehen, meint Entomologe Joseph M. Conlon.

Hinzu kommt, dass während Sport auch die Körpertemperatur steigt. Diese Wärme, die man ausstrahlt, macht die Biester ebenfalls auf einen aufmerksam, so Conlon weiter.

3. Sie haben Blutgruppe "0"

Was die Verteilung von Blutgruppen angeht, hat der Typ "0" die Nase vorn. Etwa 45 Prozent der Weltbevölkerung tragen dieses Blutgruppenmerkmal in sich. Allerdings zum Leidwesen vieler, wenn es um Mückenstiche geht.

Diese scheinen besonders "süßes Blut", wie der Volksmund sagt, für die Plagegeister in sich zu tragen - und verleiten diese eher dazu, Blut zu saugen. Das hat jetzt eine Studie im Fachmagazin Journal of Medical Entomology ergeben. "Menschen mit Blutgruppe 0 scheinen besonders oft Düfte zu verströmen, die Mücken attraktiv finden", glaubt Conlon.

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4. Sie haben gerade Alkohol getrunken

Was im ersten Moment kurios klingt, soll wissenschaftlich belegt sein. So hat eine Untersuchung, die in Westafrika an männlichen Studienteilnehmern durchgeführt wurde und in der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE erschienen ist, ergeben, dass Mücken ein gesteigertes Interesse an denjenigen hatten, die Bier statt Wasser tranken. "Aber wie verbreitet dieses Phänomen tatsächlich ist, bleibt unklar", erklärt Entomologin Laura Harrington.

5. Ihre Gene sind dran schuld

Hierfür können Sie wirklich nichts - Studien an ein- und zweieigen Zwillingen wollen herausgefunden haben, dass auch ein zugrundeliegender, genetischer Mechanismus dafür sorge, ob man gestochen wird oder nicht. So haben Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine nachweisen können, dass manche Körper von Personen eher in der Lage sind, einen natürlichen Mückenschutz zu produzieren als andere. Sie vermuten, dass diese Fähigkeit genetisch bedingt sei.

Falls Sie einer der "Glücklichen" sind, die ständig von den Plagegeistern belästigt werden, sollten Sie folgenden Tipp von Nora Besansky, Professorin für biologische Wissenschaften in Notre Dame beherzigen: "Am einfachsten ist es, stets eine Art Schutzschicht um den Körper zu tragen, um Mücken davon abzuhalten, Sie zu beißen. Das geht am besten, wenn Sie lange Kleidung tragen", erklärt sie. "Einen besseren Schutz bieten noch effektive Mückenschutzsprays, mit der Sie die Klamotten imprägnieren." Besansky empfiehlt hierzu abschließend ein Produkt, das Diethyltoluamid enthalte.

Lesen Sie auch: Diese zehn Hausmittel helfen gegen Mückenstiche.

jp

Blutrünstige Plagegeister: Kleine Mückenkunde

Je feuchter und wärmer der Sommer, desto besser vermehren sich Mücken. Eine Pfütze reicht ihnen schon. Doch nur die Weibchen stechen zu. Eine kleine Mückenkunde: © dpa
Warum stechen Mücken? Stechmücken ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Für die Reifung der Eier bei der Vermehrung braucht das Weibchen allerdings eiweißreiche Nahrung. Nur darum saugt es Blut - bei Tier und Mensch. © dpa
Ein Mückenweibchen kann nach einer Blutmahlzeit bis zu 300 Eier legen. Die Vermehrung von Mücken ist temperaturabhängig und dauert im Sommer nur wenige Tage. © dpa
Mückenweibchen besitzen für das Blutsaugen einen hochspezialisierten Rüssel. Beim Blutsaugen wird Speichelflüssigkeit abgegeben, die unter anderem die Stichstelle betäubt. Das Speichelsekret wird in der Regel erst nach dem Stich vom Immunsystem des Gestochenen erkannt. Es löst den Juckreiz und kleine Schwellungen aus. © dpa
Können Mücken Krankheiten übertragen? Für unsere Breiten ist das nicht bekannt. Vor allem in den Tropen gelten Mücken aber als Überträger zahlreicher Krankheitserreger wie Viren, Einzeller und Fadenwürmer. © dpa
Gefährliche Krankheiten, die mit Stechmücken in Zusammenhang stehen, sind die Malaria oder das Gelbfieber. Doch nicht jede Mückenart kann jeden Erreger übertragen. © dpa
Wie schützt man sich am besten vor Mücken?Wer keine Plagegeister mag, sollte auf dünne Kleidung und nackte Haut verzichten. Da viele Mückenarten die Schwüle und die Dämmerung lieben, empfiehlt es sich, im Haus zu bleiben. Dort können Fenstergitter Mücken fernhalten. Haut mit natürlichen und synthetischen Abwehrstoffe einschmieren oder auch damit die Kleidung imprägnieren.  © dpa
Oberstes Gebot ist beim Mückenstich: nicht kratzen! Durch das Kratzen verlängert sich nicht nur der Heilungsprozess, sondern es kann auch zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen, die sich zu bösen Entzündungen entwickeln können. Durch Einreiben mit alkoholischen Lösungen kann man die Stichwunde desinfizieren. Kühlung hilft, den Juckreiz zu unterdrücken. Nach einigen Tagen sollten Juckreiz und Quaddel verschwunden sein.   © dpa

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