Forschung

Studie: Wetter nur indirekt schuld an Gelenkschmerzen

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Wenn das Knie schmerzt, wird gekühlt. Meist treten Gelenkschmerzen bei warmem Wetter auf. Woran das liegt, haben Forscher herausgefunden. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Gibt es ein Wetter, das besonders vielen Menschen auf die Gelenke geht? US-Forscher haben eine überraschende Antwort.

Seattle (dpa) - Beeinflusst das Wetter Gelenkschmerzen? Ja, sagen US-Forscher - aber anders, als oft gedacht.

Zwar steige mit den Temperaturen auch die Zahl der Suchanfragen im Internet nach Knie- oder Hüftschmerzen. Grund dafür sei jedoch, dass sich die Menschen bei wärmerem Wetter schlicht mehr bewegten und öfter überanstrengten.

Das Team um den Orthopäden Scott Telfer von der University of Washington (Seattle) hatte im Journal "PLOS ONE" umfangreiche Wetterdaten von 2011 bis 2015 aus 45 US-Städten in Bezug dazu gesetzt, wie viele Menschen Wörter wie "Gelenkschmerzen" googelten. Es zeigte sich: Zunächst stiegen die Suchanfragen mit den Temperaturen stetig an, irgendwann über 20 Grad nahmen sie wieder ab - ebenso bei Niederschlag.

Infos zu Kniebeschwerden waren demnach bei 23 Grad am häufigsten nachgefragt, zu Hüftschmerzen bei 28 Grad. Zum Vergleich: Die Internet-Suche nach "Bauchschmerzen" war bei milden Temperaturen besonders gering, die nach "Arthritis" zeigte keinen klaren Zusammenhang mit dem Wetter.

"Wir haben keinen direkten Mechanismus gefunden, der Umgebungstemperatur und Schmerz verbindet. Wir glauben eher, dass Leute an schönen Tagen aktiver sind und mehr dazu neigen, sich zu überanstrengen und zu verletzen, und dann online nach Informationen dazu suchen", sagte Telfer. Diese Hypothese wollen die Forscher nun weiter untersuchen.

In Deutschland stößt die Studie dennoch auf Kritik. "Sie zeigt Korrelationen, aber sagt nichts über kausale Einwirkungen", sagte Prof. Marcus Schiltenwolf (Uniklinik Heidelberg). Es fehlten darin sämtliche Bezüge zum Alter derjenigen, die Informationen im Internet gesucht haben, und vor allem zu deren Fitness-Grad. "Das ist eine Verzerrung dessen, was Bewegung leisten kann."

Bewegung sei wichtig und sinnvoll, wenn man sie öfter und auch regelmäßig betreibe, betonte der Orthopäde. Vor dem Hintergrund, dass nur ein Zehntel der Bevölkerung sich ausreichend bewege, komme es bei Bewegungsmuffeln auch schneller zu Muskelkater und Gelenkschmerzen. "Das alles sollte eine Studie berücksichtigen."

Eine Wetterlage, auf die Menschen per se besonders empfindlich mit Gelenkschmerzen reagieren, gibt es nach Einschätzung von Schiltenwolf nicht. "Der eine verträgt keine Feuchtigkeit, der andere keine Hitze. Wetterfühligkeit ist sehr individuell. Für viele ist sie überhaupt kein Problem." Grundsätzlich habe der Mensch eine erstaunliche epigenetische Fähigkeit, sich an das Umgebungsklima anzupassen.

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