Präparat gegen Erbkrankheit

Unglaublicher Preis: Teuerstes Medikament der Welt wird zugelassen

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Medikamente über Medikamente: Ein neues Präparat bricht alle Rekorde, was die Kosten anbelangt.

Eine unermesslich teure Gen-Therapie gegen eine Erbkrankheit stellt Krankenkassen vor eine immense Herausforderung. Sind die Kosten gerechtfertigt?

In den USA dürfen Mediziner seit kurzem das Präparat Zolgensma verschreiben. Kein normales Arzneimittel - sondern das teuerste überhaupt. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis produziert das Medikament, das bei Kindern unter zwei Jahren eingesetzt wird, um die Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie (SMA) zu behandeln. Auch wenn der Nutzen nachgewiesen wurde, stößt das Medikament auf Widerstand.

Wichtig für die Therapie: Eine frühzeitige Diagnose von Spinaler Muskelatrophie

Die enormen Kosten von 2,1 Millionen Dollar (1,87 Millionen Euro) pro Einmaldosis schockten die Behörden, als es um die Neuzulassung ging. Die Befürchtung: Gesundheitssysteme könnten mit solchen Preiskalkulationen nicht zurechtkommen. Doch Novartis argumentierte dem Portal Deutsche Welle zufolge offenbar erfolgreich, dass die Einmalanwendung von Zolgensma das Leben von Patienten rette, die andernfalls auf eine lebenslange Behandlung angewiesen wären, deren Kosten sich auf mehrere hunderttausend Dollar pro Jahr belaufen würden.

Unbehandelt lässt die Erbkrankheit SMA die Muskulatur immer weiter verkümmern, was zu Behinderung und im schlimmsten Fall zum Tod führt. Wird der Gendefekt allerdings frühzeitig diagnostiziert und mit Zolgensma in Form einer einmaligen Infusion behandelt, kann die Krankheit nach Angaben des Herstellers gestoppt werden. Bereits entstandene Schäden können allerdings nicht rückgängig gemacht werden, weshalb die frühe Diagnose immens wichtig sei.

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Krankenversicherungen sollen in Raten zahlen können

Langzeitstudien würden zwar noch fehlen, aber die ersten mit Zolgensma behandelten Kinder, die inzwischen vier bis fünf Jahre alt sind, zeigen keine Symptome von Spinaler Muskelatrophie, wie Neurologe Jerry Mendell als Studienleiter berichtete.

In den USA wurde die Gen-Therapie genehmigt, noch dieses Jahr soll sie in Europa eine Zulassung bekommen. Die Kostenproblematik will Novartis lösen, indem der Pharmakonzern Krankenversicherungen Ratenzahlungen ermöglicht.

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jg

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

Spitzenreiter beim Umsatz der Ärzte aus dem Honorar von Behandlung und Diagnose gesetzlich Versicherter sind die Labormediziner. Sie erzielten nach den jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ersten Halbjahr 2011 pro Quartal einen Honorarumsatz von rund 230 000 Euro, gefolgt von Nierenspezialisten mit 224 000 Euro. © dpa
Strahlenmediziner, Humangenetiker, Fachärzte für Innere Medizin mit bestimmten Schwerpunkten und Radiologen folgen mit Werten zwischen 199 000 und 93 000 Euro. Kinder- und Jugendpsychiater erzielten 65 000 Euro Umsatz, Augenärzte 60 000, Chirurgen 57 000, Orthopäden 56 000, Hausärzte 52 000 und Gynäkologen 47 000 Euro. © dpa
Laut der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamtes konnten die Ärzte in Deutschland ihr Einkommen in den letzten Jahren deutlich steigern. Bei den Orthopäden stieg beispielsweise der Wert des jährlichen Reinertrags von 276.000 Euro im Jahr 2007 auf 293.000 Euro im Jahr 2011. Die Allgemeinmediziner konnten ihren jährlichen Reinertrag sogar um 30.000 Euro auf insgesamt 181.000 Euro pro Jahr steigern. © dpa
Auch andere Ärztegruppen verdienten 2011 deutlich mehr als noch vier Jahre zuvor. Allgemein beträgt der Zuwachs zwischen 2007 und 2011 im Schnitt 17 Prozent. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte erzielten demnach laut Statistik einen jährlichen Reinertrag von 215.000 Euro, der jährliche Reinertrag der Frauenärzte beträgt 185.000 Euro, bei den Chirurgen sind es sogar 293.000 Euro. Auch die Hautärzte (249.000 Euro) und die Internisten (266.000 Euro) konnten ihr Einkommen steigern. © dpa
Der jährliche Reinertrag pro Praxis beläuft sich laut der Erhebung des Statistischen Bundesamtes auf 234.000 Euro. Im Schnitt lag der Reinertrag jedes Arztes im Jahr 2011 bei durchschnittlich 13.833 Euro im Monat. © dpa
Augenärzte konnten die größten Einkommenszuwächse erzielen: Sie verdienen im Schnitt 19.083 Euro im Monat. Neurologen kommen auf 14.416 Euro im Monat. Spitzenreiter unter den Ärzten sind die Radiologen und Nuklearmediziner mit 25.250 Euro im Monat. © dpa
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die vertragsärztliche Vergütung stiegen laut Bundesgesundheitsministerium von 33 Milliarden Euro 2010 auf 33,7 Milliarden 2011. © dpa

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