Wenn die Nase läuft

Krankschreibung per WhatsApp: Muss sie vom Chef akzeptiert werden?

+
Krankschreibung per WhatsApp: Wird sie von Arbeitgebern wirklich akzeptiert?

Online-Krankschreibung per WhatsApp - und das ohne Arztbesuch: Wird das von Arbeitgebern akzeptiert? Eine Anwältin klärt über die Rechtslage auf.

Seit einigen Monaten bietet ein Hamburger Start-up Krankschreibungen via WhatsApp an. Der Online-Service sorgt seitdem für Furore - schließlich soll damit der Besuch beim Hausarzt hinfällig werden. Muss eine Krankschreibung per WhatsApp überhaupt von Arbeitgebern akzeptiert werden?

Krankschreibung per WhatsApp: Wie funktioniert das?

Der Dienstleister AU-schein.de verspricht eine schnelle Online-Krankschreibung für ein bis drei Tage, die gegen eine Gebühr von 9 Euro per WhatsApp und zusätzlich per Post verschickt wird. Allerdings beschränkt sich der Dienstleister auf die Diagnose von Erkältungen, "da sie ungefährlich, gut erforscht und besonders gut per Anamnese zu diagnostizieren sind", wie es auf der Seite heißt. Mehr als z wei Krankschreibungen pro Kalenderjahr sind allerdings nicht drin. Auch rückwirkende Krankschreibungen oder Folgebescheinigungen werden ausgeschlossen.

Um sich online krankschreiben zu lassen, muss der Arbeitnehmer dafür lediglich einen Online-Fragebogen ausfüllen. Darin muss er Fragen zu seinen Symptomen und Gesundheitszustand beantworten, etwa, ob er an Fieber oder Schmerzen leidet oder ob chronische Erkrankungen bestehen. 

Diese Angaben werden von einem Arzt vor Ort geprüft, wie es auf der Seite heißt. Reichen die Symptome aus, stellt der Tele-Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) aus, die innerhalb weniger Stunden oder bis zum nächsten Arbeitstag auf dem Handy landet. Der persönliche Besuch beim Hausarzt ist damit hinfällig - und hier beginnt das eigentliche Reizthema.

Mehr zum Thema:  So melden Sie sich beim Arbeitgeber richtig krank.

So ist die rechtliche Lage zur WhatsApp-Krankschreibung 

Für kranke Arbeitnehmer ist diese Art der Krankschreibung ideal, wenn sie auf Grund einer schweren Erkältung zu schwach sind, um noch am selben Tag zum Arzt zu gehen. Nachdem aber die körperliche Untersuchung beim Hausarzt entfällt, befürchten viele einen Missbrauch und die ideale Gelegenheit, blau zu machen.

Tatsächlich besitzt die AU per WhatsApp bundesweite Gültigkeit, der Arbeitgeber muss sie somit anerkennen. Dennoch wird sich so mancher Chef an dieser Art der Krankschreibung stören und "misstrauisch werden", wie der Dienstleister auf seiner Internetseite anmerkt. Sollten Probleme mit dem Arbeitgeber oder der Krankenkasse auftreten, verspricht AU-Schein.de sogar, dem Mitarbeiter beizustehen und einen Anwalt für eine kostenlose Beratung zu vermitteln. 

Welche Irrtümer über die Krankschreibung immer noch kursieren, lesen Sie hier.

Die Befürchtung, dass der Arbeitgeber eine Fernkrankschreibung nicht akzeptieren könnte, ist jedoch nicht ganz  unbegründet, wie Arbeitsrechtlerin Nathalie Oberthür, Vorsitzende des Arbeitsrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins, bestätigt. Sie sieht diese Praxis nämlich mehr als skeptisch: "Der Service differenziert gar nicht nach Tätigkeit, sondern unterstellt pauschal, dass man mit einer Erkältung per se arbeitsunfähig ist", meint sie gegenüber der Nachrichtenseite Handwerk.com

Selbstverständlich könne die Arbeitsleistung bei einer schweren Erkältung die Genesung beeinträchtigen. Doch "hat jemand aber nur einen leichten Schnupfen und muss sich die Nase putzen, hätte ich Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit", erklärt die Rechtsexpertin. 

Deshalb müsse man ihrer Meinung nach erst einmal schauen, wie die Arbeitsgerichte mit der Krankschreibung per WhatsApp umgehen. Grundsätzlich hätte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung jedoch einen hohen Beweiswert, solange keine gravierenden Umstände diesen erschüttern - etwa, wenn der Krankgeschriebene beim Feiern erwischt wird. 

Übrigens, so findet der Arbeitgeber heraus, dass Mitarbeiter blau machen.

Wollen Sie über aktuelle Karriere-News auf dem Laufenden bleiben? Dann folgen Sie unserer Branchenseite auf dem Karriereportal Xing.

as

Überraschend: Diese fünf Berufe machen krank

In einigen Berufen melden sich die Mitarbeiter besonders häufig krank - sei es wegen Atemwegsinfektionen, Rückenschmerzen oder Depressionen. Welche Jobs die meisten Fehltage verursachen, zeigt eine Auswertung der Krankenkassen.
In einigen Berufen melden sich die Mitarbeiter besonders häufig krank - sei es wegen Atemwegsinfektionen, Rückenschmerzen oder Depressionen. Welche Jobs die meisten Fehltage verursachen, zeigt eine Auswertung der Krankenkassen.  © dpa
Platz 5: Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung - 18,6 Fehltage
Platz 5: Öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung - 18,6 Fehltage  © dpa
Platz 4: Angestellte der Müllabfuhr oder Recycling-Mitarbeiter - 19,4 Fehltage
Platz 4: Angestellte der Müllabfuhr oder Recycling-Mitarbeiter - 19,4 Fehltage  © dpa
Platz 3: Verkehrsbranche wie LKW- oder Lokfahrer bzw. Mitarbeiter im Straßenbau - 19,8 Fehltage
Platz 3: Verkehrsbranche wie LKW- oder Lokfahrer bzw. Mitarbeiter im Straßenbau - 19,8 Fehltage  © dpa
Platz 2: Mitarbeiter der Arbeitsvermittlung oder von Zeitarbeitsfirmen - 20,3 Fehltage
Platz 2: Mitarbeiter der Arbeitsvermittlung oder von Zeitarbeitsfirmen - 20,3 Fehltage  © dpa
Platz 1: Post- und Paketzusteller - 22,8 Fehltage
Platz 1: Post- und Paketzusteller - 22,8 Fehltage  © dpa

Auch interessant:

Meistgelesen

"Ekelhaft": Kassiererin findet deutliche Worte für Discounter-Kunden
"Ekelhaft": Kassiererin findet deutliche Worte für Discounter-Kunden
Karriere
Kündigung des Arbeitsvertrags: Die wichtigsten Fakten, die jeder kennen sollte
Kündigung des Arbeitsvertrags: Die wichtigsten Fakten, die jeder kennen sollte
Das ist der eigentliche Grund, warum Bewerber einen Job ablehnen
Das ist der eigentliche Grund, warum Bewerber einen Job ablehnen
Gemeine Bewerbungsfrage bei Tesla: Sind Sie schlau genug, um für Elon Musk zu arbeiten?
Gemeine Bewerbungsfrage bei Tesla: Sind Sie schlau genug, um für Elon Musk zu arbeiten?

Kommentare