Arbeitsrecht

Kündigung in der Probezeit: Was Sie jetzt wissen müssen

+
Bei einer Kündigung in der Probezeit gibt es einiges zu beachten.

In der Probezeit gelten andere Regeln für die Kündigung. Wenn eine Kündigung droht oder Sie selbst den Arbeitsvertrag kündigen wollen, sollten Sie einige Dinge wissen.

Wer einen neuen Job oder eine Ausbildung antritt, muss in aller Regel zunächst eine Probezeit absolvieren, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer prüfen können, ob die Zusammenarbeit klappt. Die Probezeit dauert meist sechs Monate und ist im Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten. Doch was tun, wenn die Kündigung droht - oder mir der Job absolut nicht gefällt? Wir haben die wichtigsten Infos zur Kündigung in der Probezeit für Sie zusammengestellt.

Welche Kündigungsfrist gilt in der Probezeit?

Währen der Probezeit gilt eine verkürzte Kündigungsfrist: Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Das geht aus § 622 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) hervor. 

Diese verkürzte Kündigungsfrist kann auch noch am letzten Tag der Probezeit ausgesprochen werden. Dann endet das Arbeitsverhältnis 14 Tage später. 

Kündigung in der Probezeit: Welche Gründe kann es geben?

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer müssen bei einer Kündigung während der Probezeit keinerlei Gründe dafür angeben. 

Für wen gilt ein besonderer Kündigungsschutz in der Probezeit? 

Das Kündigungsschutzgesetz gilt nicht in der Probezeit - auch nicht für schwerbehinderte Mitarbeiter. Es wird erst gültig, wenn der Mitarbeiter mindestens sechs Monate ununterbrochen im Unternehmen tätig ist - es tritt also erst nach der Probezeit ein. 

Jedoch genießen bestimmte Personengruppen auch während der Probezeit einen besonderen Kündigungsschutz:

  • Schwangere und Mütter im Mutterschutz: Bis zu vier Monate nach der Geburt oder Fehlgeburt nach der 12. Schwangerschaftswoche (laut Mutterschutzgesetz). Für Schwangere gilt der Kündigungsschutz jedoch nur, wenn der Arbeitgeber davon weiß. Erhalten Sie eine Kündigung, haben Sie zwei Wochen Zeit, ihn in Kenntnis zu setzen, dass Sie zum Zeitpunkt der Kündigung bereits schwanger waren.
  • Eltern in Elternzeit

Ausnahmen vom besonderen Kündigungsschutz: Kündigungen, die aus einem anderen Grund erfolgen, wie Insolvenz des Arbeitgebers, Stilllegung des Betriebes oder eines Betriebsteiles sowie (eher selten) eine verhaltensbedingte Kündigung. Diese Ausnahmen müssen jedoch von der Arbeitsschutzbehörde genehmigt werden.

In Unternehmen mit Betriebsrat wird eine Kündigung in der Probezeit jedoch erst dann wirksam, wenn der Betriebsrat angehört wurde. Unterlässt Ihr Arbeitgeber dies oder ist die Anhörung fehlerhaft, wird die Kündigung unwirksam (§ 102 Betriebsverfassungsgesetz).

Darf mir mein Arbeitgeber wegen einer Krankheit in der Probezeit kündigen?

In der Probezeit darf Mitarbeitern tatsächlich wegen einer Krankheit gekündigt werden. Dies kann vor allem dann passieren, wenn Sie

  • auffallend häufig,
  • für längere Zeit oder 
  • chronisch krank werden.

Mehr dazu lesen Sie hier: Krank in der Probezeit: Kann mir gekündigt werden?

Kündigung Probezeit: Erhalte ich jetzt Arbeitslosengeld?

Ob Sie nach der Kündigung in der Probezeit sofort Arbeitslosengeld I bekommen, hängt - wie beim festen Arbeitsverhältnis - davon ab, ob Sie selbst gekündigt haben oder ob Sie gekündigt wurden. 

  • Wenn Sie gekündigt wurden: Sie erhalten ab dem ersten Tag der Arbeitsuchendmeldung Arbeitslosengeld I (Ausnahme: verhaltensbedingte Kündigung).
  • Wenn Sie selbst gekündigt haben oder verhaltensbedingt gekündigt wurden: Sie werden bis zu 12 Wochen für das Arbeitslosengeld I gesperrt und erhalten erst danach finanzielle Unterstützung.

Ausnahme für Sperrfrist: Wenn Sie gewichtige Gründe für einen Kündigung vorlegen. Sie können auch ohne Sperrfrist kündigen, wenn Sie mit Ihrem Ehepartner oder Freund bzw. Freundin zusammenziehen wollen. 

Lesen Sie auch: Das sind die meistgestellten Fragen zur Kündigung

Von Andrea Stettner

Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

Brot
Der erste Fall, in dem das Bundesarbeitsgericht über eine Kündigung wegen eines Bagatelldiebstahl entschieden hat, führte zum „Bienenstich-Urteil“ von 1984. Eine Verkäuferin hatte einen Bienenstich verzehrt aber nicht bezahlt. Sie erhielt eine fristlose Kündigung. Das „Bienenstich-Urteil" gehört heute zum Einmaleins jedes Arbeitsrechtlers. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Oktober 2009: Weil sie für Gäste und den Chef bestimmte Brötchen selbst gegessen haben, müssen zwei Sekretärinnen des Bauverbands Westfalen um ihren Job kämpfen. Ein erster Gütetermin der einen Frau vor dem Arbeitsgericht Dortmund bleibt ohne Ergebnis. © Fotos und Texte: dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Der Verband will für die 59-Jährige eine außergerichtliche Lösung finden. Der Fall ihrer Kollegin wird voraussichtlich Ende November verhandelt. Die Frauen waren nach 34 beziehungsweise fast 20 Dienstjahren im Betrieb fristlos entlassen worden. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
September 2009: Ein Bäcker bestreicht am Arbeitsplatz ein gekauftes Brötchen mit firmeneigener Paste im Wert von vermutlich unter zehn Cent - nach seiner Darstellung, um sie abzuschmecken. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Der Arbeitgeber wertet das als Diebstahl und wirft ihn raus. Das Landesarbeitsgericht Hamm hebt die fristlose Kündigung durch die Bäckereikette aber als unverhältnismäßig auf. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Juli 2009: Der Streit um die gekündigte Supermarkt-Kassiererin “Emmely“ geht in die höchste Instanz. Wegen grundlegender Bedeutung des Falls lässt das Bundesarbeitsarbeitsgericht in Erfurt ein Revisionsverfahren zu. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Der unter ihrem Spitznamen bundesweit bekanntgewordenen Berlinerin war nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt worden. Sie soll zwei Pfandmarken im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen haben. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Juli 2009: Ein Prozess um drei angeblich gestohlene Brötchen endet mit einem Vergleich. Das Arbeitsgericht Heilbronn hebt die Kündigung einer 59 Jahre alten Küchenhilfe eines Krankenhauses zwar nicht auf. Die Klinik wirft der Frau aber nicht länger Diebstahl vor und zahlt ihr Gehalt noch bis Ende September. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Juli 2009: Eine Abfallentsorgungsfirma in Mannheim kündigt einem Mitarbeiter fristlos, weil der Vater zweier Töchter ein Reisekinderbett aus dem Müll mit nach Hause genommen hatte. Eine Kündigung sei unverhältnismäßig, urteilt das Arbeitsgericht Mannheim. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Februar 2009: Wegen eines Fehlbetrags von 1,36 Euro in der Kasse wird eine Bäckereiverkäuferin in Friedrichshafen am Bodensee fristlos entlassen. Nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts Ravensburg erhält sie eine ordentliche Kündigung. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Januar 2006: Ein Arbeiter hatte Aluminiumreste aus seinem Betrieb mitgehen lassen und an ein Recyclingunternehmen verkauft. Das Argument, es habe sich um Abfall gehandelt, überzeugt das Landesarbeitsgericht Mainz nicht. Es weist die Kündigungsschutzklage © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Mai 2005: Das Zerreißen von drei Briefen wird einem Postboten zum Verhängnis. Das hessische Landesarbeitsgericht bestätigt seine fristlose Entlassung. Der Briefträger hatte sein Verhalten mit einem “Blackout“ angesichts privater Probleme begründet. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Oktober 2009: Wegen sechs Maultaschen im Wert von drei bis vier Euro verliert eine 58-jährige Altenpflegerin in Konstanz ihren Job. Das Arbeitsgericht Radolfzell gibt zunächst dem Arbeitgeber Recht. Bei der Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg einigten sich die Parteien. Die Gekündigte erhält 42.500 Euro Abfindung und Gehaltsnachzahlung. Im Gegenzug akzeptiert sie die Kündigung. © dpa

Auch interessant:

Meistgelesen

Zehn Fehler, die Reiche niemals machen würden
Zehn Fehler, die Reiche niemals machen würden
Mathe-Rätsel ohne Rechenzeichen - wer knackt es?
Mathe-Rätsel ohne Rechenzeichen - wer knackt es?
Ranking: In diesen Konzernen arbeiten die glücklichsten Mitarbeiter
Ranking: In diesen Konzernen arbeiten die glücklichsten Mitarbeiter
Krasser Gehalts-Unterschied bei Lehrern: Studie nennt exakte Zahlen
Krasser Gehalts-Unterschied bei Lehrern: Studie nennt exakte Zahlen

Kommentare