Kind und Karriere

Frau nimmt nur acht Wochen Elternzeit - so heftig reagiert ihr Umfeld

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Mütter, die nach der Geburt früh wieder arbeiten gehen, müssen sich von ihrem Umfeld oft böse Kommentare anhören.

Wenn Mütter in Deutschland früh wieder arbeiten gehen, stößt dies selten auf Begeisterung. Eine Mutter berichtet, wie es ihrer jungen Familie ergangen ist.

"Als ich schwanger war, hätte ich nie gedacht, dass die Reaktionen so hart sein würden", sagt Susanne Sippl, Unternehmerin und seit 2016 Mutter eines Kindes. Sie leitet ein kleines Unternehmen, arbeitete bis einen Tag vor der Geburt - und stand nach acht Wochen Mutterschutz wieder im Geschäft. Seitdem wird sie angefeindet. 

Kurze Elternzeit: Freunde, Bekannte und Kunden reagieren mit verletzenden Kommentaren

In Anschluss an ihren Mutterschutz nimmt ihr Mann zwei Monate Elternzeit. Als das Baby vier Monate alt ist, arbeiteten beide wieder 30 Stunden. Doch viele Freunde, Bekannte und sogar Kunden sind entsetzt über ihre Entscheidung, früh wieder zu arbeiten und erlauben sich so manchen dummen Spruch. "Naja, dann braucht man ja gar keine Kinder kriegen", heißt es da schon mal. "Das kränkt mich sehr", schreibt sie in einem Gastbeitrag der HuffingtonPost. "Als Mutter zweifelt man doch selbst immer ein bisschen, egal, wie man es macht." 

Dabei war ihre Entscheidung, schon früh nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen, nicht leicht - jedoch wirtschaftlich notwendig, wie sie sagt. Als Unternehmerin trägt sie eben viel Verantwortung, leitet vier Filialen mit 15 Mitarbeitern. "Um eine andere Führungskraft einzustellen, sind wir zu klein", erklärt sie, "Und das Unternehmen zu lange herren'- bzw. 'damenlos' zu lassen, wäre fatal". Hinzu käme, dass sie als Selbstständige keinen Anspruch auf Mutterschutzgeld hätte und das Elterngeld weder kalkulierbar noch sonderlich hoch sei. 

Auch interessant: Mann will ein Jahr Elternzeit nehmen - so krass reagiert sein Chef.

Wieso reden die Leute schlecht über Mütter, die früh wieder arbeiten gehen?

Diese Argumente sollten eigentlich jedem einleuchten - doch den Leuten in der Kleinstadt, in der sie lebt, ist dies scheinbar nicht genug. Doch wieso ist das so? Wieso reden die Leute schlecht über sie, obwohl die Unternehmerin ihr Kind genauso liebt wie jede andere Mutter? 

Sippl hat dafür eine eigene Erklärung gefunden: "Mütter müssen das Lebensmodell, das sie gewählt haben, verteidigen. Und wenn ich mich als Mutter dafür entschieden habe, zu Hause zu bleiben, dann muss ich für dieses Modell Partei ergreifen. Das gelingt am besten, wenn ich andere Modelle kritisiere", so die Unternehmerin. "Deshalb glaube ich nicht, dass die Kommentare, mit denen ich zu kämpfen habe, durchdachte Meinungen sind. Sie sind vielmehr eine Rechtfertigung für die eigene Ansicht." 

Trotzdem sind solche Kommentare für sie enorm verletzend. "S ie verletzen mich, weil auch ich keine schlechte Mutter sein will. Weil auch ich manchmal mit meiner Entscheidung hadere. Und weil auch ich mir manchmal wünsche, dass ich das erste Lebensjahr ausschließlich mit meinem Kind verbracht hätte. Dennniemand gibt sein Kind gerne ab", verrät sie. 

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Diese positiven Dinge hat die Unternehmerin durch den frühen Wiedereinsteig erlebt

Obwohl sie in den ersten Monaten oft genug an ihre Grenzen gekommen ist, sieht sie auch die positiven Dinge, die ihr dieser frühe Berufseinstieg gebracht hätte. Und der hat vor allem mit ihrer Partnerschaft zu tun: "Mein Mann und ich haben uns von Anfang an die Kindererziehung geteilt. Wir haben keine Diskussionen darüber, was anstrengender ist: zuhause zu bleiben oder zu arbeiten. Denn wir kennen beide Seiten." Und gerade dieser Punkt dürfte in anderen Familien oft zu Streit führen.

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Gut zu wissen: Kind krank? So melden Sie es Ihrem Arbeitgeber.

Von Andrea Stettner

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