Operation Zeugnisrettung

Wie schlechte Schüler die Kurve kriegen

Autor Tim Nießner
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Schüler und Bestseller-Autor Tim Nießner aus Haan bei Düsseldorf hat systematisch die Strategien der besten Schüler Deutschlands erforscht.

Schüler und Bestseller-Autor Tim Nießner aus Haan bei Düsseldorf hat die Strategien der besten Schüler Deutschlands erforscht. In seinem neuen Buch «Der Zeugnisretter» hat er Tipps für schlechte Schüler gesammelt - inklusive Notfahrplan zur Versetzung.

Düsseldorf (dpa) - In zwei Monaten macht Tim Nießner (18) selbst Abitur. Der Schüler aus Haan bei Düsseldorf hofft auf einen Noten-Durchschnitt besser als 1,5. Derzeit steht er bei 1,2. Das war nicht immer so.

In der sechsten Klasse stand er bei 3,0. Dann verbesserte er sich in nur einem Jahr auf 1,9. Nun hat er ein Buch geschrieben, dass sich an schlechte Schüler richtet: «Der Zeugnisretter» (144 S., mvg Verlag) erscheint an diesem Dienstag (23. Februar). Es könnte für einige Schüler im schwierigen Corona-Schuljahr zum rettenden Strohhalm werden.

Tipps von den Besten

«Für Leute mit wenig Selbstdisziplin ist es derzeit wohl noch schwieriger», sagt Nießner. Aber spätestens vier bis fünf Wochen bevor die Endnote feststeht, sollten versetzungsgefährdete Schüler eine Art Notfahrplan in Gang setzen.

Vor drei Jahren hat Nießner Deutschlands beste Abiturienten angeschrieben und sie zu ihren Erfolgsgeheimnissen befragt. Nur ein kleiner Teil von ihnen sei hochbegabt, fand er heraus. Mit ein paar einfachen Strategien könne jeder eine Runde weiterkommen. Nach seinem Bestseller «Die geheimen Tricks der 1,0er-Schüler» ist sein neues Buch nur halb so dick. «Mir haben Eltern geschrieben: gutes Buch, aber 300 Seiten würden schlechte Schüler niemals lesen.» Deswegen gibt es für die besonders Faulen auch Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels.

Als erstes muss das Motivationsproblem angegangen werden. Schlechte Erfahrungen? Null Bock? Weg damit. «Lieber aufschreiben, wofür ein guter Schulabschluss nützlich ist. Was will man im Leben erreichen? Was braucht es dafür?» Mit einem Ziel lerne es sich leichter.

Der Ruf im Lehrerzimmer

Die Schule sei nicht die Champions League, sagt Nießner: Mit 80 Prozent Einsatz komme man auch ins Ziel - zwar nicht zu einer 1,0 - aber immerhin zur Versetzung oder einem halbwegs ansehnlichen Abschlusszeugnis. «Von einer 4 auf eine 2 zu kommen ist viel einfacher, als von einer 2 auf eine 1 zu kommen», schreibt er.

Auch lernfaule Schüler könnten, ohne in den Verdacht zu kommen, Streber oder Schleimer zu sein, so ihr Zeugnis retten. Mit einigen Unarten muss dennoch Schluss sein: «Schwänzen ist Mist. Lehrer reden im Lehrerzimmer über Schulschwänzer, du hast schnell bei allen einen schlechten Ruf.» Und dann sei es schwer, den ramponierten Ruf aufzupolieren. «Ein Mitschüler von mir fehlte die ersten drei Stunden in Spanisch. Seitdem ist er bei der Lehrerin abgestempelt.»

Der erste Eindruck ist bei einem neuen Lehrer immer der wichtigste: «Zeig dich in den ersten Stunden von deiner Schokoladenseite.» Man solle bei Gruppenarbeiten die Person sein, die vorträgt.

Handy, Null-Bock-Stimmung und die letzte Reihe

Nächster Rat: «Pack Dein Handy weg: Lehrer merken es - auch wenn sie nichts sagen.» Es habe mit Schleimen nichts zu tun, wenn man den Lehrer nicht mit Verachtung straft, sondern wenigstens so aussieht, als würde man ihn respektieren und ihm zuhören - und das am besten nicht aus der letzten Reihe.

Wer immer noch unmotiviert ist, sollte mit seinen Eltern Belohnungen verabreden und sich nicht von seinen Freunden immer wieder in eine Null-Bock-Stimmung reinziehen lassen. Man sollte sich seine Ziele eher ein Stück zu hoch hängen als zu tief, empfiehlt Nießner.

Ist man erstmal weg vom schlechten Image, werde die Sache dafür viel einfacher, verspricht Nießner. «Ein guter Schüler, der in der Stunde schon mal drangenommen wurde, kann sich dann sogar melden, wenn er die Antwort gar nicht weiß - er kommt eh' nicht noch mal dran.» Er müsse nur aufpassen, dass er nicht der einzige ist, der sich meldet.

Genie oder doch nur 1,0 im Abi?

Problem Hausaufgaben: Mach sie wenigstens jedes zweite Mal, rät Nießner schlechten Schülern. Sie sollten sich einen zuverlässigen Freund suchen, mit dem die sich abwechseln und die Hausaufgaben austauschen können: «So kannst du immer etwas vorweisen und bleibst wenigstens halbwegs am Ball.»

Wenn die Hausaufgaben gemacht sind: «Melde dich bei der Hausaufgabenkontrolle!» Dann habe man schon etwas mündlich beigetragen, einen guten Eindruck hinterlassen, und die Gefahr, bei einer schwierigen Frage drangenommen zu werden, ist deutlich geringer.

Aus seinen Interviews mit den besten Abiturienten Deutschlands weiß er, was man wirklich von ihnen lernen kann. Von den 100 Top-Abiturienten mit einem Notenschnitt von 1,0 oder besser seien vielleicht gerade einmal zehn Prozent hochbegabt.

Lösungshefte und Doping

Wichtig sei effizienter Einsatz von Zeit und Energie: Statt stundenlang an einer schwierigen Mathe-Aufgabe herumzuknobeln: «Das Lösungsheft kaufen». Irgendetwas im Unterricht nicht verstanden: Die Wissens-Apps oder Tutorials auf Youtube helfen weiter. Noch besser: Schon vor der entsprechenden Stunde anschauen. «Dann kann man im Unterricht glänzen.»

In Klassenarbeiten hilft dann Doping - in legaler Form: Traubenzucker, am besten in Form von Weintrauben, bringe einen Energieschub für das Gehirn.

Tim Nießner: Der Zeugnisretter. Wie du gechillt durch die Schule kommst, ohne groß zu lernen, 144 Seiten, Euro 9,99, - ISBN: 978-3-7474-0300-6

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Schüler und Bestseller-Autor Tim Nießner. In seinem neuen Buch «Der Zeugnisretter» hat er eine Menge Tipps für schlechte Schüler.
Schüler und Bestseller-Autor Tim Nießner aus Haan bei Düsseldorf hat systematisch die Strategien der besten Schüler Deutschlands erforscht.

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