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Edeka reagiert mit Preisbremse auf Inflation – Sache hat großen Haken

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Von: Julian Kaiser

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Gegen die Preisexplosionen in den vergangenen Monaten will Edeka die Preise für bestimmte Produkte einfrieren. Die Sache hat allerdings mehrere Haken.

NRW – In den letzten Wochen und Monaten sind zahlreiche Lebensmittel bei Aldi, Lidl und Edeka spürbar teurer geworden. Steigende Rohstoff- und Energiepreise sowie Lieferengpässe als Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sind dafür hauptverantwortlich. Wie RUHR24 berichtet, will nun ein Supermarkt den anhaltenden Preisexplosionen mit einem „Inflationstopp“ begegnen – was zunächst für viele Verbraucher verlockend klingen dürfte, hat bei genauerem Hinsehen aber mehrere Haken.

Edeka-Gruppekooperativer Unternehmensverbund im deutschen Einzelhandel
HauptsitzHamburg
Gründung1898 (Berlin)

Preisexplosionen: Edeka friert Preise für bestimmte Produkte ein

Kunden, die bei Supermärkten und Discountern wie Aldi, Lidl und Rewe zuletzt vermeintlich günstigere Eigenmarken kaufen wollten, haben wohl beim Blick auf die Preisschilder schnell die gute Laune verloren. Die Preise für Produkte des täglichen Bedarfs sind teilweise rasant angestiegen, die Inflation liegt bei stolzen 7,9 Prozent – Tendenz steigend.

Doch nachdem bereits Anfang Juni die Discounter-Tochter Netto die Preise festgesetzt hatte, schiebt nun auch Edeka weiteren Preissteigerungen bei 200 Produkten seiner Eigenmarke „Gut & Günstig“ einen Riegel vor. Auch der Drogeriemarktbetreiber Budni ist an der Aktion beteiligt.

Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, wolle Edeka mit der Kampagne „während der Sommermonate die Versorgung der Menschen zu angemessenen Preisen sicherstellen und gleichzeitig ein Signal setzen, um die privaten Haushalte in Deutschland nicht noch weiter zu belasten.“

Schließlich sollten sich die Kunden „auf stabile Preise verlassen können.“ Verbraucher, die den nächsten Einkauf bei Edeka angesichts dieser Preisfestsetzung nun kaum noch abwarten können, sollten Einkaufstasche, Portmonee und Einkaufszettel wieder zur Seite legen. Denn von den eingefrorenen Preisen profitieren nicht alle Kunden.

Preisexplosionen: Nicht alle Kunden profitieren von eingefrorenen Edeka-Preisen

Wie das Unternehmen selbst mitteilt, ist die Maßnahme auf rund drei Monate begrenzt, genauer gesagt bis zum 31. August dieses Jahres. Und wer nun plant, sich bis dahin mit „Gut & Günstig“-Produkten einzudecken, für den oder die könnte es an der Kasse ein böses Erwachen geben.

Denn das Angebot gilt nur für Kunden, die eine DeutschlandCard vorweisen können. Alle anderen sind weiterhin von potenziellen Preiserhöhungen in der Zukunft betroffen – auch auf die erwähnten 200 Produkte, die laut der Lebensmittel Zeitung anhand eines „achteckigen Stoppschilds mit der Aufschrift „Inflations-Stopp!“ erkennbar sein“ sollen.

Nur wer zu den rund 20 Millionen Besitzer dieser Karte gehört, ist einer der glücklichen Kunden, die Edeka „vor den aktuellen Preissteigerungen“ schützen will und die tatsächlich „eingefrorene“ Preise vorfinden. Wer von der zeitlich begrenzten Aktion profitieren will, muss sich also zuerst eine DeutschlandCard zulegen.

Gegen Preisexplosionen: Zeitlich begrenzte Preisfestsetzung „nur in teilnehmenden Märkten“

Doch wie genau profitieren DeutschlandCard-Besitzer an der Kasse? Wie Edeka der Lebensmittel Zeitung zufolge angekündigt hat, werde, sofern sich der Preis für eines der 200 Produkte erhöhe, „für Besitzer der DeutschlandCard die Differenz direkt beim Bezahlvorgang an der Kasse abgezogen und das Produkt zum günstigeren Preis verkauft.“

Nicht nur die zeitliche Begrenzung oder die Exklusivität des Angebots für DeutschlandCard-Besitzer lässt Edekas Kampagne gegen die Inflation in einem anderen Licht erscheinen. Auf seiner Homepage gibt das Unternehmen an, dass die 200 „Gut & Günstig“-Artikel „nur in teilnehmenden Märkten“ von der Preisfixierung betroffen seien. Die Lebensmittel Zeitung berichtet, dass die Preisaktion jedoch „in allen Edeka-Märkten, Edeka-Centern, in Marktkauf-Häusern und NP-Märkten“ gelten solle.

Edeka will die Preise für bestimmte Produkte zeitweise einfrieren.
Von der Preisbremse auf „Gut & Günstig“-Produkte profitieren nicht alle Kunden. © Bihlmayerfotografie/Imago; Karo/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

Gegen Preisexplosionen: Auch Supermärkte profitieren vom Prämiensystem der DeutschlandCard

Außerdem kommt hinzu, dass die Konzerne beim Punktesystem der DeutschlandCard in der Regel gut mitverdienen. Zwar erhielten Kunden Edeka zufolge „je volle 2 Euro Einkauf, einen Punkt“, die man gegen Prämien im DeutschlandCard Shop eintauschen kann.

Allerdings sporne das Punktesystem Kunden laut dem News-Portal Watson „meist zu weiteren Einkäufen dort an.“ Hinzu kommen Marketing-Interessen der Supermärkte und Discounter:

Die durch die Nutzung der Karte und der zugehörigen Apps gesammelten Daten durchleuchten die Kunden und machen es Edeka und Co. leichter, ihre Verkaufsstrategien zu perfektionieren. Eine Übersicht über die von der Aktion „Inflations-Stopp“ betroffenen Produkte gibt es hier.

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