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Gaspreise steigen um 1000 Prozent – Verbraucher haben noch eine Hoffnung

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Von: Julian Kaiser

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Der Gaspreis steigt unaufhörlich in astronomische Sphären. Bei Zahlungsunfähigkeit darf Verbrauchern aber nicht einfach die Energie abgedreht werden.

NRW – Viele Verbraucher, die ein Haushaltsbuch führen, bekommen wohl vor lauter Stirnrunzeln bald schon Falten im Gesicht. Wie RUHR24 berichtet, steigt der Gaspreis unaufhörlich an. Laut der Tagesschau liegt der Preis für eine Megawattstunde mittlerweile bei 316 Euro (Stand: 26. August). Vor der Abschlagsrechnung am Ende des Jahres graut es vielen Mieterinnen und Mietern wohl schon – schließlich kommt bald auch noch die umstrittene Gasumlage dazu.

InstitutionBundesnetzagentur
PräsidentKlaus Müller
Gründung1. Januar 1998

Gaspreis hat sich innerhalb eines Jahres um rund 1000 Prozent verteuert

Nicht nur die durch die Inflation gestiegenen Lebensmittelpreise, sondern auch die anhaltende Energiekrise sorgt bei einigen Verbraucherinnen und Verbrauchern womöglich für echte Existenzängste. Die Sorge, im Winter die Strom- und Gasrechnung nicht mehr bezahlen zu können, sorgt bei einigen schon für einschneidende Sparmaßnahmen.

Wie die Tagesschau berichtet, hat sich der Gaspreis seit August 2021 um rund 1000 Prozent verteuert. Anstatt wie damals noch 26 Euro, kostet eine Megawattstunde nun 316 Euro. Im Tagesrhythmus steigt der Gaspreis momentan um mehrere Prozente an.

Gaspreis nähert sich dem Rekordniveau von Anfang März an

Mittlerweile sollen demnach nur noch 9 Prozent bis zum Rekordniveau von Anfang März fehlen, als der Gaspreis seinen Höchststand von 345 Euro je Megawattstunde erreicht hatte. Hauptursache für die astronomischen Anstiege sei laut der Tagesschau die bevorstehende Unterbrechung der russischen Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1, die ab dem 31. August gewartet und damit außer Betrieb genommen werden soll.

Wie die Bundesnetzagentur erklärt, liege die Auslastung dieser Pipeline „derzeit bei etwa 20 % der Maximalleistung“. Dennoch sei die Gasversorgung in Deutschland „im Moment aber stabil“ und die Versorgungssicherheit „derzeit weiter gewährleistet“. Schließlich betrage der Gesamtspeicherstand in Deutschland etwa 81,28 %.

Neuer Paragraf ermöglicht es Gaslieferanten, die Preise zu erhöhen

Doch nicht nur die steigenden Gaspreise machen Verbrauchern Sorgen. Denn zu allem Überfluss gesellt sich dazu auch noch der explodierende Strompreis. Wie agrarheute berichtet, lag der Preis für eine Kilowattstunde an der Strombörse EEX am Donnerstag (25. August) bei 70 Cent – das sind rund 10 Cent mehr als noch vor einer Woche.

Entsprechend mache sich gerade Panik am Strommarkt breit. Laut der Bild seien bereits rund 8,9 Millionen Haushalte von den durchschnittlichen Strompreiserhöhungen in Höhe von 21,2 Prozent betroffen.

Hinzu kommt, dass Gaslieferanten seit dem 21. Mai ihre Verträge „anpassen“, sprich die Preise erhöhen dürfen. Grundlage dafür ist der neue Paragraf 24, „Preisanpassungsrechte bei verminderten Gasimporten“, des Energiesicherungsgesetzes „EnSiG“.

Bundesnetzagentur prognostiziert „deutlich steigende Gaspreise“

Der unaufhaltsam voranschreitende Gleichschritt, in dem Strom und Gas teurer werden, führt zu immer höheren Rechnungen für den monatlichen Haushalts-Verbrauch. Angesichts der um 1000 Prozent gestiegenen Gaspreise innerhalb eines Jahres, müssen sich private Haushalte wie Unternehmen „auf deutlich steigende Gaspreise einstellen“, erklärt die Bundesnetzagentur. Die ersten Prognosen sorgen für wenig Zuversicht.

Die Zukunftsaussichten sind düster, zumindest für die Verbraucher. Denn wie Gasimporteure angekündigt haben, müssen Privathaushalte und Unternehmen zukünftig deutlich tiefer in die Tasche greifen, wenn sie einen warmen und beleuchteten Winter erleben wollen. RheinEnergie erklärt beispielsweise auf seiner Homepage, die Preise für Erdgas zum 1. Oktober „deutlich anzuheben“.

Ab Oktober zahlen 800.000 Haushalte deutlich mehr Geld für Gas

Wie der Konzern auf seiner Homepage erklärt, erfolge dieser Schritt wegen der extrem gestiegenen Beschaffungskosten für Erdgas „im Vergleich zur Beschaffungsperiode 2021/22 zu 2022/23“. Ab dem 1. Oktober müssten Kunden demnach pro verbrauchter Kilowattstunde Erdgas nicht mehr 7,87 Cent, sondern 18,30 Cent bezahlen.

Kein Einzelfall: Unter Berufung auf Check24-Daten seien laut der Bild im kommenden Oktober rund 800.000 Haushalte von den insgesamt 110 Fällen der Gaspreiserhöhung in der Grundversorgung betroffen.

Energiekonzern kündigt Preiserhöhung von mehr als 100 Prozent für Gas ab Oktober an

Die Beispielrechnung, die RheinEnergie vorlegt, wird wohl auch den kühnsten Optimisten erschaudern lassen – und das nicht vor Kälte. Schließlich werden sich dem Energiekonzern zufolge die Jahreskosten in einer Kölner Wohnung mit 10.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch von rund 960 Euro auf rund 2.002 Euro erhöhen.

Das sind ganze 108 Prozent mehr. Erhöhungen in diesem Rahmen sind auch bei zahlreichen deutschen Stadtwerken keine Ausnahme mehr, berichtet Capital.

Ein Gaszähler.
Die Gaspreise explodieren und auf zahllose Haushalte kommen hohe Kosten zu. © blickwinkel/Imago

Laut Bundesnetzagentur könnten sich Gaspreise ab 2023 sogar verdreifachen

Und die Preiserhöhungen in dieser Größenordnung lassen sich durch einen Anbieterwechsel kaum abfedern, denn die höheren Einkaufspreise auf dem Gasmarkt betreffen alle Versorger. Unter Berufung auf Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärt der NDR, dass sich die Gaspreise ab 2023 gar verdreifachen könnten. Manchen Haushalten droht angesichts dessen der konkrete Fall der Zahlungsunfähigkeit.

Wer nun mit Blick auf seine fehlenden Rücklagen und die womöglich knallrote Kostenkalkulation bis Ende des Jahres Angst bekommt, dass die Energieversorger bei ausbleibender Zahlung Gas und Strom abstellen, kann sich zumindest etwas beruhigen. Vor einem eiskalten Winter in einer unbeheizten und unbeleuchteten Wohnung sind Mieterinnen und Mieter zumindest teilweise geschützt.

Haushalte bei Zahlungsunfähigkeit ohne Strom und Gas? Verbraucherzentrale NRW klärt auf

Wie die Verbraucherzentrale NRW erklärt, dürfen Energiekonzerne nur unter bestimmten Gesichtspunkten den Haushalten Strom und Gas abdrehen. Eine Energiesperre, also die Unterbrechung der Versorgung mit Gas und Strom, dürfe demnach nur dann erfolgen, wenn der Anbieter …

Weitere Informationen zum Verbraucherschutz stellt die Verbraucherzentrale NRW auf ihrer Homepage zur Verfügung. Hoffnung besteht für manche Verbraucher zudem, weil noch nicht feststeht, ob die umstrittene Gasumlage, die zusätzlich zu den hohen Gaspreisen kommt, auch bei Festpreis-Kunden fällig wird. Denn wie Merkur berichtet, könnten es bei der Umsetzung der Gasumlage noch zu rechtlichen Problemen kommen.

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