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Galeria Kaufhof erneut insolvent: Diese Filialen haben trotzdem eine Zukunft

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Von: Dominik Jahn

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Es ist das zweite Insolvenzverfahren für Galeria Kaufhof innerhalb von zwei Jahren. Jetzt hat das Unternehmen über seine Pläne gesprochen und erklärt, welche Voraussetzungen eine Filiale in Zukunft braucht.

Bereits im Juni 2020 drohte das Aus. Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof musste 62 der 172 Filialen in ganz Deutschland dicht machen, wie echo24.de berichtet hatte. Jetzt der nächste Pleite-Schock für alle Mitarbeiter. Und dieses Mal könnte es nicht nur die Filiale in Heilbronn treffen.

Wie das Unternehmen angekündigt hatte, wolle man über 40 der verbliebenen 131 Kaufhäuser schließen. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte Unternehmenschef Miguel Müllenbach den drastischen Schritt angekündigt. Angesichts der Konsumflaute und der steigenden Energiepreise gebe es keine Alternative mehr zur Insolvenz. Müllenbach: „Dauerhafte staatliche Darlehen können hier nicht die Lösung sein, sondern es bedarf eines klaren Schnitts hin zu wirtschaftlich tragfähigen Strukturen.“

Pläne für Galeria Kaufhof nach der Insolvenz – Standort Heilbronn fraglich

Doch wie geht es weiter? Welche Kaufhof-Filialen müssen schließen? Entgeht der Standort Heilbronn ein weiteres Mal einer endgültigen Schließung? Welche Pläne haben die Verantwortlichen um Unternehmenschef Müllenbach in der Schublade. Auf Nachfrage von echo24.de erklärt die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ihr weiteres Vorgehen.

Unternehmen:Galeria Kaufhof
CEO:Miguel Müllenbach
Gründung:1879, Stralsund
Gründer:Leonhard Tietz
Auflösung:2020

Grundstein für eine Neuausrichtung nach dem Insolvenzverfahren sollen demnach die bereits neugestalteten Geschäfte werden. Dazu heißt es: „Die Neugestaltung der ersten rund 10 Galeria-Filialen im Rahmen der neu implementierten Strategie Galeria 2.0 seit Oktober 2022 zeigt nachweisliche Erfolge und muss deshalb nach einer Feinjustierung fortgesetzt werden.“ Heißt aber auch, wer nicht ins neue Konzept passt, wird geschlossen.

Nach der Insolvenz: Diese Galeria Kaufhof-Filialen werden geschlossen

Über die Folgen der Neuausrichtung machen die Galeria-Verantwortlichen auch kein Geheimnis: „Um dies auf Basis der neuen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu ermöglichen, muss das bestehende Filialportfolio deutlich reduziert werden und es wird sich von Häusern zu trennen sein, die inzwischen aufgrund dieser neuen Bedingungen nicht mehr profitabel zu betreiben sind.“

Unpassende Kaufhof-Filialen werden aussortiert, um die Renovierung der wenigen verbleibenden Häuser finanzieren zu können. In der Mitteilung heißt es, man werde damit „die weiteren Modernisierungsmaßnahmen für den nachhaltigen Kern“ ermöglichen. Laut Experten sieht die Zukunft für das Unternehmen aber düster aus. Selbst Aldi-Filialen hätten demnach mehr Kunden.

Galeria Kaufhof: Verantwortlichen setzen auf Insolvenz für Neuausrichtung

Und auch zum Verzicht auf weitere staatliche Hilfsmittel hat sich Galeria Kaufhof gegenüber unsere Redaktion erneut geäußert. Dem zufolge hat man sich im Laufe des Dialogs mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) und den zuständigen Bundesministerien bewusst gegen „zusätzliche zinstragende Fremdmittel“ entschieden.

Schutzschirmverfahren

Das Schutzschirmverfahren ist laut Definition eine besondere Verfahrensart des deutschen Insolvenzrechts. Es verbindet die vorläufige Eigenverwaltung mit dem Ziel der frühzeitigen Vorlage eines Insolvenzplans, um hierdurch eine Sanierung von Unternehmen zu erleichtern. 

Solche Mittel würden „Galeria finanziell zu sehr belasten und die Möglichkeit einschränken würden, den begonnenen Transformationsprozess Galeria 2.0 im unbedingt notwendigen Umfang beschleunigt fortsetzen zu können“. In einem Schutzschirmverfahren wäre es für Kaufhof möglich, die kurzfristige Optimierung des Filialportfolios gut darzustellen und „die finanziellen Mittel können zielgerichtet in den Modernisierungsprozess investiert werden“.

Wo geht es mit Galeria Kaufhof weiter? Standorte nennt das Unternehmen noch nicht

Die Verantwortlichen bei Galeria Kaufhof sehen die Warenhauskette durchaus zukunftsfähig. Laut eigener Aussage ist „das Geschäftsmodell mit den notwendigen Modernisierungen der Filialen tragfähig und wird, frei von unverschuldeten Belastungen, am Markt erfolgreich sein können“.

Mit welchen Filialen man bei Galeria Kaufhof in die Zukunft gehen möchte, dazu schweigen sich die Verantwortlichen aktuell noch aus. Gegenüber echo24.de heißt es dazu von Unternehmensseite lediglich: „Über einzelne Standorte, die jetzt Gegenstand einer sehr sorgfältigen Einzelfallbetrachtung und Analyse sind, können wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.“

Gewerkschaft verdi kritisiert das Vorgehen bei Galeria Kaufhof

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (verdi) kritisiert das Vorgehen bei Galeria Kaufhof. In einer offiziellen Stellungnahme erklärt die Gewerkschaft: „Galeria-Chef Miguel Müllenbach hat angedroht, mindestens 40 der noch in 97 deutschen Städten bestehenden Kaufhäuser schließen zu wollen. Das führt zu einer akuten Gefährdung der noch mehr als 17.000 Arbeitsplätze im Unternehmen.“

Und weiter heißt es: „Unsere Kolleginnen und Kollegen in den 131 Warenhäusern fragen sich, wo in dieser existentiell höchst bedrohlichen Situation für 17.400 Menschen und ihre Familien der Eigentümer ist“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben jahrelang Millionen Euro in Galeria Karstadt Kaufhof investiert. Die Wut und die Enttäuschung bei unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort ist groß.“

Galeria Kaufhof-Schließungen: Diese Filialen waren bereits 2020 auf der Liste

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