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Kaffee: EU lässt neues Produkt zu – „süßlich und angenehm“

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Von: Julian Kaiser

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Als sogenanntes „Novel Food“-Produkt wurde die Kaffeekirsche in der EU zugelassen. Auf diese Kaffee- und Teeprodukte können sich Verbraucher freuen.

NRW – Kaffee aus dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche? Wie RUHR24 berichtet, ist die Kaffeekirsche nach einem kurzen Intermezzo in den Jahren 2015 und 2016 als sogenanntes „Novel Food“-Produkt nun dauerhaft in der EU als Nahrungsgrundlage zugelassen und könnte bald schon in die Supermärkte und Discounter zurückkehren. Laut Verbraucherzentrale kann die Frucht als Grundlage für fertige Aufgussgetränke oder in getrockneter Form zur Zubereitung von Aufgussgetränken verwendet werden. Hinter ihrer sechsjährigen Abstinenz steckt ein bürokratisches Verbot der EU.

Europäische KommissionSupranationales Organ der Europäischen Union
Gründung16. Januar 1958
VorsitzUrsula von der Leyen (Kommissionspräsidentin)

Kaffeekirsche: Kaffee- und Teesorten werden aus Fruchtfleisch hergestellt

Beim Gang vorbei an den Regalen von Aldi, Lidl, Rewe und Co. könnten Kaffee- und Teefans bald schon auf ein alternatives Getränk stoßen, das bis dato in der EU noch unter dem Radar lag. Aus dem laut Kaffee-Partner „süßlich und angenehm“ schmeckenden Fruchtfleisch der Kaffeekirsche, Cascara oder auch Pulpe genannt, können Kaffee- sowie Teesorten und sogar Limonaden gewonnen werden.

„Cáscara“, was im Spanischen „Schale“ bedeutet, ist ein Aufguss, der aus den Schalen der Kaffeekirschen zubereitet wird. Mit „Schale“ ist laut der Verbraucherzentrale allerdings das Fruchtfleisch gemeint.

Kaffeekirsche: Unternehmer wollten Frucht bereits vermarkten

Die Frucht galt lange Zeit als Abfallprodukt, in der Kaffeekirsche reifen eigentlich nur die Kaffeebohnen, also die Samen, heran. Doch in anderen Ländern, in denen Kaffee angebaut wird, gilt sie bereits seit Längerem als Lebensmittelgrundlage.

In den vergangenen Jahren sind Versuche von Unternehmerinnen und Unternehmern, die Kaffeekirsche zu vermarkten, an den bürokratischen EU-Hürden gescheitert. Das zeigt das Beispiel Laura Zumbaum: Was im Jemen, Äthiopien oder Bolivien gang und gäbe ist, wollte sich die Gründerin aus Berlin im Jahr 2017 laut Welt zunutze machen.

Kaffeekirsche: EU-Zulassung gemäß Novel Food-Verordnung dauerte Jahre

Doch die Sperrfrist der EU legte die Pläne der Gründerin, ein Szenegetränk auf Basis der Kaffeekirsche zu produzieren und den Kaffeebauern so eine weitere Ertragsquelle zu erschließen, auf Eis. Schließlich handelte es sich bei der Kaffeekirsche, genau wie ursprünglich auch bei Pflaumenkernöl, Bäckerhefe oder Chiasamen, gemäß der Novel Food-Verordnung um ein neuartiges Lebensmittel, das erst für den Verkauf in der EU zugelassen werden musste.

Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, musste die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erst eine Sicherheitsprüfung der Kaffeekirsche durchführen, die dem Lebensmittelverband zufolge seit Ende 2016 auf der Antragsliste für Novel Food-Produkte stand.

Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeichnen sich „neuartige Lebensmittel“, bzw. Novel Food-Produkte dadurch aus, dass sie vor dem 15. Mai 1997 „nicht in nennenswertem Umfang in der Europäischen Union für den menschlichen Verzehr verwendet wurden.“ Nach über 25 Jahren aber noch von „Neuheiten“ zu reden, erschien aber wohl auch der EU-Kommission sehr fragwürdig.

Im Jemen, Äthiopien und Bolivien gehören Kaffeekirschprodukte längst zum Speiseplan.
Die Kaffeekirsche könnte bald schon in deutschen Supermärkten in Form von Tee- oder Kaffeeaufgüssen vertreten sein. © YAY Images/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

Kaffeekirsche: In anderen Ländern eine etablierte Lebensmittelgrundlage

Denn nun wurde die Kaffeekirsche, die ausschließlich aufgrund ihrer optischen und nicht etwa wegen ihrer geschmacklichen Nähe zu hiesigen Kirschen so genannt wird, zugelassen. In der mehrseitigen Genehmigung des Inverkehrsbringens der EU-Kommission vom 13. Januar 2022 wurde explizit erwähnt, dass die „getrocknete Pulpe der Kaffeekirsche (...) in Jemen, Äthiopien und Bolivien seit Langem als sicheres Lebensmittel verwendet“ werde.

Dieser und noch weitere Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass die Kaffeekirsche in Europa zugelassen wurde. Die EU folgte dem Antrag der Kaffeekirschen-Fans und nahm die Frucht „als traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland in die Unionsliste zugelassener neuartiger Lebensmittel“ auf.

Kaffeekirsche im Supermarkt und Discounter: Aufguss wegen hohem Koffeingehalt nicht für alle geeignet

Ob als Kaffeekirschtee, -kaffee oder auch als Limonade – deutsche Kaffee- und Teegenießer können bei Aldi, Lidl oder Rewe womöglich bald schon neue Produkte vorfinden. Auf deren Verpackungen stehen dann Begriffe und Formulierungen wie „Cascara“, „Pulpe der Kaffeekirsche“ oder „(getrockneter) Aufguss aus der Pulpe der Kaffeekirsche“ geschrieben.

Wie auch bei geläufigem Kaffee enthält das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche allerdings einen erhöhten Koffeingehalt und ist daher für Schwangere, Stillende oder Kinder nicht geeignet. Im Kaffeekirsch-Aufguss soll der Koffeingehalt teilweise sogar noch höher sein als im herkömmlichen Kaffee.

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