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ADAC prüft neue Kindersitze: Drei Testsieger – doch gefährliche Mängel bei fünf Sitzen

Der ADAC hat Autokindersitze bekannter Marken auf den Prüfstand gestellt. Bemerkenswert viele können die Experten empfehlen. Einige haben allerdings auch gravierende Mängel.

Deutschland – Großer Kindersitz-Test beim Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V. (ADAC): Der hierzulande wohl bekannteste Automobil-Club aus München hat Kindersitze einem umfassenden Produkttest unterzogen. Das Fazit der Prüfer: Viele der aktuellen Produkte sind gut – fünf Sitze fallen aber durch, berichtet RUHR24.*

ADACder Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V.
Gründung24. Mai 1903, Stuttgart
HauptsitzMünchen

Kindersitze im ADAC-Test 2021: Viele Produkte sind gut – fünf fallen durch

Im aktuellen Test haben die Autoprofis 26 Produkte begutachtet. Darunter sind sowohl Babyschalen als auch Kindersitze für Kleinkinder. Das Ergebnis ist insgesamt überraschend positiv. So erhalten 18 Sitze die Note „gut“, weitere drei Modelle schneiden immerhin noch „befriedigend“ ab.

Wie der ADAC schlussfolgert, sei das nicht zuletzt auf die regelmäßigen Verbraucherschutztests zurückzuführen*, denen sich die Hersteller stellen müssen. Dennoch sind nicht alle der geprüften Produkte geeignet, um Kinder sicher zu transportieren. Ein Sitz ist nach Meinung der Prüfer im Falle eines Unfalls sogar gefährlich.

Schadstoffe, fehlende Sicherheit: Diese Kindersitze sollten Eltern nicht kaufen

Diese fünf Produkte fallen mit „mangelhaft“ im Test durch:

  • Produkt: Besafe iZi Go Modular X1 i-Size, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 1 Jahr (40 cm bis 75 cm), Sicherheit: sehr gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: mangelhaft, Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Besafe iZi Go Modular X1 i-Size + iZi Modular i-Size base, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 1 Jahr (40 cm bis 75 cm), Sicherheit: sehr gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: mangelhaft, Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Osann Oreo 360°, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 4 Jahre (40 cm bis 105 cm), Sicherheit: gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: mangelhaft, Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Swandoo Marie 2, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 4 Jahre (40 cm bis 105 cm), Sicherheit: gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: mangelhaft, Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Chicco Kiros i-Size + Kiros i-Size base, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 1,5 Jahre (40 cm bis 78 cm), Sicherheit: mangelhaft, Ergonomie: gut, Schadstoffe: gut, Gesamturteil: mangelhaft

Was direkt auffällt: Vier der fünf als mangelhaft bewerteten Produkte bringen die Kinder sicher von A nach B. Die Gefahr lauert hier woanders, denn diese Sitze enthalten Schadstoffe.

So enthalten die Bezugsstoffe der beiden Sitze von Besafe sowie der des Swandoo Marie 2 Naphthalin. Dieses steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Beim Osann Oreo 360 wurde der Weichmacher DPHP nachgewiesen. Der Stoff kann die Schilddrüse und den Hormonhaushalt beeinflussen.

Crash-Test nicht bestanden – Kindersitz von Chicco fällt durch

Der Kiros i-Size der bekannten Marke Chicco hingegen besteht den wichtigsten Test nicht – er fällt im Crashtest durch. Der Sitz ist damit der große Verlierer im Test.

Laut Angaben des ADAC löst sich der Kindersitz beim Frontalaufprall von der Isofix-Basis und „fliegt nahezu ungebremst nach vorne.“ Bei einem Unfall sei ein Kind in diesem Sitz einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt, bemerken die Prüfer.

Kindersitze-Test 2021: Das sind laut ADAC drei der Gewinner

Trotz dieses vernichtenden Urteils: Insgesamt sind die Autokindersitze besser geworden. Das sind drei der besten:

  • Produkt: Maxi-Cosi Tinca + Tinca Base, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 1 Jahr (45 cm bis 75 cm), Sicherheit: sehr gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: gut, Gesamturteil: gut
  • Produkt: Stokke iZi Go Modular X1 i-Size by Besafe + iZi Modular i-Size base, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 1 Jahr (4 cm bis 75 cm), Sicherheit: sehr gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: sehr gut, Gesamturteil: gut
  • Produkt: Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Size by Besafe + iZi Modular i-Size base, zugelassen für Größe/Gewicht: bis ca. 1 Jahr (40 cm bis 75 cm), Sicherheit: sehr gut, Ergonomie: gut, Schadstoffe: sehr gut, Gesamturteil: gut

Wichtig zu wissen: Der Kindersitze-Test 2021 bezieht sich auf aktuelle Modelle. Für einen umfassenden Vergleich sollten sich Eltern vor dem Kauf auch über die Ergebnisse älterer Tests informieren. Der ADAC listet in einer Übersicht alle Testergebnisse seit 2015 nach Alter geordnet auf. Denn im Laufe einer Kindheit kaufen Eltern in der Regel mehrere Sitze, ein Modell reicht auf Dauer nicht, wie tz.de* ausführt.

Kindersitze im ADAC-Test 2021: Nur wenige erhalten die Bestnote

Bemerkenswert: In allen Tests seit 2015 sind insgesamt nur drei Sitze aufgeführt, die vom ADAC mit „sehr gut“ bewertet wurden, das sind:

  • der Silver Cross Dream + Dream i-Size Base (zugelassen bis 1 Jahr) aus dem Test 2020,
  • der Maxi-Cosi Jade + 3wayFix (zugelassen bis sechs Monate) aus dem Test 2019,
  • und der Kiddy Evo-Luna i-Size (Isofix) (zugelassen bis 1,5 Jahre) aus dem Test 2016.

Zu den letzten beiden ist allerdings anzumerken, dass die Testkriterien im Jahr 2020 verschärft wurden, die Ergebnisse damit also nicht uneingeschränkt vergleichbar sind.

Ein ADAC-Mitarbeiter beim Kindersitz-Test 2014 – die Ergebnisse älterer Tests bieten Eltern eine Übersicht.

Kindersitztests von ADAC und Stiftung Warentest – hilfreiche Übersicht für Eltern

Die Tests werden in Zusammenarbeit von ADAC und Stiftung Warentest durchgeführt (weitere Testberichte* auf RUHR24). Neben dem ADAC veröffentlicht auch die Stiftung Warentest regelmäßig die Ergebnisse der Kindersitz-Tests. Der aktuelle Test ist auf der Webseite des Verbrauchermagazins zu finden (Bezahlartikel).

Die Gesamtübersicht über ältere Tests ist dabei noch etwas ausführlicher: Stiftung Warentest veröffentlicht die Ergebnisse seit 2009 als Bezahlversion. Insgesamt 349 Produkte lassen sich dort auch nach Faktoren wie Preis oder Anbieter filtern. Ebenso ist auch bei den älteren Kindersitzen immer angegeben, ob sie noch erhältlich sind. Vor dem Kauf eines neuen Sitzes bieten die Tests Eltern in der Flut an Angeboten eine praktische Hilfe.

Kindersitze im Test „mangelhaft“ – Hersteller reagieren

Darüber hinaus sorgen die Tests auch dafür, dass die Produkte besser werden. Der ADAC bemerkt, dass viele schlecht bewertete Produkte schnell vom Markt verschwänden oder nachgebessert würden.

So auch im aktuellen Fall. Wie der ADAC berichtet, haben bereits drei der oben genannten Hersteller mit mangelhaften Produkten reagiert. Osann und Swandoo bieten Eltern demnach an, die belasteten Bezüge auszutauschen. Auch Testverlierer Chicco tausche die gefährliche Isofix-Station kostenfrei aus. *RUHR24 und tz.de sind Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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