Vor allem PET-Einwegflaschen betroffen

Pfandpflicht im Umschwung? Zwei Safthersteller fordern Abschaffung einer langjährigen Regelung - BMU reagiert

Verschiedene Saftflaschen des Getränkeherstellers „Granini“, aufgenommen am 17.05.2011 in der Hauptverwaltung des Unternehmens in Nieder-Olm.
+
Werden in Zukunft alle Plastikflaschen der Pfandpflicht unterliegen? Eckes-Granini und Coca-Cola-Tochter Innocent wünschen sich das zumindest (Symbolbild).

Bahnt sich gerade eine Revolution im Pfandsystem an? Eckes-Granini und Coca-Cola-Tochter Innocent fordern die Änderung einer Sonderregelung - dabei war die mal hart erkämpft.

  • Einer der größten Safthersteller in Europa, Eckes-Granini und Coca-Cola-Tochter Innocent wollen die Pfandpflicht.
  • Sie fordern die Einbeziehung aller Plastikflaschen in das Pfandsystem.
  • Das Bundesumweltministerium reagierte prompt.

Nieder-Olm / München - Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Veränderungen zeigen sich trotzdem eher schleppend. Zwei Saftherstellern geht das zu langsam: Coca-Cola-Tochter Innocent und Eckes-Granini fordern eine Veränderung im Pfandsystem.

Pfandpflicht: Coca-Cola-Tochter Innocent fordert Abschaffung der Sonderregel für Saft und Smoothies

Einst war die Befreiung der betroffenen Plastikflaschen von der Pfandpflicht eine hart erkämpfte Sonderregel - nun soll diese aber weg. „Wir lieben unsere PET-Flaschen“, heißt es von Innocent im Online-Auftritt zu ihrer PETition „Pfand für alle“. Der Safthersteller fordert die Einbeziehung von „Saft- und Smoothieflaschen aus Einweg-PET ins deutsche Pfandsystem.“ Damit würde die Abschaffung der gesetzlichen Sonderregel für Pfand auf Saft- und Nektarflaschen einhergehen.

Innocent verspricht sich einige Vorteile von der erweiterten Pfandpflicht: Nach den Angaben des Unternehmens könnten 1,5 Milliarden Flaschen mehr pro Jahr recycelt werden. Diese Zahl resultiert aus dem Anteil von PET-Flaschen, die derzeit nicht im Pfandsystem sind.

Achtung: Die Pfandpflicht hat auch etliche Betrüger auf den Plan gerufen. Mit einer Erweiterung des Pfandsystems könnte sich diese Situation noch verschlimmern. Gleichzeitig könnte man damit aber die Qualität des recycelten Plastiks erhöhen und die allgemeinen Kosten verringern. Schließlich würden sich dann alle PET-Flaschen in einem geschlossenen Kreislauf befinden.

Pfandsystem in Deutschland: Warum man manche Flaschen zurückgeben muss und andere nicht

Einweg oder Mehrweg: Was ist nachhaltiger, was ist „besser“ und warum sind manche Flaschen überhaupt von der Pfandpflicht befreit? Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) erklärt, welche Bereiche von der Sonderregel im Pfandsystem betroffen sind:

  • Ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen, da sie eine vergleichbar gute Ökobilanz aufweisen wie Mehrwegflaschen (z. B. Getränkekartons oder hochwertig recycelte PET-Flaschen)
  • Getränkebereiche, wo der Aufwand zur Pfand-Umstellung nicht im Verhältnis zum ökologischen Nutzen steht (z. B. Glasflaschen bei Wein und Spirituosen)

Nach Angaben des BMU werden Ausnahmen der Pfandpflicht regelmäßig geprüft und das System, wenn nötig und möglich, angepasst. Die Anpassung kann allerdings nur durch eine Änderung des Verpackungsgesetzes kommen: Zuletzt betraf dies die Pfandpflicht auf kohlensäurehaltige Fruchtnektare. Das ist manchen deutschen Bundesländern aber nicht genug: Hessen und Niedersachsen fordern „auf alle Flaschen“ Pfand.

Saft und Nektar umweltbewusst vertreiben: Eckes-Granini befürwortet Umschwung bei Pfandpflicht

In der neuesten Umwelterklärung für die Jahre 2020 bis 2023 greift auch Eckes-Granini Deutschland die Themen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit auf. Der, nach eigenen Angaben, größte Safthersteller Europas strebt eine weitestgehende Umstellung von PET-Flaschen auf Flaschen aus recyceltem PET (rPET) an.

„Bis 2025 wollen wir 50 % rPET markenübergreifend einsetzen“, heißt es dazu von Eckes-Granini. Um dabei eine möglichst hohe Qualität und gute Ökobilanz zu erreichen, wünscht sich das Unternehmen eine Einbeziehung in das Pfandsystem - und damit letztendlich die Pfandpflicht - für ihre Saft- und Nektarflaschen.

Österreich zieht vor: Ministerin will Pfand auf Plastikflaschen

Wird das Pfandsystem gekippt? Bundesministerium für Umwelt reagiert auf Safthersteller

Der Geschäftsführer von Eckes-Granini Deutschland, Kay Fischer, äußerte sich positiv über eine Ausweitung der Pfandpflicht auf alle PET-Einwegflaschen. Die Gründe dafür sind nicht nur ökologischer, sondern auch praktischer Natur: Der Gang in den Discounter oder den Getränkemarkt - um Flaschen gegen einen Pfandbon einzutauschen - sei vielen Verbrauchern schon in Fleisch und Blut übergegangen. Dies berichtet Chip in Rückbeziehung auf die Lebensmittelzeitung (bezahlter Inhalt).

Eine Sprecherin des BMU teilte auf Nachfrage der Lebensmittelzeitung mit, dass man dem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen sei. „Die Möglichkeit, die Pfandpflicht weiter auszuweiten“, werde überprüft. Die Schließung der Materialkreisläufe und die damit einhergehende Verbesserung des Recyclings scheint ein guter Motivator für eine Veränderung des Pfandsystems zu sein. (jey)

Auch interessant:

Meistgelesen

Nach Wendler-Aktion: Kaufland nimmt wieder Promis auf die Schippe
Nach Wendler-Aktion: Kaufland nimmt wieder Promis auf die Schippe

Kommentare