Ofen, mir ist zu kalt!

Von der ISH-Messe: Die neue Kommunikation mit der Heizung

Hersteller wie Vaillant entwickeln Apps und Plattformen, mit denen sich Heizung und Temperatur in jedem Raum bedarfsorientiert steuern lassen – egal von welchem Ort aus. Das steigert den Komfort und hilft, Energie zu sparen. Zum Beispiel wurde die multiMATIC-App auf der ISH präsentiert. Foto: Vaillant/dpa-tmn
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Hersteller wie Vaillant entwickeln Apps und Plattformen, mit denen sich Heizung und Temperatur in jedem Raum bedarfsorientiert steuern lassen – egal von welchem Ort aus. Das steigert den Komfort und hilft, Energie zu sparen. Zum Beispiel wurde die multiMATIC-App auf der ISH präsentiert. Foto: Vaillant/dpa-tmn
Wodtkes neue Pelletöfen ixbase lassen sich mit einem Bedienboard steuern oder über das Internet mit einem PC oder Smartphone mit Webbrowser. Foto: Wodtke/dpa-tmn
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Wodtkes neue Pelletöfen ixbase lassen sich mit einem Bedienboard steuern oder über das Internet mit einem PC oder Smartphone mit Webbrowser. Foto: Wodtke/dpa-tmn
Die Steuerung über das Smartphone braucht auch einen vernetzbaren Ofen. Der ixbase von Wodtke lässt sich beispielsweise weltweit über das Internet ansteuern. Er wurde auf der ISH präsentiert. Foto: Wodtke/dpa-tmn
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Die Steuerung über das Smartphone braucht auch einen vernetzbaren Ofen. Der ixbase von Wodtke lässt sich beispielsweise weltweit über das Internet ansteuern. Er wurde auf der ISH präsentiert. Foto: Wodtke/dpa-tmn
Der Heizungsregler Bosch EasyControl von Junkers Bosch hängt an der Wand. Er verbindet die Heizung über das WLAN mit dem Internet. Das Smartphone kann somit die Temperatur in bis zu 24 Räumen regeln. Foto: Junkers Bosch/dpa-tmn
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Der Heizungsregler Bosch EasyControl von Junkers Bosch hängt an der Wand. Er verbindet die Heizung über das WLAN mit dem Internet. Das Smartphone kann somit die Temperatur in bis zu 24 Räumen regeln. Foto: Junkers Bosch/dpa-tmn
Andreas Lücke ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie. Foto: Philippe Ramakers/BDH/dpa-tmn
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Andreas Lücke ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie. Foto: Philippe Ramakers/BDH/dpa-tmn

Aufdrehen - und irgendwann wird es warm. So ging das Bedienen der Heizung früher. Seit langem arbeiten Hersteller an der besseren Handhabung, inzwischen spielen Smartphones dabei eine Rolle. So wird die Bedienung zwar aufwendiger - aber das Heizen auch komfortabler.

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Bei Autos, Möbeln und in der Mode gibt es jedes Jahr, wenn nicht gar jede Saison etwas völlig Neues zu sehen. Bei Heizungen dauert es länger - auch, weil Hausbesitzer sich nicht ganz so oft neue Geräte kaufen.

Und: "Es gibt nicht mehr so viele Technologie- oder Effizienzsprünge, wenn man praktisch schon das physikalische Limit erreicht hat. Sie sind mit einer modernen Wärmepumpe von 2015 energetisch durchaus in einem Bereich, der vergleichbar ist mit dem von heute", sagt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie.

Auf der nur alle zwei Jahre stattfindenden ISH (14. bis 18. März), der Weltleitmesse für Badezimmer, Heiz- und Klimatechnik in Frankfurt, werden auch die neuesten Heizungssysteme vorgestellt. Und es zeigt sich: In diesem Jahr liegt der Fokus bei den Heizungsanlagen bei der digitalen und dadurch besseren und kostensparenderen Bedienbarkeit.

"Wir können mit einer digitalen Heizung gegenüber einer analogen Heizung alter Machart 15 Prozent zusätzlich einsparen", erklärt Lücke. "Das passiert zum Beispiel über die Synchronisation von Anwesenheitszeiten des Kunden mit den Laufzeiten der Heizung. Möglich ist auch das Einlesen lokaler Wetterdaten, über die dann die sogenannte Heizkurve optimiert wird." Zunächst bedeutet das für den Bewohner: Die Bedienung der Heizung wird aufwendiger, als man das etwa in Altbauten noch kennt mit den einfachen Drehgriffen, die an jedem Heizkörper morgens hoch- und abends heruntergedreht werden.

Man gibt nun zum Beispiel Abwesenheitszeiträume ein oder programmiert eine Absenkung der Temperatur nachts, wenn alle unter den warmen Bettdecken liegen. Oder man informiert die Heizung ganz spontan aus der Ferne, dass man nun nach Hause fahren wird. Das heißt: Die neuen Technologien verlangen eine bewusstere Auseinandersetzung mit der Heizung. Es gibt viel mehr Einstellungen.

Aber zugleich bietet sich auch mehr Komfort. Ein Beispiel: Wer sein Smartphone oder Tablet einbindet, kann von der Couch im Erdgeschoss aus, noch während der "Tatort" über den Bildschirm flimmert, die Temperatur in allen Schlafzimmern im Obergeschoss hochdrehen - mit einem Handstreich. Dann ist es auch warm, wenn man ins Bett will.

Dafür gibt es schon verschiedene Lösungen. Doch auch auf der ISH wird einiges neu präsentiert, darunter in Teilen schon selbst denkende Lösungen: Die Anwesenheitserkennung des Heizungsreglers Bosch EasyControl von Junkers Bosch zum Beispiel berechnet mit Hilfe von GPS-Daten des Smartphones die Entfernung des Bewohners zum Haus und wie lange er nach Hause braucht. Darauf abgestimmt wird die Heizung mit Hilfe von schlauen Thermostaten rechtzeitig hochgedreht. Aber der Regler erinnert sich auch an regelmäßige Unterbrechungen auf dem Heimweg, etwa am Fitnessstudio, und bedenkt das bei der rechtzeitigen Heizungserwärmung.

Vaillant stellt eine Plattform namens iFTTT vor, die auch Heizgeräte ins Smart Home einbindet. Die Kommunikation erfolgt nach dem Prinzip "wenn dies, dann das", erläutert der Hersteller. Die Aktivität einer Anwendung löse bei einer anderen eine Reaktion aus: Öffnet man ein verkabeltes Fenster, geht die schlaue Heizung automatisch aus. Nähert sich das vernetzte Auto dem Haus, erhöht sich die Raumtemperatur.

So manches Unternehmen bastelt derzeit an noch mehr Kommunikation mit dem Wärmelieferanten im Haus: So stellt der Anbieter Wodtke auf der ISH Karl vor, einen Prototypen zur virtuellen Sprachsteuerung eines vernetzbaren Pelletofens. Karl begrüßt den Nutzer mit einem herzlichen "Grüß Gott", reagiert auf Kommandos wie: "Karl, mir ist zu kalt", gibt Tipps zur Bedienung und fragt seinen Besitzer nach dem Wohlbefinden. Das System kann ohne Internetanbindung betrieben werden. Die Markteinführung ist für das Jahr 2019 geplant.

Solche technischen Lösungen haben im Grunde zwei Ziele: Die Menschen sollen bewusster heizen, um Energie und Kosten zu sparen. Aber sie können auch ihren persönlichen Komfort steigern, indem sie nie mehr in kalte Räumen kommen. Zukunftsmusik ist das nicht mehr. "Die digitale Heizung ist jetzt Realität und wird flächendeckend angeboten von den Herstellern", betont Lücke vom Heizungsindustrieverband.

Wobei Stefan Seitz, Leiter Brandmanagement der ISH, sich noch skeptisch zeigt, wie gut sich die Digitalisierung in den Eigenheimen durchsetzen wird: Das sei vor allem etwas für die dem Smartphone zugeneigten jüngeren Generationen. "Ob die, die keine Digital Natives sind, das auch nutzen werden, muss man sehen."

Neu auf der ISH ist ein anderes Thema der Digitalisierung: der Kontakt von Heizung und Installateur. Dieser kann die erhobenen Daten auch nutzen und die Funktionstüchtigkeit der Heizungsanlage am Monitor in seinem Betrieb prüfen. Der Fachmann kann bei Bedarf die Heizung aus der Ferne optimieren und manche Störung beheben. Lücke spricht dabei von Kosten- und Sicherheitsvorteilen. Will man den Experten mal wechseln, sei das aber "selbstverständlich kein Problem, und die Daten können auch verbindlich gelöscht werden".

Service:

Die Messe ISH, Leistungsschau der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche, findet vom 14. bis 18. März 2015 in Frankfurt/Main statt. Publikumstag ist der 18. März von 9.00 bis 17.00 Uhr. In der übrigen Zeit haben nur Fachbesucher Zugang. Die Messe findet nur alle zwei Jahre statt.

Messe ISH

Sicherheitslücken durch smarte Heizungen

Mit Daten von Heizungen lässt sich ein Nutzungsprofil erstellen. Dieses zeigt zum Beispiel, wann die Wohnung oder das Haus tagsüber verlassen ist, erklärt Sven Hansen vom Computer-Magazin "c't". Fallen solche Daten Kriminellen in die Hände, lassen sich zum Beispiel Einbrüche besser planen. Die "c't" hat in der Vergangenheit etwa bei vernetzten Alarmanlagen Sicherheitslücken ausgemacht - "auch wenn die Hersteller grundsätzlich Sicherheit versprochen hatten", betont Hansen.

Hansen rät daher, grundsätzlich abzuwägen, ob der Komfortgewinn durch die neuen Technologien das mögliche Sicherheitsrisiko wert ist. Falls es das ist, sollte man sich mit dem System gut auseinandersetzen. Dazu gehört zum Beispiel, voreingestellte Passwörter zu verändern. "Man darf nicht voraussetzen, dass der Hersteller das schon macht. Man sollte sich selbst zum Experten machen", rät Hansen.

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