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Balkonpflanzen automatisch bewässern

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Tropfer
An jede Pflanze in den Balkonkästen kommt ein Tropfer der Bewässerungsanlage, aus dem das Wasser fließt. © Franziska Gabbert/dpa-tmn

Während Pflanzen im Garten selbst an heißen Tagen auch mal ohne uns auskommen, brauchen Balkonpflanzen bei Hitze täglich Wasser. Das kann eine automatische Bewässerungsanlage übernehmen.

Berlin - Wie viele Gießkannen voll Wasser tragen Sie im Sommer jeden Abend auf Ihren Balkon? Fünf, sechs, sieben, acht? Das ist aufwendig für Sie und für einen Pflanzensitter, der während des Sommerurlaubs extra zur Wohnung fahren muss. Doch es gibt eine Lösung: Eine automatische Balkonbewässerung.

Der dpa-Themendienst hat ein Modell ausprobiert, fast zwei Sommer lang.

Das Gerät:

Das Basis-Set der „city gardening Balkon Bewässerung“ von Gardena hat 25 Tropf-Einheiten für fünf bis sechs Meter im Blumenkasten. Oder eben für 25 Pflanzen. Das System hat eine Pumpe und lässt sich auf bis zu 40 Tropf-Einheiten erweitern.

Ein Steuermodul bietet 14 verschiedene Bewässerungsprogramme, eine Steckdose ist nötig. Dafür braucht das System keinen Wasseranschluss auf dem Balkon. Man muss einen Wasserbehälter aufstellen, der nicht im Set enthalten ist.

Die Pumpe befördert das Wasser aus dem Behälter über kleine schwarze Schläuche tröpfchenweise direkt zu den Pflanzen. Die Reihentropfer können laut Gardena bis zu zwei Liter Wasser pro Stunde abgeben.

Die Kosten:

Man zahlt 149,99 Euro laut Gardena-Website für das Basisset. Online ist das System aber auch für knapp unter 100 Euro zu haben (Stand: August 2022).

Die Tröpfchenbewässerung:

Das System gibt das Wasser tröpfchenweise an den Boden ab - und zwar genau an der Pflanze, oberhalb ihrer Wurzeln. Deshalb kommt auch mehr Gießwasser direkt bei der Pflanze an, wodurch man die Wassermenge insgesamt reduzieren kann.

Denn gerade an heißen Tagen verdunstet ein Großteil des gegossenen Wassers sonst an der Luft, bevor die Erde und folglich die Wurzeln der Pflanzen es aufnehmen können.

Zusätzlich kann man Wasser sparen, wenn man zu Zeiten gießt, in denen die Luft und der Boden möglichst kühl sind - damit weniger Wasser verdunstet. Das ist meist am frühen Morgen der Fall. Denn am späten Abend sind Boden und Luft nach heißen Sommertagen meist noch zu warm.

Der Aufbau:

Der Aufbau der Bewässerungsanlage ist etwas für Bastler und Fans technischer Spielereien. Es wird geschnitten, gelegt, gesteckt und viel hin- und hergeschoben. Doch keine Sorge, der Aufbau ist überhaupt kein Hexenwerk. Man braucht weder Heimwerker-Fähigkeiten noch Elektrik-Kenntnisse. Nur etwas Zeit und Geduld.

Beim ersten Installieren des Gardena-Systems ist schon mal schnell eine Stunde weg allein für die Überlegungen, wo die Regentonne, die Schläuche und die Stromkabel liegen sollten. Und eine weitere Stunde geht fürs Schneiden, Legen und Befestigen der Verteilerrohre drauf.

Das Abbauen im Herbst geht schnell. Im nächsten Frühjahr muss man das Puzzle dann erneut zusammensetzen. Das kann etwas mehr Nerven kosten, denn die Schläuche sind nun ja schon in Teilstücke geschnitten, die nicht an jeder Stelle passen.

Die Einstellungen:

Es gibt 14 Programme, die das Gießwasser in verschiedenen Intervallen und Zeiträumen abgeben. Man kann die Bewässerung direkt mit einem Dreh am Steuermodul starten oder einen Rhythmus von vier, sechs, acht, zwölf, 24, 48 und 72 Stunden einstellen. Zudem kann die Anlage Wasser für jeweils eine, drei oder sechs Minuten zuführen.

Stromversorgung
Die Stromversorgung der „city gardening Balkon Bewässerung“ von Gardena ist mit einem Steuermodul verknüpft, über welches man 14 verschiedene Programme anwählen kann. © Franziska Gabbert/dpa-tmn

Aber was wählt man aus? Diese Frage stellt sich nach der ersten Installation - dazu gibt es erst mal keine Informationen.

Der halbschattige Test-Balkon mit 32 Pflanzen, wird nach wochenlangem Ausprobieren inzwischen im Hochsommer einmal täglich für jeweils drei Minuten gegossen. Aber die Anlage startet um circa drei Uhr nachts - wenn die Temperaturen, und damit auch die Verdunstung, möglichst gering sind. An Regentagen ist die Anlage aus, an kühlen Tagen wird sie nur nach Bedarf angestellt.

Gardena empfiehlt auf Nachfrage, an heißen Sommertagen alle zwölf Stunden zu wässern, darunter einmal am besten früh morgens. Für Pflanzen mit hohem Wasserbedarf wie Tomaten sollte man dann eine Gießdauer von sechs Minuten wählen.

Bei Pflanzen mit geringem Wasserbedarf wie Kräutern könne man nur einmal am Tag eine Gießdauer von ebenfalls sechs Minuten einstellen. Für unterschiedliche Gießintervalle auf einem Balkon bräuchte man allerdings zwei Bewässerungs-Sets.

Unser Rat: Ausprobieren, was der eigene Balkon je nach Standort, Sonnen- und Schattenseiten, Windaufkommen und Bepflanzung benötigt. Läuft unten aus den Gefäßen überschüssiges Gießwasser heraus, kann man abschalten und die Zeit stoppen. Pflanzen mit höherem Wasserbedarf können zusätzlich auch mal einen Schluck aus der Kanne bekommen.

Sowieso kann es sich an sehr heißen Sommertagen lohnen, die Anlage nach 15 Minuten noch mal kurz anzuschalten. Denn trockene Erde kann das Gießwasser nur nach und nach aufnehmen und für die Wurzeln speichern, die es dann aufsaugen. Gibt man viel Wasser auf einmal, rinnt einiges, was die Erde eigentlich aufnehmen könnte, hindurch.

Die Zeitschaltung:

Darauf setzte die Testerin große Hoffnungen - und wurde zum Teil enttäuscht. Wer wasserschonend und zum Wohle der Pflanzen mitten in der Nacht gießen möchte, für den ist die integrierte Zeitschaltuhr einerseits sehr praktisch.

Andererseits muss man sich mindestens einmal den Wecker zu dieser Schlafenszeit stellen, um die gewünschte Startzeit einstellen. Denn es gibt keine Funktion, mit der man einstellen, dass es zum Beispiel um 03:45 Uhr am Morgen losgehen soll.

Die gleiche Alltagshürde tut sich auf, wenn man an Regentagen oder in kühleren Witterungsperioden Wasser sparen möchte und die Anlage immer mal wieder abschaltet oder die Einstellungen anpassen möchte.

Hier muss man in den sauren Apfel beißen: Entweder man steht immer mal wieder nachts auf, um die Wunschuhrzeit einzustellen. Oder man verzichtet dann doch darauf, die Pflanzen nachts zu gießen und steigt zum Beispiel auf eine Gießzeit um sieben Uhr morgens um. Auch dann bekommen die Pflanzen noch viel Wasser ohne Verdunstung ab.

Die Wasserversorgung der Anlage:

Ein Wasserreservoir auf dem Balkon braucht Platz, den hat nicht jeder. Aber es muss auch nicht gleich eine große Regentonne sein, wie man sie vielleicht im Garten hat. Gardena schlägt zum Beispiel vor, einen schönen Trog mit dem Volumen eines großen Blumentopfs als Wasserspeicher zu nutzen. Er wirkt zugleich als Dekoration und als eine Art Miniteich auf dem Balkon. Den Insekten, die sich tagsüber daran erfrischen können, tut man auch gleich noch etwas Gutes.

Trog als Wasserreservoir
Ein schöner Trog kann als Wasserreservoir der „city gardening Balkon Bewässerung“ von Gardena dienen. © Gardena/dpa-tmn

Die Lösung auf dem Test-Balkon ist eine umfunktionierte Plastik-Lagerkiste mit Deckel als Verdunstungsschutz und Kindersicherung. Sie ist schwarz und flach genug, um zwischen ein paar größeren Blumentöpfen optisch zu verschwinden.

In den Deckel sind zwei Löcher für die Versorgungsleitung zu den Pflanzen und das Stromkabel an der Pumpe sowie ein Anschlussschlauch an die Regenrinne gebohrt. Letzteres war auch wieder etwas Bastelarbeit, aber das lohnt sich: Auf dem Test-Balkon deckt kostenloses Regenwasser den Großteil des sommerlichen Wasserbedarfs ab.

Wasserreservoir regelmäßig auffüllen
Ganz ohne eine Gießkanne klappt es nicht auf jedem Balkon: Das Wasserreservoir muss regelmäßig aufgefüllt werden. © Franziska Gabbert/dpa-tmn

Dieses Wasserreservoir mit etwa 55 Litern reicht für rund zehn Tage bei einer Gießdauer von drei Minuten einmal alle 24 Stunden. Die Pflanzen überleben mit dieser Wassermenge auch gut Temperaturen von über 30 Grad. Regnet es zwischenzeitlich nicht, wird eben die Tonne per Gießkanne nachgefüllt. Aber oft kommt das nicht vor.

Was nicht gefallen könnte:

Die Optik

Man sieht die Wasserleitungen sehr deutlich, sie hängen von Topf zu Topf. Das kann stören und wurde von Gästen des Test-Balkons immer wieder angesprochen. Die Schläuche im Blumenkasten könnten zudem Kleinkinder und Katzen zum Spielen verführen. Doch die erwachsenen Balkonbewohner übersehen sie inzwischen.

Schwarze Schläuche
Das könnte optisch stören: Die schwarzen Schläuche der automatischen Balkonbewässerung ziehen sich von Pflanze zu Pflanze und von Kasten zu Kasten. © Franziska Gabbert/dpa-tmn

Ein Tipp, wenn die Stromleitung von der Steckdose zur Pumpe zum Beispiel direkt an der Balkontür vorbeiführt: In eine zur Balkonfarbe passende Rohrisolierung oder ein Leerrohr aus dem Baumarkt stecken und sie unauffällig unter der Türschwelle oder am Balkon-Rand befestigen.

Das Pumpengeräusch

Die Pumpe arbeitet mit einer Art surrenden Geräusch. Aber beim Test sind weder erwachsende Familienmitglieder, noch ein Baby davon aufgewacht - obwohl der Balkon direkt vor dem geöffneten Schlafzimmerfenster liegt.

Fazit:

Die Versorgung der Pflanzen über eine automatische Balkonbewässerung ist einfach, zuverlässig und erspart jede Menge Gießkannentragen. Praktisch für alle, die diese tägliche Aufgabe nicht gerade als Teil des Hobbys Gärtnern empfinden. Zudem sind solche Systeme gut für alle, die im Sommer gerne viel verreisen. Zusätzlich kann man so an heißen Sommertagen Wasser sparen.

Alternativen:

Es gibt noch wenige Balkonlösungen auf dem Markt. Eine Alternative für Standorte ohne Stromanschluss ist das Tropfsystem von Blumat, das keine Pumpe benötigt. Das Wasser kommt durch den Druck eines höher gelegenen Wasserreservoirs in die Schläuche, im Blumentopf stecken Tonkegel. Alternativ lässt sich das System an einen Wasserhahn anschließen.

Mitgelieferter Schlauch
Der mitgelieferte Schlauch der „city gardening Balkon Bewässerung“ von Gardena wird in kleinere Stücke unterteilt und an die Tropfer gesteckt, aus denen das Wasser fließt. Steckelemente sorgen dann dafür, dass die Schläuche an Ort und Stelle bleiben. © Franziska Gabbert/dpa-tmn

Das „Bewässerungs Set“ von GIB Industries versorgt jede Pflanze einzeln über einen Schlauch, weshalb sich das System eher für Pflanzengruppen eignet, die rund um eine Pumpe angeordnet werden. Es benötigt einen Stromanschluss und einen Wassertank. dpa

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