Wenig Inhalt, große Verpackung

Verpackungswahn: Warum sind Pakete von Amazon & Co. ständig zu groß?

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Es wird nur eine Kleinigkeit bestellt - und schon steht ein überdimensionales Paket vor der Haustür.

Großes Paket, wenig Inhalt: So sieht es im Verpackungsalltag aus. Aber wieso berechnen Amazon & Co. die Maße eigentlich immer so überdimensional?

Sie bestellen sich nur einen Lippenstift oder andere Kleinigkeiten und erleben einen Riesenschreck, sobald das Paket eintrifft: Denn die Ausmaße sind viel größer als tatsächlich an Inhalt drin ist. Fälle wie diese werden momentan regelmäßig in den sozialen Netzwerken geteilt und diskutiert.

Amazon-Verpackungswahn in jüngster Vergangenheit

So ärgerte sich zum Beispiel eine Frau aus Großbritannien maßlos, als sie sich ein Hundegitter bei Amazon bestellte - und ein überdimensionales Paket erhielt. Ähnlich erging es einer Landsfrau, die ihren Gürtel mit einer XXL-Verpackung geliefert bekam. Aber wieso packen Versandhäuser wie Amazon ihre Waren immer wieder in zu große Kartons?

Große Pakete: Pappkartons sind der letzte Schrei

Generell wird der Löwenanteil von Online-Bestellungen in Pappkartons verschickt. Das liegt daran, dass das Material leicht, stabil und einfach zu falten ist, wie Logistik-Experte Ingmar Böckmann vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel erklärt: "Der Pappkarton wird das Verpackungsmaterial der Zukunft bleiben."

Pakete-Wahn: Darum ist die Verpackung oft so groß

Laut dem Experten seien übergroße Pakete aus logistischer Sicht rentabler. Denn man spare sich Kosten bei der Einrichtung von Verpackungsmaschinen und könne gleichzeitig Kartons in möglichst hohen Stückzahlen einkaufen. "Da ist es günstiger, Luft zu verschicken, als Kartonagen anders zu dimensionieren."

Forscher Michael Böhmer vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund stimmt da zu. Kleine Produkte in großen Verpackungen seien in der Logistik-Branche kein Fehler, sondern erleichtere den Paketboten die Arbeit, da sie sich besser stapeln ließen.

Große Pakete: Amazon-Experte erklärt den Grund

Das Online-Portal Chip fragte zudem beim Amazon-Verpackungsexperten Stephan Eichenseher an, weshalb zahlreiche Pakete des Unternehmens viel zu groß bemessen sind: "In den Amazon-Logistikzentren berechnet eine Software die optimale Kartongröße auf Basis der Maße der bestellten Produkte", heißt es. Dass Produkte wie Gürtel oder andere Kleidungsstücke gefaltet werden könnten, würde dort nicht mit einbezogen werden. Mitarbeiter erhielten lediglich Empfehlungen, wie groß die Kartons für die jeweiligen Waren ausfallen könnten. Trotzdem: "Am Ende entscheidet der Mensch, welche Verpackung die Richtige ist, weil er das T-Shirt zum Beispiel doch rollen kann. Natürlich kann es dabei Fehleinschätzungen geben."

Wenn Kunden mit der Verpackung nicht zufrieden sind, hätten sie immer noch die Möglichkeit auf der Webseite ein Feedback abzugeben. Außerdem hat Amazon auf Verpackungen von Waren, die durch unabhängige Händler auf dem Amazon Marketplace versandt werden, keinen Einfluss.

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So oft werden zu große Pakete versandt

Schätzungen zufolge sind Pakete im Online-Handel im Durchschnitt nur zur Hälfte voll. Teilweise hätte man bei einer Untersuchung aber auch Lieferungen entdeckt, die nur 20 Prozent Wareninhalt vorweisen konnten. Nur bei den Allerwenigsten - zum Beispiel beim Versand von Ersatzteilen - wären nur ein Prozent Wareninhalt vorhanden.

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Der freie Raum im Paket wird dann durch zusätzliches Füllmaterial wie geknülltem Papier ausgestopft. Bei teureren Waren wie Bauteilen für die Industrie kommt auch hochwertiger Schaum zum Einsatz.

Der Empfänger fühlt sich durch die Verschwendung an Verpackungsmaterialien jedoch eher gefrustet. Das ist auch dem Experten Böckmann klar: "Der Kunde will wenig Verpackungsmaterial." Um sie zu besänftigen, verwenden viele Versandhäuser mittlerweile recycelte Materialien für die Verpackungen oder bieten die Möglichkeit an, Pakete umgedreht als Geschenkverpackungen zu verwenden.

Pakete als Werbefläche

Ein weiterer Vorteil, den Unternehmen in Pappkartons sehen, ist die Möglichkeit sie als individuelles Kommunikationsinstrument zu verwenden. Laut einer Umfrage des E-Commerce-Centers (ECC) durch das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) ist dies bereist bei jedem dritten Online-Händler der Fall. Deshalb sind viele Pakete zum Beispiel schon in den Unternehmensfarben gestaltet.

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Von Franziska Kaindl

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