Nicht in Form

1860 München: Muss Mölders auf die Bank? - „Uns fehlen seine Tore“

1860-Kapitän Sascha Mölders macht eine Geste der Ratlosigkeit.
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Kapitän in der Krise: Bei Sascha Mölders läuft es nicht – am Samstag könnte Marcel Bär für ihn stürmen.

In der Vorsaison schrieb er als ältester Torschützenkönig noch Fußball-Geschichte. Nun will es beim Löwen-Stürmer Sascha Mölders einfach nicht mehr laufen.

München - Seit seiner Erfahrung mit der Corona-Quaranäne („moderne Haft“) ist Michael Köllner zurück im Leben – und jeden Abend unterwegs, meist in semiprivater Mission. Der inzwischen voll immunisierte 1860-Trainer lässt keinen Anlass aus, um in seine kriselnde Mannschaft hineinzuhören. Am Sonntag war er mit Semi Belkahia beim Eishockey, am Montag joggen mit Richard Neudecker, am Dienstag war er mit Co-Trainer Günter Brandl im Kino – und am Mittwoch mit dem gesamten Profiteam bei der Sechzger-Wiesn.

„Ich finde es immer sinnvoll, wenn man sich auch mal in etwas anderer Atmosphäre austauscht“, sagt Köllner über seine Art der Menschenführung. Doch Psychologie hin, Gespräche her: Sämtliche 28 Spieler seines Kaders sind selbst in einer Siebentagewoche nicht zu schaffen, und so fiel vor dem Auswärtsspiel beim SC Verl (Samstag, 14 Uhr, Lotte) einer durch den Rost, der auch ein spannender Begleiter gewesen wäre: Sascha Mölders.

1860 München: „Man sollte keinen Personenkult betreiben.“ - Köllner macht Andeutungen

Es läuft nicht beim Kapitän, der ja so großen Anteil daran hat, dass die Löwen aktuell unter den selbst geweckten Erwartungen ächzen. Mit seinen 22 Toren in der Vorsaison katapultierte Mölders sich selbst in die Annalen des deutschen Fußballs (ältester Torschützenkönig) – und seinen Verein auf Platz vier. Auf eine Position, an der Köllner und seine Mannschaft nun gemessen werden; seit der 0:2-Heimpleite gegen Zwickau noch ein bisschen mehr. Inzwischen sind es nämlich bereits neun Plätze, die Köllners Team von seinem Abschlussergebnis der Saison 2020/21 trennen. Mölders selbst hat seit Sommer erst zweimal getroffen und ist nun ein Kandidat für die Bank, wenn die heimlichen Beobachter des nichtöffentlichen Trainings richtig liegen.

Köllner, am Freitag auf seinen formschwachen Torjäger angesprochen, sagte natürlich nicht, dass er den Kapitän aus der Startelf nehmen werde, doch er machte Andeutungen, dass er es in Erwägung zieht – solange er das Gefühl hat, dass er seine Mannschaft damit in die Spur bringen kann. „Grundsätzlich freut sich keiner, wenn er auf die Bank muss“, sagte der Trainer: „Für mich zählt aber nur, dass die Mannschaft erfolgreich spielt. Uns fehlen seine Tore, uns fehlt die Art, wie er seine Tore entwickelt.“ Bemerkenswert der Nachsatz: „Man sollte keinen Personenkult betreiben.“

1860 München: Startet Kultlöwe Sascha Mölders gegen Viktoria Berlin? - Köllner macht Andeutung

Der Kultlöwe („Wampe von Giesing“) sieht das womöglich anders – und sicherheitshalber schob Köllner hinterher: „Das hat keine Aussagekraft für die nächsten Wochen.“ Bedeutet: Ein Spiel ohne Mölders ist denkbar, doch schon beim Heimspiel gegen Viktoria Berlin (2. Oktober) werden die Karten neu gemischt. Für eine Verschnaufpause des 36-Jährigen spricht, dass in Neuzugang Marcel Bär (29) ein fähiger und wieder voll einsatzfähiger Stürmer zur Verfügung steht: „Seine Schulter ist zuletzt von Tag zu Tag besser geworden.“

Köllner hielt auch noch einen (allgemeinen) Vortrag über das „Ego“ von Profis – und die lohnende Einstellung, das Wohl der Mannschaft über individuelle Interessen zu stellen. Spätestens da wurde klar: Der nächste abendliche Bar/Kino/Fitness-Termin ist vergeben. (ulk)

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