TSV 1860

1860-Talent „Hansi“ Djayo drängt in die Startelf

Johann Djayo kniet auf dem Rasen und schaut konzentriert.
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Auf die Plätze, fertig - und rein ins Profiteam: 1860-Talent Johann Ngounou Djayo.

Momentan ist er der zwölfte Mann beim TSV 1860: Wenn die Schlussphase anbricht, schlägt die Stunde von Johann „Hansi“ Djayo, dem jungen Offensivallrounder aus Dachau. Sein Jugendtrainer wundert sich nicht über den Aufstieg des 19-Jährigen. „Man hat früh gemerkt, dass er etwas Besonderes ist“, erinnert sich Robert Wendling. 1860-Chefcoach Michael Köllner sagt: „Er ist Straßenkicker mit Ecken und Kanten.“

  • Mit 14 ins Löwen-NLZ, mit 19 in den Drittligakader - mit bereits sechs Kurzeinsätzen.
  • Das Probetraining bei 1860 schaffte er im dritten Anlauf.
  • Ende 2018 lief er zweimal für die deutsche U18-Auswahl auf.

Dennis Dressel, 22, gilt bei 1860 als Shootingstar mit Potenzial für mehr. Auch Fabian Greilinger, 20, ist ein Talent, das regelmäßig seine Einsätze bekommt. Seit dieser Saison gibt es aber auch noch ein anderes Eigengewächs, das ans Profiteam ranschnuppern darf. Auf seinem Trikot steht „Ngounou“. Johann Djayo ist das, was man aufgrund der Reihung hierzulande als Vor- und Nachname bezeichnen würde. Bei den Löwen-Profis hat der junge Kollege mit kamerunischen Wurzeln aber schnell einen Spitznamen weggehabt: Hans. Stefan Lex, der Urbayer und Humorbeauftragte, ruft auch gerne mal: Hansi.

Hansi wie der Welttrainer vom benachbarten Weltverein (für 1860-Hardliner: Flick heißt er). Der Löwen-Hansi indes steht noch ganz am Anfang seiner Karriere. Vorige Saison war Djayo noch für die U 19 der Löwen im Einsatz, aktuell ist er so etwas wie der zwölfte Mann in Michael Köllners Drittligakader. Wenn der Schlusspfiff naht, schlägt die Stunde von Djayo, dem vielseitig einsetzbaren Offensivtalent. Mit dem 1-Minuten-Einstand in Zwickau ging’s los, seitdem stehen für Djayo, 19, fünf Kurzeinsätze zu Buche. Der längste dauerte 16 Minuten (beim 0:2 gegen Duisburg), sein eindrücklichster war beim 6:1 gegen Halle: Assist für Tallig nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung. Köllner lobte hernach den Instinkt des Junglöwen, den Diagonalpass von Steinhart mit einem Kontakt weiterzuleiten.

Hat Djayos Talent schon in der F-Jugend erkannt: Robert Wendling, ehemaliger Nachwuchstrainer beim TSV Dachau 1865.

Szenen wie diese sind für einen keine Überraschung. Robert Wendling, 56, kennt Djayo seit der F-Jugend, war damals in Dachau sein erster Trainer und Mentor. Wendling begleitete und formte den kleinen Hansi, bis er ihn acht Jahre später persönlich an die Grünwalder Straße chauffierte, wo sich Djayo im dritten Probetraining für das Löwen-NLZ empfehlen konnte. „Johann bringt viel mit, was ein Offensivspieler im modernen Fußball benötigt“, sagt Wendling: „Man hat früh gemerkt, dass er etwas Besonderes ist, ein Ausnahmekicker. Für ihn gab’s immer nur Fußball, Fußball, Fußball. Wir haben ja mit Dachau oft gegen Bayern und 1860 gespielt, da war er für mich immer der Stärkste, der mit dem größten Talent.“ Einziges Manko: „Er kann auch mal aufbrausend werden. Wenn’s nicht so lief, kam schnell der Gelbe Karton. Weil er einfach sehr extrem ehrgeizig ist.“ Wendling ist froh, dass Djayo jetzt unter der Obhut von Michael Köllner trainiert, den er für einen „sehr, sehr, sehr guten“ Fußballlehrer hält.

Wir haben mit Dachau oft gegen Bayern und 1860 gespielt, da war er für mich immer der Stärkste, der mit dem größten Talent.

Djayos Ex-Trainer und Mentor Robert Wendling

Und auch Köllner weiß, was er hat am Stolz des TSV Dachau 1865 hat. „Er ist ein robuster, athletischer Spieler, der auch bei Gegnerdruck am Ball bleiben kann“, so das Urteil des 1860-Trainers: „Er lebt von seiner Individualität, von seinem Körpereinsatz. Eigentlich ist er ein untypischer NLZ-Spieler, eher so ein Typ Straßenkicker. Wir sind sehr froh, dass es uns im Verein gelingt, Jugendspielern ihre Ecken und Kanten zu lassen und sie trotzdem nach oben zu bekommen.“

Für die deutsche U 18 war Djayo Ende 2018 zweimal im Einsatz, sein Ziel dürfte nun sein, sich nicht nur wieder für DFB-Teams, sondern überhaupt für höhere Aufgaben zu empfehlen. Hat er das im Kreuz? „Um höher rauf zu kommen, muss er spielen“, sagt Wendling: „Ansonsten kann ihm sein Ehrgeiz auch das Genick brechen.“

Köllners Aufgabe ist es nun, Djayos Talent in gesunde Bahnen zu lenken. „Die erste Schritte hat er sehr gut hingekriegt“, sagt der 1860-Coach: „Jetzt kommen die nächsten, und die werden sicher kein Selbstläufer.“ Erstes Drittligator, Aufrücken in die Stammelf – all das hat der Löwen-Hansi noch vor sich.

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