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Aaron Berzel im Interview: „Klaasen? Solche Scherze gehören zum Fußball dazu“

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Von: Uli Kellner

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Aaron Berzel scherzt mit Sascha Mölders
Immer noch dicke Kumpels: Aaron Berzel (l.) mit Sascha Mölders, seinem früheren Mitspieler bei 1860. © Imago

Keiner kennt das Innenleben von Türkgücü und 1860 besser als Aaron Berzel, der für beide Clubs spielte. Er sagt vor dem Derby: „Da ist ordentlich Brisanz drin!“

München - Das Duell seiner Münchner Ex-Clubs wird Aaron Berzel, 29, verpassen – weil er am Samstag zur Drittliga-Anstoßzeit 14 Uhr mit seinem neuen Verein SC Verl bei Viktoria Köln antritt, wo er das halbe Jahr zuvor gespielt hatte. Wir sprachen mit dem Abwehrrecken, der sich nicht nur wegen des Aufstiegs mit den Löwen (2018) und seiner Freundschaft zu 1860- und Türkgücü-Kollegen einen engen Draht zur Stadt München bewahrt hat.

Aaron, 1860, Türkgücü, Viktoria Köln und jetzt Verl. Werden Sie mit Ende 20 zum Wandervogel?

Berzel: (lacht) Naja, man muss ja schauen, wo man bleibt. Manchmal geht es schneller, als man denkt – und es gibt eine überraschende Trennung wie bei meiner letzten Station in Köln. Erst war ich Stammspieler, die letzten fünf Spiele hab ich dann nicht mehr gespielt und war komplett außen vor. Ich hätte meinen Vertrag aussitzen können, aber lieber spiele ich jetzt für Verl, bei einem sehr sympathischen, ruhigen Verein, der sich sehr um mich bemüht hat. Und zum Thema Wandervogel: Ich habe bis 2023 unterschrieben – mit Option auf ein weiteres Jahr.

Gerüchte um Liquiditätsengpass und Punkteabzug - Berzel überrascht

Sie wohnen jetzt in Oer-Erkenschwick und werden dort auch ein Haus bauen. Entfernt man sich da auch emotional von München, wo Sie sich ja sehr wohlgefühlt hatten mit Ihrer jungen Familie?

Berzel: Jein, wir haben noch viele Freunde in München, auch außerhalb des Fußballs, deswegen ist da schon noch viel Kontakt. Wir sitzen auch manchmal zu Hause und denken: Ach, irgendwie vermissen wir schon das Leben dort. Die Zeit wird auch nie in Vergessenheit geraten – schon aus dem einfachen Grund, dass Nael (Hawaiianisch für „Sohn des Löwen“/Red.) hier vor einem Jahr geboren wurde. München bleibt in unserem Leben ein Meilenstein.

Am Samstag spielen Ihre Ex-Vereine Türkgücü und TSV 1860 gegeneinander. Was geht da in Ihnen vor?

Berzel: Ich denke, dass es zwar nur das kleine Stadtderby ist – trotzdem steckt ordentlich Brisanz drin, wie man letzte Saison gesehen hat. Bei Türkgücü spielt noch einer von meinen Jungs: Sercan Sararer. Und bei 1860 schreibe ich noch mit Merveille (Biankadi) und Molli (Quirin Moll).

Wir haben ihn im Schlaf überrascht, gefesselt und zweimal im Fahrstuhl hoch- und runterfahren lassen. Er wurde nicht gefoltert, und es war auch nicht so, dass er hilflos dalag und aus Todesangst um Hilfe geschrien hat. Leon stört es selber, wie das dargestellt wurde – er hat sich bei uns gemeldet und sich empört, dass er jetzt rüberkommt wie das kleine Sensibelchen, das sich nicht wehren kann.

Aaron Berzel über einen Aufzug-Streich mit Ex-Mitspieler Klassen.

Die Zeit bei Türkgücü ist vermutlich präsenter, dafür sind Sie mit 1860 in die 3. Liga aufgestiegen. Wem drücken Sie die Daumen?

Berzel: Natürlich bin ich pro 1860. Ich glaube, jeder kennt meine Verbundenheit mit diesem Club – zumal Türkgücü zu den Konkurrenten von Verl gehört und sich mit uns im unteren Drittel der Tabelle aufhält. Für uns wäre es daher nicht schlecht, wenn die drei Punkte an 1860 gehen.

Für Türkgücü ist es das erste Spiel 2022, das erste unter Andreas Heraf, dem fünften Trainer im vergangenen Jahr. Heftig, oder?

Berzel: Was soll ich sagen? Ich glaube, es ist für keine Mannschaft der Welt leicht, wenn so oft gewechselt wird – weil die Spieler ja auch speziell für einen Trainer geholt wurden, der eine gewisse Idee von Fußball hat.

Heraf steht für eine defensiv orientierte Philosophie, für Ergebnisfußball. Kann das bei Türkgücü funktionieren?

Berzel: Dazu kenne ich den Trainer zu wenig – und ich weiß auch nicht, ob sie noch Spieler dazu holen oder auf den vorhandenen Kader vertrauen. Grundsätzlich denke ich schon, dass so ein defensiver Ansatz in der 3. Liga funktionieren kann.

Ein anderer Buddy von Ihnen, Petar Sliskovic, wurde nach Wehen Wiesbaden abgegeben. Hat Sie das gewundert?

Berzel: Ich wusste schon etwas länger, dass er ein bisschen auf dem Abstellgleis stand. Für Petar freut’s mich, dass er so einen ambitionierten, gut geführten Verein gefunden hat.

Wäre das nicht auch einer für 1860 gewesen, als Mölders-Nachfolger?

Berzel: Ja, absolut. Petar ist ein Stürmer, der immer seine Tore gemacht hat.

Haben Sie die letzten beiden 1860-Spiele verfolgt?

Berzel: Das Spiel im DFB-Pokal hab ich in der Konferenz gesehen (0:1 gegen Karlsruhe/Red.), das in der Liga gegen Wehen (3:2) nicht. Ich glaube aber, wenn man eine Partie nach 0:2-Rückstand dreht, dann spricht das für das Team.

Haben Sie sich gewundert, wie schnell im Dezember die Trennung von Sascha Mölders vonstatten ging?

Berzel: Auf jeden Fall. Jeder weiß ja, dass Sascha und ich sehr gut befreundet sind. Deswegen war das auch für mich sehr, sehr überraschend. Man darf ja nicht vergessen, was Sascha sechs Jahre lang für diesen Verein geleistet hat. Er hätte einen schöneren Abschied verdient gehabt. Zur Sache mit Leon Klassen wollte ich übrigens auch noch etwas klarstellen . . .

Sie meinen die Geschichte von seiner Fahrstuhlfahrt wider Willen?

Berzel: Genau, erstens ist das noch zu Bieros Zeiten passiert. Und zweitens waren da viel mehr Spieler beteiligt als Sascha und ich, sogar ein paar aus dem Staff. Jeder im Team weiß, dass alles im Spaß passiert ist. Wir haben ihn im Schlaf überrascht, gefesselt und zweimal im Fahrstuhl hoch- und runterfahren lassen. Er wurde nicht gefoltert, und es war auch nicht so, dass er hilflos dalag und aus Todesangst um Hilfe geschrien hat. Leon stört es selber, wie das dargestellt wurde – er hat sich bei uns gemeldet und sich empört, dass er jetzt rüberkommt wie das kleine Sensibelchen, das sich nicht wehren kann. Wir mögen den Leon alle – und wir waren auch der Meinung, dass er mehr Spielzeit verdient gehabt hätte. Solche Scherze gehören zum Fußball dazu – das weiß jeder, der damit zu tun hat.

Ich gehe davon aus, dass beide Vereine die Klasse halten werden.

Aaron Berzel über die Rückrunden-Aussichten von Türkgücü und TSV 860.

Zurück zum Sport, zur Tabelle der 3. Liga. Wo landen Ihre Münchner Ex-Clubs am Saisonende?

Berzel: Man muss abwarten, wie sich die nächsten Spiele entwickeln. Ich gehe aber davon aus, dass beide Vereine die Klasse halten werden.

Falls es Türkgücü nicht vorher finanziell beutelt. Was sagen Sie zum Gerücht mit dem Liquiditätsengpass und dem Abzug von zwei Punkten?

Berzel: Das überrascht mich. Weil sie ja eigentlich finanziell gut aufgestellt sind. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich keine Hintergründe kenne.

Das Intwerview führte Uli Kellner.

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