„Der Nikolaus war noch nie der Osterhase’“

TSV 1860 tritt auf der Stelle: Köllner erwartet Reaktion - Präsident Reisinger zitiert Uli Hoeneß

Schmerzlicher Rückschlag: Die Löwen Steinhart, Dressel, Salger und Belkahia (v.l.), gefrustet beim Spiel gegen Waldhof Mannheim.
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Schmerzlicher Rückschlag: Die Löwen Steinhart, Dressel, Salger und Belkahia (v.l.), gefrustet beim Spiel gegen Waldhof Mannheim.

Wutentbrannt trat Michael Köllner gegen eine Werbebande, ehe er zum Mikrofon von Magenta Sport schritt. Der Frust über das 1:3 im Nachholspiel gegen Waldhof Mannheim saß tief beim Löwen-Trainer.

München – Statt den Abstand zu den interessanten Plätzen zu verkürzen, ließen die Sechziger gegen die Kurpfälzer eine Halbzeit lang alles vermissen, was ein Profiteam auszeichnen sollte. „Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten nach den beiden Siegen nachlegen“, sagte Köllner. „Die Enttäuschung ist extrem groß. Mit einer solchen ersten Halbzeit hatte keiner gerechnet.“

Tabellenplatz neun, 23 Punkte, nur fünf Siege. Nach 17 Spieltagen dümpeln die Löwen im Niemandsland der Liga. Der angestrebte Aufstiegskampf droht in dieser Saison ohne blaue Beteiligung stattzufinden. Und auch wenn Köllner von einer „Woche der Wahrheit“ vorab nichts hören wollte, einige bittere Wahrheiten sind nicht wegzudiskutieren:

Den Löwen fehlt es an Abwehrkraft

Zehn Gegentore in den letzten vier Spielen sind eine deftige Bilanz. Warum Köllner als Nebenmann für den reichlich verunsicherten Stephan Salger erneut auf den komplett verunsicherten Semi Belkahia setzte, muss man nicht verstehen. Nach 45 Minuten war Schluss für Belkahia, Quirin Moll übernahm. „Mit der Halbzeit-Auswechslung war das Thema relativ klar dokumentiert von mir“, sagte Köllner. Seine Erklärung der Misere: „Uns fehlen zwei Spieler: Daniel Wein und Niklas Lang, die gut in Form waren. Ich glaube nicht, dass es ein grundsätzliches Kaderproblem ist.“ Aktueller Stand: Lang (Meniskus) befindet sich wieder im Lauftraining, Wein (Spann) wird bis Jahresende fehlen. Weiteres Handicap: Gegen Magdeburg muss auch Linksverteidiger Phillipp Steinhart zuschauen – Gelbsperre.

Für 90 Minuten reicht die Konzentration nicht

Beim 1:3 in Osnabrück ließ sich der blaue Zusammenbruch in der zweiten Halbzeit besichtigen, dieses Mal war die Mannschaft von Beginn an „nicht auf dem Platz“, sagte Köllner. Gute Gegner bestrafen das. Kein Wunder, dass die Löwen bislang nur gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte gewonnen haben. Am Dienstag kam das Wetter als Gegner hinzu. Erst mit Rückenwind lief’s im zweiten Durchgang. „Das war schon ein Faktor“, gab Köllner zu bedenken. Warnung: Für Samstag sind erneut Böen bis zu 40 km/h vorhergesagt.

Die Mannschaft hat ein Problem, sich selbst zu regulieren

Geschichtsbewusste Fans wird der Elfmeter von Keanu Staude an den Fehlschuss von Francis Kioyo aus dem Abstiegsjahr 2004 erinnert haben. Damals schnappte sich der gerade eingewechselte Stürmer die Kugel und verschoss gegen Hertha BSC, am Dienstag fühlte sich der eingewechselte Staude berufen – und fabrizierte eine Rückgabe. „Er war sich sicher, hat den Ball genommen und Verantwortung übernommen. Auch, weil es die anderen zugelassen haben“, kommentierte Köllner die Szene. „Es war sicher nicht so abgesprochen.“ Mögliche Erklärung: Die Stammschützen Steinhart und Mölders hatten zuletzt ebenfalls nicht getroffen.

Der Ausblick: „Ich erwarte eine Reaktion. Wir wollen das Spiel am Samstag revidieren“, sagte Köllner mit Blick auf Magdeburg. Präsident Robert Reisinger hat das Ziel noch nicht aufgegeben: „30 Punkte zur Winterpause, dann ist noch alles möglich“, erklärte er. „Ich zitiere Uli Hoeneß nur sehr ungern, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: ‚Der Nikolaus war noch nie der Osterhase’.“ (Ludwig Krammer)

Der Unglücksrabe: Keanu Staude scheiterte beim Strafstoß.

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