1. meine-anzeigenzeitung
  2. Sport
  3. 1860 München

Ex-Löwe Bekiroglu: „1860? Mir tut das richtig weh, was da passiert“ – Rückkehr nicht ausgeschlossen

Erstellt:

Kommentare

Stammkraft bei Alaynaspor in der ersten türkischen Liga: Ex-Löwe Efkan Bekiroglu.
Stammkraft bei Alaynaspor in der ersten türkischen Liga: Ex-Löwe Efkan Bekiroglu. © IMAGO/Seskimphoto

Für die Münchner Löwen absolvierte Efkan Bekiroglu (27) insgesamt 58 Spiele in der dritten Liga. Zur Saison 2020/21 wechselte der gebürtige Dachauer in die erste türkische Liga.

München – Im Interview erzählt er, wie es ihm dort geht und wie er die Entwicklung des TSV 1860 sieht.

Efkan, wie ist das Leben als Profi in der Türkei?

Das Leben hier ist schön eigentlich. Vor allem weil Alanya ja eher eine Urlaubsgegend ist. Ich wohne nur 200 Meter vom Strand entfernt, wir haben zu 80 Prozent schönes Wetter und die Menschen sind sehr entspannt. Es ist ein Mix aus international, wegen dem Tourismus, und trotzdem heimatlich, da ich schon viele Freunde hier gefunden habe. Der Verein ist auch top organisiert. Hinzu kommt, dass du auch gegen geile Gegner jede Woche spielen darfst, gegen große Namen, was die Sache natürlich noch besser macht.

Efkan Bekiroglu: Aus der 3. Liga ins Galatasaray-Stadion

In der Freizeit: Lieber an der Küste von Alanya oder durch die Fußgängerzone in München spazieren?

Das ist eine schwierige Frage, weil in München meine Familie und Freunde sind. Wenn ich die Wahl hätte, mit denen am Marienplatz rumzulaufen, dann würde ich schon eher das nehmen, was aber nicht heißen soll, dass es hier nicht schön ist. Hier hast du halt andere Sachen, die du genießen kannst.

Bekiroglu mit seinem Team.
Bekiroglu mit seinem Team. © Instagram

Nach einer eher schwierigen Debütsaison konnten Sie sich immer mehr als Stammspieler im offensiven Mittelfeld durchsetzen. Was macht Sie momentan für das Team so wichtig?

Der Wechsel von der dritten Liga in die Süper Lig war nicht einfach. Die Süper Lig ist viel intensiver, viel körperlicher und auch technisch viel stärker. Ich würde sagen, dass viele Vereine auch in der Bundesliga mithalten könnten. Es ist wie ein Mix aus unterer Bundesliga-Hälfte und oberer 2. Liga-Hälfte. Zudem hatte ich im ersten Jahr eine krasse Konkurrenz im Mittelfeld. Aber dann kamen durch den Trainerwechsel neue Spieler und ich konnte mich durchsetzen. Was mich wichtig macht: Ich denke, es gehört vor allem Erfahrung dazu. Ich kenne die Liga und würde sagen, dass ich relativ diszipliniert bin und das umsetze, was der Trainer will.

Wie sind die türkischen Fans? Sind sie wirklich so verrückt, wie immer erzählt wird?

Ja, absolut. Wir haben schon im Besiktas-Stadion, im Galatasaray-Stadion und im Fener-Stadion gespielt und es ist wirklich unglaublich. Vor allem, als wir im Gala-Stadion 2:2 gespielt haben, war zudem ein Festtag hier in der Türkei. Deswegen gab es noch mal eine extra Choreo und das war echt beeindruckend. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Wenn 40 000 bis 50 000 Menschen rumschreien, hörst du gar nichts mehr, nicht mal deinen Nebenmann.

Efkan Bekiroglu: „Mir tut das richtig weh, was da passiert ist, muss ich ehrlich sagen“

Ihre Familie lebt in Karlsfeld. Sie wohnen in Alanya. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

(Lacht) Das ist eine gute Frage. Aktuell fühle ich mich schon in Alanya zu Hause, weil das jetzt schon mein drittes Jahr hier ist und ich mir auch eine Wohnung hier gekauft habe. Aber im Fußball kann sich das halt immer relativ schnell ändern. Meine Familie ist in München, meine Freundin lebt und studiert in Karlsruhe, wir führen jetzt seit circa drei Jahren eine Fernbeziehung. Dadurch ist man irgendwie die ganze Zeit am Handy. Aber meine Familie kommt mich ab und zu besuchen und in Länderspielpausen oder wenn wir freihaben, versuch ich eigentlich immer nach Deutschland zu fliegen.

Verfolgen Sie die Spiele der Münchner Löwen, Ihres ehemaligen Vereins, noch?

Ja, absolut, fast jedes Spiel.

Und wie sehen Sie die aktuelle Lage bei 1860?

Ich rede mal komplett als Fan: Mir tut das richtig weh, was da passiert ist, muss ich ehrlich sagen. Mir hat auch leidgetan, was mit Michael Köllner passiert ist. Ich persönlich habe das nicht für richtig empfunden. Aber das geht mich auch nichts an. Es tut einfach weh, wenn ich die Mannschaft sehe, wie sie nach so einem guten Start fast schon leidet.

So erlebte Efkan Bekiroglu das verheerende Erdbeben

Haben Sie noch Kontakt zu dem ein oder anderen aus Ihrer Zeit in München?

Ja, wie schon oft betont, Tim (Rieder) ist einer meiner besten Freunde. Ansonsten habe ich die besucht, als sie jetzt hier im Trainingslager waren. Ich habe Köllner getroffen und mich auch relativ lange mit Günther Gorenzel unterhalten. Zu Anthony (Power) habe ich auch sehr guten Kontakt. Er ist eigentlich immer für mich da, wenn ich mal jemanden zum Reden brauche. Auch Fatih Aslan treffe ich ab und zu in München. Aber bei den Spielern merkt man, dass es mittlerweile eine andere Generation ist. So viele kenne ich da gar nicht mehr.

Bekiroglu mit Freundin Melisa auf der Hochzeit von Ex-Kollege Tim Rieder.
Bekiroglu mit Freundin Melisa auf der Hochzeit von Ex-Kollege Tim Rieder. © Instagram

Vor wenigen Wochen war das verheerende Erdbeben im Südosten der Türkei. Waren Sie selbst davon betroffen?

Nein, ich war nicht betroffen. Hier hat es „nur“ gewackelt. In Deutschland klingt das jetzt fremd, aber hier passiert das schon häufiger mal. Alanya ist kein Erdbebengebiet, aber wenn du ein bisschen höher wohnst, merkst du es. Bei einem Erdbeben mit der Stärke sechs oder sieben wackelt es mal für 30 Sekunden. Am Anfang war das schon komisch für mich, weil wir das in Deutschland ja überhaupt nicht gewohnt sind. Aber sonst ist hier zum Glück nichts passiert. Zu dem, was da drüben los war, findet man einfach keine Worte.

Leider ist mit Christian Atsu auch ein Profi aus der Süper Lig ums Leben gekommen. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Man wird völlig von der Realität eingeholt. Ich meine, wenn man die Geschichte noch mal von vorne Revue passieren lässt: Der Junge hat ein paar Stunden davor den Siegtreffer erzielt und hätte er nicht gespielt, wäre er glaube ich in der Nacht zu sich nach Hause geflogen. Das ist wirklich unfassbar. Was das mit mir macht: Ich hätte an dem Wochenende überhaupt nicht spielen können, auch nicht in der Woche danach. Deswegen waren wir alle echt froh, dass wir 3-4 Wochen Pause hatten, um mal ein bisschen wegzukommen. Trotzdem wird man in die Realität zurückgeholt. Zu der Zeit ging es nur noch darum, wie man den Menschen helfen kann, seien es Sachspenden oder Geldspenden. Auch Freunde sind mit dem Auto hier rübergefahren.

Efkan Bekiroglu schließt 1860-Rückkehr nicht aus

Was sind Ihre persönlichen Ziele in den nächsten Jahren? Wo soll es in Ihrer Karriere noch hingehen?

Mein Ziel ist klar: Zurück nach Europa, wenn möglich nach Deutschland. Ich bin jetzt drei Jahre hier und habe noch ein Jahr Option. Aber mein Ziel ist ganz klar die Bundesliga. Ich traue mir das absolut zu, da ich ein erfahrener Spieler bin. Auch weil meine Freundin dort lebt, wäre es für mich ein Traum, zurückzukommen und in Deutschland wieder Fußball zu spielen.

Könnten Sie sich auch vorstellen, eines Tages nochmals für die Löwen zu spielen?

Gerne. Sechzig, das habe ich auch schon oft gesagt, ist ein echter Herzensverein. Wir haben eine Gruppe mit unseren Freunden, wo es oft über Sechzig und München geht. Ich mag den Verein wirklich sehr, aber er ist aktuell nicht da, wo er hingehört. Man weiß nie, aber irgendwann vielleicht, warum nicht?

Interview: Lucas Rauscher

Auch interessant

Kommentare