Auf die Fresse hauen?

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Löwen-Trainer Lienen: „Wir werden eine Mannschaft bringen, die ums ­Weiterkommen kämpfen wird“

München - „Das stärkste Hindernis für unseren Aufstieg bildet die Tatsache, dass wir zu schnell mit uns zufrieden sind.“ Nein, diese Worte stammen nicht von Ewald Lienen.

 Es ist ein Aphorismus des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr – 65 n. Chr.). Und dabei gab’s den TSV 1860 vor 2000 Jahren noch gar nicht. Zumindest nicht in der uns bekannten Gestalt. Was diese Einleitung soll? Nun, besser als der alte Seneca konnte am Montag auch besagter Lienen die Inkonstanz seiner Löwen nicht erklären.

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Nach dem Sieg ist vor dem Dämpfer, auf hui folgt pfui – so geht das in Giesing seit gefühlten 2000 Jahren. Ein Gegenrezept? Lienen gibt die Hoffnung nicht auf. „Ich denke, wir haben jetzt genügend Spiele absolviert, dass jeder Spieler begriffen haben müsste, wie hoch die Trauben in der Zweiten Liga hängen. Dass man mit ein bisschen Fußballspielen nichts erreicht.“ Den Hang seiner Mannschaft zur Bequemlichkeit, zur fatalen Selbstzufriedenheit will Lienen künftig „nicht mehr akzeptieren“. Es könne nicht sein, „dass manche Spieler nach Siegen ihren Einsatz um 25 Prozent runterfahren“ und den Gegner, wie am Sonntag geschehen, „über den Platz eskortieren“.

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Von körperlichen Maßnahmen nimmt der Trainer indes (noch) Abstand: „Soll ich den Leuten auf die Fresse hauen, damit die Spannung nach Siegen erhalten bleibt?“ Vorerst will es Lienen bei Umbauten der Startelf belassen. „Wir werden uns neu aufstellen, eine Mannschaft bringen, die ums Weiterkommen kämpfen wird.“ Gegen Bundesliga-Schlusslicht Hertha BSC am Mittwoch in der Arena dürfte es wohl die Außenspieler erwischen. Pappas, Cooper, Holebas und Rukavina waren beim 0:2 am Tivoli die Schwächsten in einer schwachen Elf. „Aachen hat uns 37 Flanken in den Strafraum gehauen“, dozierte Lienen, „kein Wunder, dass zwei Tore fallen.“

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Auf Benny Lauth wird Lienen gegen Hertha kaum verzichten. Der Kapitän nimmt sich in die Pflicht: „Ich will mit einer guten Leistung vorneweg marschieren.“ Sich aufdrängende Parallelen zur Vorsaison weist Lauth von sich: „Letztes Jahr haben Qualität und Anspruch nicht zusammengepasst, heuer sollte es stimmen, wenn man sieht, wie wir uns verstärkt haben.“ Meisterlöwe Fredi Heiß will nicht widersprechen: „Die Mannschaft ist gut besetzt, aber sie muss auch gierig sein!“ Schlag nach bei Seneca.

Ludwig Krammer

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