Kommentar zum Derby Türkgücü vs. TSV 1860

Zwei Vereine, die vieles trennt, aber auch eine Sache verbindet...

Sie mögen sich nicht, aber sie treffen sich zweimal im Jahr in der 3. Liga. Auch nächste Saison? Türkgücü kämpft um den Klassenerhalt, 1860 will in die 2. Liga.

Aus den Münchner Derbywochen in der 3. Liga sind singuläre Derby-Ereignisse geworden. Türkgücü muss nach dem Abstieg von Bayern II und Haching als einziger lokaler Löwen-Rivale herhalten, einmal pro Halbserie. Wobei ja selbst Insider den Derby-Status bestenfalls widerwillig anerkennen. „Kleines Stadt-Derby“ nannte der Ex-Türkgücü-Löwe Aaron Berzel das Duell – und 1860 selbst würde den Kontrahenten am liebsten ignorieren, was sich vor der Saison in der Absage eines bereits vom Trainer zugesagten Doppel-Interviews äußerte.

Man mag sich also nicht – und so ist doch einige Brisanz im Spiel, wenn sich beide Teams an diesem Samstag vor leider erneut leeren Rängen im Olympiastadion duellieren. Für die Zuschauer, so viel steht fest, wäre es ein reizvoller Vergleich gewesen. Welches Modell setzt sich wohl durch? Das Löwen-Konzept der personellen Kontinuität, das auch die Trainerposition einschließt und für eine in beide Richtungen ruhige Januartransferperiode sorgte? Oder setzt sich die progressive Hire-and-Fire-Mentalität der Perlacher durch? Mit Andreas Heraf auf der Trainerbank, der mit frischem Schwung aus Österreich kommt und nach vier gescheiterten Vorgängern binnen eines Jahres glaubt, heißblütige Türkgücü-Individualisten zu Ergebnisfußball erziehen zu können.

1860 steht neuerdings für personelle Kontinuität

Weiß-Blau steht in München neuerdings für bedächtige Aufbauarbeit, das Türkgücü-Rot für Daueralarm, sportlich und finanziell. Und trotzdem: Bei allem Trennenden gibt es auch etwas, das die beiden Stadtrivalen vereint: die Abhängigkeit von einem launischen Geldgeber. Geldnichtgeber müsste es bei Türkgücü aktuell heißen, denn wie berichtet schwebt das Damoklesschwert des Punkteabzugs über den Emporkömmlingen aus dem Münchner Osten. Nachdem der Börsengang mangels interessierter Aktionäre geplatzt ist, liegt es nun einmal mehr an Boss Hasan Kivran, einen Liquiditätsengpass nicht zur Generalkrise eskalieren zu lassen.

Es steht also einiges auf dem Spiel im Stadtduell um den Ehrentitel „Nummer zwei in München“. Überhaupt könnte die Rückrunde noch spannend werden für zwei Vereine, die nun auch konträre Saisonziele haben. In Perlach gilt es, den Absturz zu vermeiden, in Giesing, ein erneutes Aufstiegswunder zu schaffen. Nicht auszuschließen, dass es künftig gar keine Münchner Drittliga-Derbys mehr gibt. Dazu jedoch müsste es für beide ideal laufen – oder für einen von beiden ganz schlecht.

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