Kurz: Das Ende keines Glücksfalls

Marco Kurz und die Löwen-Profis - eine eher unglückliche Beziehung.
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Marco Kurz und die Löwen-Profis - eine eher unglückliche Beziehung.

Am 19. März 2007 war Marco Kurz als Cheftrainer bei den Löwen installiert worden.

Als Nachfolger des gerade entlassenen Walter Schachner stieg der damals 37-jährige Coach der Amateurmannschaft zum Chef der Profimannschaft auf. Die beiden Geschäftsführer Stefan Ziffzer und Stefan Reuter statteten ihn mit einem bis Juni 2010 (!) datierten Vertrag aus, ein Vertrauensvorschuss, der angesichts der Unerfahrenheit von Kurz im Umfeld durchaus mit Stirnrunzeln aufgenommen wurde.

24. Februar 2009: Wieder mal Aufregung beim TSV 1860

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Aber wie’s häufig so ist bei Trainerwechseln: Zunächst hatte Kurz Erfolg. Die ersten beiden Spiele in Essen und gegen Karlsruhe wurden gewonnen – das reichte für manchen Vereinsverantwortlichen schon, um Kurz quasi zum besten Trainer seit Max Merkel auszurufen. Den TSV 1860 führte er am Ende auf Platz 8.

In der drauffolgenden Saison sah es anfangs tatsächlich so aus, als würde Kurz die Löwen zurück in die erste Liga bringen können. Die ersten drei Spiele wurden gewonnen – und alle waren glücklich. „Marco ist ein absoluter Glücksfall für 1860“, schwärmte Vize Franz Maget.

Da ahnte er noch nicht, was in der Rückrunde folgen würde. Ganze zwei Siege fuhren die Sechziger noch ein, gegen Ende gerieten sie sogar noch in Abstiegsgefahr und retteten sich schließlich nur noch mit hängender Zunge ins Ziel.

Kurz durfte bleiben, in der Hoffnung, dass er es wieder besser machen würde in der neuen Saison. Ein frommer Wunsch. Der spröde und immer unaufgeregt wirkende Coach verlor die ersten drei Saisonspiele, entging damals seinem Rausschmiss nur, weil er im vierten Versuch gegen Duisburg gewann.

Ob er zu diesem Zeitpunkt wusste, dass sich ein Präsidiumsmitglied bereits die Telefonnummer von Volker Finke besorgt hatte?

In der Folge murksten die Löwen weiter von sich hin, dass sie derzeit in der Tabelle nicht noch schlechter da stehen, hatten sie nur einem überraschenden Energieanfall im Oktober zu verdanken, der ihnen vier Siege in Folge bescherte.

Auch auch das verlieh keine Flügel. Weil Kurz es meisterlich verstand, auch in dieser Zeit oft mit einer Leichenbittermiene herumzulaufen. Aufbruchstimmung zu vermitteln, das lag ihm einfach nicht.

Lieber kämpfte er auf Nebenkriegsschauplätzen, wie jenem mit der Presse, der er verbot, mit jungen Spielern (und davon hat 1860 ja genug) zu sprechen. Dass er im Jahr 2008 nur vier Heimspiele gewonnen hatte und die Zuschauer immer mehr aus der Arena vertrieb – was soll’s?

Als nach dem 0:2 zum Rückrundenstart das Heimspiel gegen den SC Freiburg 0:2 verloren ging, rechnete man allgemein damit, dass es das gewesen sei für Kurz. Stattdessen wurde Geschäftsführer Stefan Reuter gefeuert und dafür Miki Stevic geholt, der dem Trainer Kurz von Anfang an recht skeptisch gegenüberstand. Zu Recht, wie sich am Sonntag wieder mal bestätigte. Das 1:4 in Duisburg nach einem absolut lustlosen Auftritt bedeutete das Ende für Kurz.

Die Bilanz, die er hinterlässt, ist erschütternd: 23 Niederlagen, 20 Unentschieden und 20 Siege in 63 Spielen. Aktuell ist der der TSV 1860 Zwölfter. In der Tabelle eingebettet zwischen Ahlen und dem FSV Frankfurt. Kurz war kein Glücksfall für 1860.

Claudius Mayer

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Quelle: tz

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