Michael Hofmann, Torben Hoffmann und Timo Gebhart verabschieden Bender-Brüder

Bender-Karriereende: „Das waren Rohdiamanten“ - Ex-Löwen erinnern sich

Mit vereinten Kräften: Lars Bender (l.) und sein Bruder Sven beschatten gemeinsam Superstar Cristiano Ronaldo.
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Mit vereinten Kräften: Lars Bender (l.) und sein Bruder Sven beschatten gemeinsam Superstar Cristiano Ronaldo.

Michael Hofmann, Torben Hoffmann und Timo Gebhart reagieren auf das angekündigte Karriereende von Lars und Sven Bender. Den Ex-Löwen bleibt ihr Wille und ihre Aufopferung am meisten in Erinnerung.

München - Mit Lars und Sven Bender verlassen zwei Identifikationsfiguren den Profi-Fußball. Ihre Geschichte begann 2002, beide im Alter von 13 zum TSV 1860 München kamen. Binnen weniger Jahre spielten sie sich seinerzeit mit ihrer bodenständigen Art und fußballerischen Leidenschaft in die Herzen der Löwen-Fans. Highlights inklusive, wie 2008, als die heute 32-Jährigen knapp vor der Viertelfinal-Pokalsensation gegen den FC Bayern standen. Im selben Jahr feierten sie im Nationaltrikot die U19-Europameisterschaft. Zwei Jahre zuvor gewannen die Benders mit 1860 die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft. Timo Gebhart erzielte damals den 2:0-Siegtreffer im Finale gegen Dortmund. Für den gebürtigen Memminger war es damals „nur eine Frage der Zeit“, bis die Karrieren der beiden an Fahrt gewinnen würden: „Damals hat man schon gesehen, dass die beiden für Größeres bestimmt waren.“ Der Rest ist bekannt.

Michael Hofmann über die Bender-Zwillinge: „Das waren Rohdiamanten“

Michael Hofmann werden die „guten und ehrlichen Jungs“ in der Bundesliga fehlen. „Das sind menschlich feine Buben, die jetzt zum Ende ihrer Karrieren auf eine überragende Zeit zurückschauen können. Das sind Charaktere, die man in der heutigen Zeit leider nicht mehr so oft findet“, betont die Legende des TSV 1860. Hofmann weiß, wovon er spricht, er spielte zwischen 2005 und 2009 mit den Brüdern zusammen. Bereits im jungen Alter stachen sie für ihn heraus: „Die Benders waren hochtalentiert. Schon damals hatten sie den klaren Fokus. Das waren Rohdiamanten.“ Die Löwen-Legende freut es, dass er den Zwillingen am Anfang ihrer Laufbahn mit „dem einen oder anderen Tipp“ helfen konnte: „Mir hat immer imponiert, dass sie mich trotz ihrer Weltkarriere nicht vergessen haben. Es besteht immer noch eine Verbindung zu den Jungs. Das zeigt mir, dass man in der täglichen Arbeit damals gut rübergekommen ist.“

Ab der Saison 2006/07 standen die Zwillinge regelmäßiger mit dem Torwart auf dem Platz. In der darauffolgenden Saison gehörten die beiden mit nur 18 Jahren schon zum Stamm-Personal der 60er. Die Spielanlagen und die Mentalität der „Bender-Twins“ begeistern den derzeitigen Torwart-Trainer von Türkgücü München. „Beide sind mit einer guten Grundtechnik und einer starken Physis behaftet. Außerdem zeigen sie eine teamorientierte Laufleistung und Mut, in alle Zweikampfsituationen zu gehen. Sie haben immer 100 Prozent gegeben, waren sehr fleißig.“ Ob und wie die beiden nach ihrem Weggang aus dem Profi-Fußball eine Trainer-Karriere anstreben, steht noch in den Sternen. Doch eins ist sicher: sie werden bei jeder Tätigkeit 100 Prozent geben.

Torben Hoffmann mit einer Anekdote aus 1860-Zeiten

Auch Torben Hoffmann stand zusammen mit den beiden Defensiv-Spezialisten Seite an Seite auf dem Rasen. Der Innenverteidiger hatte in den fünf Jahren bis zu ihrem Abgang 2009 oftmals Sven neben und Lars vor sich. Dadurch konnte der 46-Jährige den Zwillingen als einer der wenigen mit am meisten mitgeben: „Sie haben beide immer Ratschläge angenommen und waren wissbegierig. Sie haben bis an ihre Grenzen trainiert und waren im frühen Alter schon sehr fokussiert, was sie von dem ein oder anderen unterschieden hat.“

Ein Erlebnis wird der heutige „Sky“-Experte nie vergessen: „In einer Sitzung bei 1860 hat der Trainer dem jungen Sven die Rolle des Abwehrchefs übertragen. Direkt danach kam Sven zu mir und meinte: ‚Torben, du bist der Erfahrene und der Abwehrchef. Du gibst nach wie vor die Kommandos‘. Das hat wiedergegeben, wie die beiden sind.“ Damit beschreibt Hoffmann den respektvollen und demütigen Charakter, den die Bender-Brüder schon früh entwickelt und beibehalten haben: „Dass er das damals in seinem Alter von sich gegeben hat, fand ich beeindruckend. Das war eine typische Bender-Aktion.“

Vor allem der absolute Wille hat es dem heutigen Sportreporter Hoffmann angetan: „Sie wussten genau, was sie wollten und haben klar dafür gearbeitet, was mir auch relativ früh imponiert hat. Dass sie dann so eine Entwicklung und solche Schritte gemacht haben, hat mich letztendlich nicht gewundert. Talent ist das eine, aber die Bereitschaft ist das andere. Und das war bei beiden schon von Anfang an klar zu erkennen.“ Der einzige Punkt, bei dem Torben Hoffmann Trübsal bläst, ist die „Krankenakte, die sich wie ein roter Faden durch ihre Karrieren zieht“.

Sie haben sich für den Erfolg aufgeopfert und dafür ihre Gesundheit gefährdet: „Es gingen und gehen beide immer voran. Trotz ihrer zahlreichen Verletzungen haben sie immer weitergemacht und keine Angst gehabt. Denn der Wille zu gewinnen war immer da.“ Die Quittung dafür bekamen sie in den letzten Jahren vermehrt zu spüren, die logische Konsequenz: Karriereende mit 32 Jahren. „Wenn die Benders auf dem Platz standen, war der jeweilige Verein vom Punkteschnitt immer besser. Und das spricht eigentlich auch Bände(r)“, lacht Torben Hoffmann.

Timo Gebhart: „Ein gutes Gefühl, die Jungs hinter sich zu haben“

Einer, der im selben Alter wie die Bender-Brüder zwischen 2005 und 2009 für die Löwen gekickt hat, ist Timo Gebhart. Über die Benders kann der 15 Tage ältere Gebhart „nur Gutes erzählen“.

„Damals hat man schon gesehen, dass beide krass waren. Die geben immer alles, sind immer positiv und ein extremer Gewinn für jede Mannschaft“, schwärmt der Memminger. Neben dem Verein spielten die drei auch in den U-Nationalmannschaften des DFB miteinander. Folglich hat der Mittelfeldspieler die beiden auf und neben dem Platz schätzen gelernt: „Die Jungs sind extrem lustig und immer am Lachen. Mit denen konnte man alles machen. Sie sind vom Charakter her sehr stark. Wirklich gute Jungs.“ Gebhart verließ die Sechzger im selben Jahr wie die Brüder in Richtung Stuttgart. Das Trio glänzte bei 1860: „Ich war die Nummer zehn. Die Benders waren immer hinter mir und haben mir den Rücken freigehalten. Ich habe nach vorne alles gemacht, sie haben hinten dichtgehalten. Es war immer ein gutes Gefühl, die Jungs hinter sich zu haben“, betont Gebhart.

(Paul Ruser)

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