TSV 1860

Erstmals ohne Punkte im Bus

Dennis Dressel wird von zwei Dresden-Profis behindert.
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In die Mangel genommen: Dennis Dressel, gegen Halle noch Vierfach-Torschütze für 1860, hatte in Dresden einen schweren Stand.

Im fünften Auswärtsspiel erwischt es die Löwen: 1:2-Niederlage in Dresden. Nach Steinharts Führungstor drehen Ex-Löwe Stark und Königsdörfer das Spitzenspiel der 3. Liga.

  • Zähe Anfangsphase - bis beide Teams Fernschüsse als Stilmittel entdecken.
  • Pusic an der Mittelhand verletzt - Köllner hat nur noch Youngster auf der Bank.
  • Trotz der Niederlage bleiben die Löwen Tabellenzweiter.

Dennis Erdmann schimpfte wie ein Rohrspatz und haute mit der Faust auf die Bande, als er fünf Minuten vor Spielende zur Auswechselbank stapfte. Mit 1:2 lag 1860 in Erdmanns früherer Heimat Dresden hinten, Michael Köllner brachte Johann Djayo für die Schlussphase, doch auch der junge Stürmer konnte dem Spitzenspiel der 3. Liga keine Wende mehr geben. Der 19-Jährige holte noch einen Freistoß raus, der sich in der Dynamo-Deckung verfing – kurz darauf war Feierabend. 1860 erstmals in der Fremde unterlegen, doch keineswegs demoralisiert. „Der Mannschaft kann man keinen Vorwurf machen“, sagte Coach Köllner bei Magentasport: „Sie haben alles reingehauen. Einerseits hat man Dresdens Klasse gesehen. Andererseits war es nicht so, dass Dynamo das Spiel gewinnen musste.“

Die Löwen wussten ja schon vor ihrem Sonntagstrip nach Sachsen, dass sie sich zu 99,9 Prozent nicht in der Tabelle verschlechtern würden. Der Dank dafür galt der aberwitzig ausgeglichenen 3. Liga, in der am Vortag mal wieder die Topteams Punkte gelassen hatten: Ingolstadt 1:4 in Mannheim, Rostock 1:1 in Halle. Okay: Ab einem 0:9 wäre es für 1860 runtergegangen auf Platz drei, aber dagegen sprach vor dem zehnten Spieltag einiges: Dresdens instabile Form (zuvor drei von vier Spielen verloren), vor allem aber die breite Brust der Löwen, die zuletzt Halle schmerzhaft zu spüren bekommen hatte (6:1).

Kopf hoch: Köllner tröstet geknickte 1860-Spieler.

Auswärts ist Sechzig unter Köllner eine Macht. Die bis gestern letzte Niederlage gab es in der letzten Saison – entsprechend selbstbewusst traten die Löwen auf im großen, aber gähnend leeren Harbig-Stadion. 1860 stand gut gestaffelt wie ein Heimteam, Dynamo schob den Ball uninspiriert hin und her. Die Folge war eine zähe, an Höhepunkten arme Anfangsphase: Viele kleine Fouls, wenig Spielfluss – und folglich auch lange keine Torchancen.

In einem Spiel mit konzentrierten Abwehrreihen entdeckten dann beide Teams den Fernschuss als Stilmittel. Der erste der Löwen saß direkt: Nicht Dennis Dressel, sondern Philipp Steinhart hielt einfach mal drauf und jagte den Ball nach einer abgewehrten Lex-Aktion ins Netz. Fünf Minuten währte die Freude der Gäste, dann hatte Ex-Löwe Yannick Stark seinen Auftritt: Spaziergang an Wein vorbei, Schussfinte, gefolgt von einem satten Geschoss, das Marco Hiller auf dem falschen Fuß erwischte: 1:1 also statt 0:0. Nichts gewonnen – außer einem Spiel, das nun auf Touren kam.

Speziell Dresdens Abwehrkante Sebastian Mai wirkte plötzlich hellwach. Einen 30-Meter-Kracher des Dynamo-Kapitäns wehrte Hiller zur Ecke ab (42.), ein Kopfball des 1,95-m-Hünen klatschte gegen die Latte (43.). Für Sechzig war es eine glückliche Fügung, dass mitten in der Dynamo-Drangphase der Pausenpfiff ertönte.

Offenes Spiel dann nach dem Seitenwechsel-: 1860 eröffnete mit einer Mölders-Chance, Dresden forderte vergeblich Strafstoß, als Daferner fiel – und kam glücklich zur 2:1-Führung. Nach einer Ecke fiel Königsdörffer der Ball vor die Füße, er jagte ihn Hiller ins Netz und sorgte für sorgenvolle Blicke auf der Löwen-Bank: Wer sollte neuen Schwung bringen, nachdem sich Edeljoker Martin Pusic die Mittelhand gebrochen hat? Köllner entschied sich für Fabian Greilinger, 20. Vier andere Youngster blieben sitzen. Nicht jeder hat einen breiten Kader wie die Sachsen, die mit der Hereinnahme von Pascal Sohm (171 Drittligaspiele) antworteten.

Es blieb aus 1860-Sicht beim knappen 1:2, der ersten Niederlage in der Fremde. Kleiner Trost: Auch in dieser Wertung behaupteten die Löwen ihren Spitzenplatz.

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