Kurz-Nachfolger Uwe Wolf will seine Chance beim Schopf packen

„Marco war zu gut…“

Wolf und sein Rudel – über seine Zeit bei der U 23 sagt er heute: „Wenn’s der Verein gewollt hätte, dann hätte ich das Ziel 3. Liga vielleicht geschafft…“
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Wolf und sein Rudel – über seine Zeit bei der U 23 sagt er heute: „Wenn’s der Verein gewollt hätte, dann hätte ich das Ziel 3. Liga vielleicht geschafft…“

München - Marco Kurz ist Vergangenheit, die Kandidaten von Klaus Toppmöller bis Ewald Lienen Zukunftsmusik.

„Ich kann und will mich dazu noch nicht äußern“, sagt 1860-Sportdirektor Miroslav Stevic. Bleibt die Gegenwart. Und die heißt Uwe Wolf. „Uwe wird am Sonntag gegen St. Pauli als Cheftrainer auf der Bank sitzen“, bestätigte Stevic am Mittwoch Mittag der tz. Zuvor hatte Wolf im dritten Stock der Geschäftsstelle zur Pressekonferenz geladen. Und eine Regierungserklärung abgegeben. Kernbotschaft: Ich will die Chance beim Schopf packen. Und mehr sein als eine bloße Übergangslösung!

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Wolf über…

… sein Verhältnis zum beurlaubten Marco Kurz: Marco ist mein Freund, wir haben am Dienstagabend, als er seine Sachen hier gepackt hat, noch zwei Stunden miteinander gesprochen. Klar ist er enttäuscht über die Entlassung, aber er hat’s gefasst aufgenommen. Er wird das St.Pauli-Spiel gegen Lautern noch ausarbeiten und mir die Ergebnisse geben. Ein sehr feiner Zug von ihm. Ich werde den Aufdruck „CO“ auf meinem Trainingsanzug diese Woche noch demonstrativ tragen – aus Respekt Marco gegenüber.

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Uwe Wolf, der neue Cheftrainer des TSV 1860, will mehr Ordnung und Disziplin in die Mannschaft bringen. Die Spieler sollen wieder spüren, dass "Fußballprofi" ein harter Beruf ist.

... die Fehler von Kurz: Marco war in manchen Situationen zu gut, er hat sich immer vor die Mannschaft gestellt. Er hat angenommen, dass die Spieler so vorbildlich leben, wie er als Profi gelebt hat. Aber das ist bei vielen leider nicht so. Die wissen nicht, dass du arbeiten musst als Profi.

... seine Methoden als Cheftrainer: Die Mannschaft ist in einer sehr guten körperlichen Verfassung. Was ich reinbringen muss, ist die Gier, den absoluten Willen. Der Löwenfan will Leidenschaft sehen. Und zwar nicht nur alle drei Wochen, wenn das Wasser mal wieder Oberkante Unterlippe steht, sondern Sonntag für Sonntag! Ich werde die Spieler bei der Ehre packen, es gibt ein paar neue Regeln – ich verlange eiserne Disziplin. Und ich habe auch personelle Änderungen im Kopf. Jeder U 23-Spieler, der sich gut präsentiert, wird eine Alternative für die erste Mannschaft sein (auch Messi-Cousin Emanuel Binancucchi, der am Mittwoch mittrainierte, d. Red.). Kein Profi soll sich sicher fühlen! Wir werden künftig auch jede Woche ein Spiel machen mit der U23. Wir sollen am Sonntag um Punkte spielen, darum müssen wir auch unter der Woche spielen.

…seine Rolle als Trainer auf Bewährung: Hinter einem starken Trainer muss immer auch ein starkes Präsidium und eine starke Geschäftsführung samt Sportdirektor stehen – siehe Sechzig unter Wildmoser und Lorant. Ein Zwei-Mann-Betrieb, aber der Laden ist gelaufen. In Spanien ist der Trainer der Professor, in Italien der Mister, in England der Boss. Und in Deutschland oft der Trottel. Das will ich nicht sein. Es ist legitim, dass sich der Klub nach Kandidaten umsieht. Aber ich sage auch: Für die Qualität und für den Preis, wie sie mich haben, fahren sie gut. Ich sprühe vor Ehrgeiz und würde mich freuen, wenn ich die Chance bis Sommer bekäme. Vom Spiel am Sonntag gegen St. Pauli wird natürlich auch einiges abhängen.

...Werner Lorant, der ihn 1995 aus der Mannschaft warf: Ich war ein durchschnittlicher Bundesliga-Spieler, er hat mich aussortiert. Ich bin ihm nicht böse. Ohne Lorant wäre ich womöglich nie nach Mexiko gegangen und hätte vieles nicht erlebt, was mich lockerer gemacht hat.

…seinen Co-Trainer: Ich kann mir gut vorstellen, den Klaus Koschlick (59, Co-Trainer der U23, d. Red.) mit auf die Bank zu nehmen. Mit Koschi würde es passen.

…seinen unrunden Gang: „Ich habe eine angeborene Hüftdysplasie (Fehlstellung, d. Red.), die sich zu einer Arthrose verschlimmert hat. Aber ganz ehrlich: sieht schlimmer aus, als es ist. An eine Operation denke ich derzeit nicht. Ich kann Fußballtennis spielen. Und laufen müssen ja die Spieler!

…seine Familienverhältnisse: Meine Freundin Katja und ich werden dieses Jahr heiraten und wir werden Eltern. Es gibt einen Leo, einen Nico oder einen Maximilian. Errechnetes Geburtsdatum ist der 18.6. Ohne Witz!

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Wolfs vier Gebote

Harter Hund und Spaßmacher – für Uwe Wolf schließen sich diese beiden Wesenszüge nicht aus. „Mit mir kann man Pferde stehlen, flachsen, ich bin für jeden Spaß zu haben“, sagt er. „Aber auf dem Platz zählen nur harte Arbeit und Disziplin! Und wenn ich zum Spieler sag’, er soll vor dem Eckball eine Rolle vorwärts machen, dann wird die gemacht.“

Der Ton bei den Löwen wird unter dem Ur-Pfälzer Wolf also nicht nur deutlich lauter, sondern auch wesentlich schärfer. Ich habe zu unseren bestehenden Regeln noch ein paar neue hinzugefügt, sagt er. Wolfs Gebote. Nicht zehn, sondern vier an der Zahl. Und wer nicht hört, muss zahlen!

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Gebot 1: Die Uhr bin ich!

„An Tagen, wo wir einmal Training haben, bestimme ich die Uhrzeit, wann der erste Spieler heimgehen kann. Bis dahin ist Pflege angesagt.“ Oder gründliches Stiefelputzen. So will es…

Gebot 2: Sauberes Schuhwerk!

„Die Fußballschuhe müssen geputzt sein, bevor es zum Training geht. Und ob sie sauber sind, das entscheide ich.“ Dann weiter zum Spielgerät.

Gebot 3: Ein Ball hat 0,9 bar!

„Das ist der Luftdruck bei den Ligaspielen, und so müssen die Bälle auch im Training aufgepumpt sein! Ich mache Stichproben mit meinem Messgerät. Verantwortlich sind die Torhüter. Die haben die Bälle am meisten in der Hand.“

Gebot 4: Der Wolf macht die Musik!

„Bei den Fahrten zum Stadion hatte bisher jeder im Bus seine Kopfhörer auf. Das schaffen wir ab. Ich will, dass wir die Musik gemeinsam hören, um uns einzustimmen. Was mir vorschwebt? Fußball ist unser Leben! Stark wie noch nie! Oder: Dieser Weg wird kein leichter sein.“

Da können sich die Profis also auf einiges freuen. Doch Wolf hat auch durchaus angenehme Regeln in petto. „Die Mannschaft muss leben! Es wird künftig beim Abendessen im Hotel nicht mehr so steif zugehen. Ein kleines Bierchen zum Schlafengehen ist okay. Wir erwarten, dass sie spielen wie Männer, dann dürfen sie auch Bier zu sich nehmen.“ Den Sponsor wird’s freuen…

Ludwig Krammer

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Quelle: tz

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