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Morgalla: Bleibt er auch mit 18 bei 60? - „Er hat sich zum Weg mit uns bekannt“

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Von: Uli Kellner

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Vorzeigelöwe: Leandro Morgalla (r.) bei der Wiesn-Einkleidung – mit Jo Boyamba (l.) und Jesper Verlaat.
Vorzeigelöwe: Leandro Morgalla (r.) bei der Wiesn-Einkleidung – mit Jo Boyamba (l.) und Jesper Verlaat. © sampics

Ein Schlag mit der flachen Hand auf die Plastiklehne der Reservebank. Zack! Dazu ein Blick, als hätte 1860 soeben den Aufstieg verspielt.

München – Leandro Morgallas Reaktion nach dem Schlusspfiff in Elversberg (1:4) sprach Bände. Da ist einer nicht nur mit Feuereifer bei der Sache. Nein, da haben die Löwen einen am Start, der was reißen will. Mit dem Team. Persönlich. Und vor allem: immer, wenn er auf dem Platz steht.

Das tut er fast immer, dieser Senkrechtstarter aus dem NLZ des TSV 1860. Achtmal in acht Spielen dieser Drittligasaison, jeweils über die vollen 90 Minuten, kürzlich sogar im Totopokal gegen Türkgücü, als andere Stammkräfte geschont wurden. Leo habe einen starken „Laufdrang“, scherzte Trainer Michael Köllner. Kaum zu glauben, dass dieser Morgalla bislang weder wählen noch ein Auto unbegleitet lenken durfte. Erst an diesem Dienstag wird Morgalla offiziell vom Heranwachsenden zum Mann. Das Team wird dem Junglöwen ein Ständchen zum 18. Geburtstag singen, doch nach Lage der Dinge wird „Leo“ seinen Ehrentag kaum genießen können. Nicht nach der Klatsche von Elversberg, die Morgalla – siehe Einstiegsszene – maßlos geärgert hat.

TSV 1860: Morgalla sieht Zukunft bei 1860

Er wünsche seinem jüngsten Stammspieler „nur das Beste“, ließ Köllner ausrichten, als er von unserer Zeitung auf Morgallas Eintritt ins Erwachsenenalter angesprochen wurde. Der Trainer und der blonde Innenverteidiger – das ist eine besondere Beziehung, seit Köllner den gebürtigen Hessen im August 2021 erstmals in einem Pflichtspiel einsetzte. Gerade mal 16 war Morgalla, als er in Birkenfeld sein Profidebüt feierte – und trotzdem ein Lichtblick beim dürftigen 3:0-Sieg im Totopokal gegen den Achtligisten. Jüngst, als es darum ging, ob 1860 Morgalla halten kann, sagte Köllner: „Ich glaube, dass Leandro weiß, was Vertrauen des Trainers bedeutet – und wie er in den Profibereich gekommen ist.“ Morgalla spielte den Ball prompt zurück. In seinem bisher einzigen Interview, vergeben an die Bild-Zeitung, sagte der Youngster: „Ich habe ihm (Köllner) viel zu verdanken, er schenkt mir das Vertrauen, gibt mir die Chance. Ich habe schon gemerkt, dass es hilft, wenn man ihm zuhört. Er ist eine ganz wichtige Bezugsperson für mich.“

Der Köllner-Faktor. Nicht zuletzt auf diesen setzt 1860, wenn es darum geht, Morgallas bis 2024 gültigen Jugendförder- in einen Profivertrag umzuwandeln. In Sommerinterview mit unserer Zeitung hatte Robert Reisinger diesbezüglich Bedenken geäußert. „Wir wissen alle, wie das Geschäft läuft“, orakelte der Präsident: „Wenn wir aufsteigen, können wir ihn vielleicht noch eine Saison halten, aber sicher nicht länger.“ In besagtem Bild-Interview – Überraschung – sagte Morgalla dann aber relativ deutlich: „Sie brauchen nicht weiterfragen, ich habe für mich bereits eine Entscheidung getroffen: Ich sehe meine Zukunft bei 1860.“ Er sei ein „Sechzger durch und durch“, heißt es auch aus dem engen Umfeld des Spielers.

TSV 1860: Morgalla und Löwen im Austausch

Beide Seiten haben also Interesse daran, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Bislang spielt das Supertalent für 350 Euro pro Monat – ohne Anspruch auf Prämien. Die Kunst wird sein, einen Vertrag hinzubekommen, der allen gerecht wird – und gleichzeitig, die hellhörig gewordenen Interessenten aus der 1. und 2. Liga zu vertrösten. Gladbach, Köln, Hoffenheim – und viele mehr, wie Berater Christian Nerlinger bestätigt. Der ehemalige Bayern-Profi sagt: „Wir sind nur daran interessiert, für Leo die beste sportliche Entwicklung zu sehen. Mit 1860 sind wir in einem guten Austausch.“

Bei Lars und Sven Bender schafften es den Löwen in der Zweitligasaison 2006/07, pünktlich am 18. Geburtstag der Zwillinge eine feierliche Vertragsunterzeichnung im Beisein der Presse zu zelebrieren. Gelingt nun ein ähnlicher Coup? Sportchef Günther Gorenzel, schon damals für 1860 aktiv (als Co-Trainer), teilte auf Nachfrage mit: Morgalla habe sich dazu bekannt, den Weg in den Profifußball „gemeinsam mit uns“ zu gehen: „Wir sind mit ihm und seinem Umfeld auch im sehr vertrauensvollen und konstruktiven Austausch, um hier zeitnah vertraglich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten herzustellen.“ (ulk)

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