„Wir wollen die Bayern ärgern!“

Ex-Löwe Schäfer hat keine Lust auf Münchner Meisterparty

Wolfsburgs Sportdirektor Schäfer
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Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer (36) im Interview. 

Meisterschaften des FC Bayern kommen im blauen Lager traditionell nicht besonders gut an. Marcel Schäfer spielte von 1999 bis 2007 für den Löwen und nun steht ein besonderer Termin an.

  • Der FC Bayern München spielt am Samstag gegen den VfL Wolfsburg. 
  • Marcel Schäfer ist Ex-Löwe und aktuell der Sportdirektor vom VfL Wolfsburg. 
  • Im Interview spricht Schäfer über seine Zeit beim 1860 München und das letzte Spiel der Bundesliga.

München - Am Samstag muss Marcel Schäfer hautnah miterleben, wie die Roten die Schale überreicht bekommen. Der 36-Jährige ist seit Juli 2018 Sportdirektor des VfL Wolfsburg – und damit ligaweit der jüngste Mann auf diesem Posten. Im tz-Interview spricht Schäfer über das Duell mit dem Serienmeister und seine Erinnerungen an den TSV 1860.

Herr Schäfer, die Meisterschale kehrt nach 2009 am Samstag mal wieder nach Wolfsburg zurück. Der FC Bayern wird sie in Empfang nehmen. Schlägt nach acht Jahren beim Löwen noch ein blaues Herz in Ihrer Brust?

Marcel Schäfer, Sportdirektor des VfL Wolfsburg: Ich bin mit 15 Jahren von Zuhause ausgezogen, habe eine prägende Zeit beim TSV 1860 gehabt. Ich habe die Jugendmannschaften und die U23 durchlaufen, bin nach dem Abstieg 2004 in den Profikader aufgerückt. Dieser Abstieg war für den Klub ein sehr bitterer, für viele junge Talente wie Daniel Baier, Matze Lehmann und mich ergab sich dadurch aber die Möglichkeit für den nächsten Karriereschritt. Und wir haben in der 2. Liga Fuß gefasst. Deshalb erinnere ich mich immer gerne an die Zeit bei 1860 und bin dem Verein sehr dankbar für die Chance, die er mir gegeben hat.

Sie haben die Zeiten, in denen der FCB verwundbar war, auf dem Platz erlebt.

Schäfer: In der Saison 2008/2009 hat der FC Bayern einen Umbruch auf der Trainerposition und im Kader vorgenommen. Wir als VfL Wolfsburg haben natürlich nicht damit gerechnet, um den Titel mitspielen zu können. Aber wir haben damals weit über unserem Limit gespielt, bekamen mit jedem Sieg mehr Selbstbewusstsein. Sinnbildlich für den Rausch, in den wir uns gespielt haben, stehen das 5:1 im Heimspiel gegen den FC Bayern und das Tor nach dem unglaublichen Alleingang von Grafite. Mittlerweile hat der FC Bayern eine sehr gut eingespielte Mannschaft und der Verein hat sich die Situation, in der er sich befindet, sportlich und wirtschaftlich über Jahrzehnte erarbeitet. Das verdient großen Respekt. Die Verantwortlichen in München leisten hervorragende Arbeit und verstärken die Mannschaft immer wieder punktuell mit Spielern, die der Mentalität des Klubs entsprechen. Der FC Bayern spielt in jeder Partie auf einem Top-Niveau – und das mittlerweile fast im Drei-TAGE-Rhythmus.

„Ich bin den Löwen bis heute sehr dankbar“

Kommen wir zum VfL Wolfsburg: Die Euro League ist bereits sicher, am letzten Spieltag geht es aber noch darum, ob Sie in der Gruppenphase (Platz 6) oder in der Quali (Platz 7) eingreifen werden. Wie wichtig wäre Platz 6 im Hinblick auf die Planungen für kommende Saison?

Schäfer: Es ist immer wichtig zu wissen, wo man herkommt – und der VfL Wolfsburg hat 2017 und 2018 erst in der Relegation den Klassenerhalt geschafft. Jörg Schmadtke und ich sind im Sommer 2018 mit dem Ziel angetreten, den Verein sportlich und finanziell zu stabilisieren. Wir wollten uns Stück für Stück in die obere Tabellenhälfte arbeiten und mittelfristig auch wieder am internationalen Wettbewerb teilnehmen. Das haben wir gleich in der ersten Saison geschafft und schaffen es auch dieses Jahr wieder. Und zwar am liebsten mit Platz sechs, der die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League bedeuten würde.

Um im Fernduell mit Hoffenheim (spielt in Dortmund) auf Nummer sicher zu gehen, muss ein Sieg gegen den FC Bayern her.

Schäfer: Wir wissen natürlich, dass es in der Bundesliga nur eine Aufgabe gibt, die schwieriger ist als ein Heimspiel gegen Bayern München – nämlich das Auswärtsspiel in München. Da haben wir leider überhaupt keine gute Bilanz. Zuhause ist die zumindest einen Deut besser. Wir müssen bereit sein, über unsere Grenzen und darüber hinauszugehen. Und wir brauchen einen außergewöhnlichen Tag, um eine der besten Mannschaften der Welt zu schlagen. Klar ist: Wir wollen den FC Bayern ärgern und die Punkte hier in Wolfsburg behalten.  

Wie sehr hat die Corona-Krise Ihre Planungen erschwert?

Schäfer: Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Krise kann man noch gar nicht genau abschätzen, weil wir nicht wissen, ob wir in der kommenden Saison Zuschauer ins Stadion lassen dürfen. Wir haben unserem Eigner Volkswagen gegenüber eine Verantwortung und werden deshalb keine unvernünftigen Dinge auf dem Transfermarkt machen. Das war aber schon in den letzten Transferperioden unsere Maßgabe, die wir auch stets erfüllt haben. Die Planungen für die kommende Spielzeit haben wir – wie üblich – im Januar, Februar und März vorangetrieben. Wir haben unseren Kader gemeinsam mit den Scouts unter die Lupe genommen und geschaut, wo wir uns punktuell verstärken können.

„Der FCB spielt immer auf Topniveau“

Kommen wir noch mal zu Ihrer Münchner Zeit: Stehen Sie in Kontakt zu ehemaligen Weggefährten aus dieser Zeit?

Schäfer: Allen voran zu Daniel Baier. Ich kenne ihn, seitdem wir zehn Jahre alt waren. Wir sind zusammen zu Viktoria Aschaffenburg und später zum TSV 1860 gewechselt. Wir haben dort gemeinsam den Sprung zu den Profis geschafft und sind im selben Jahr nach Wolfsburg gegangen. Erst danach haben sich unsere Wege getrennt. Nicht nur wir beide verstehen uns gut, sondern auch unsere Frauen und Kinder. Das ist etwas sehr Schönes, weil es im Fußball oft Bekanntschaften auf Zeit gibt, die sich irgendwann im Sand verlaufen. Bei Daniel und mir geht das aber deutlich darüber hinaus.

Der FC Bayern gastiert am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga beim VfL Wolfsburg. So sehen Sie den neuen Deutschen Meister live im TV und im Live-Stream.

Quelle: tz

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