tz-Interview zum 75. Geburtstag

Meisterlöwe Patzke schonungslos: Das muss beim Aufstieg in die 3. Liga passieren

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Bernd Patzke (l.), hier mit Funktionär Peter Cassalette, verfolgt die Partien der Löwen weiterhin mit großem Interesse.

Bernd Patzke ist nicht nur der Jüngste der legendären Meisterlöwen von 1966, sondern mit 18 Einsätzen bis heute auch Rekordnationalspieler des TSV 1860. 

München - Am Mittwoch wird der gebürtige Berliner 75 Jahre alt. Das tz-Interview mit dem Jubilar.

Herr Patzke, nach Hans Rebele, der Ende Januar seinen 75. feierte, sind nun Sie dran mit dem dreiviertel Jahrhundert. Ein besonderer Geburtstag?

Patzke: Ganz ehrlich? Nicht wirklich. Auch 75 ist nur eine Zahl. Ich werde in Barcelona feiern, wo mein Sohn seit zwei Jahren lebt. Für mich ist wichtig, dass ich gut beieinander bin, da kann ich nicht klagen. Ich geh dreimal in der Woche ins Fitnessstudio, auch in die Sauna, das tut mir gut. Aber klar, noch besser würd’s mir gehen, wenn ich ’75 geboren wäre (lacht).

Mit welchem Interesse verfolgen Sie die Löwen noch?

Patzke: Ich bin nach wie vor mit großem Interesse dabei, das hat nicht nachgelassen. Soweit es geht, schau ich mir jedes Spiel an, entweder live oder in Ausschnitten. Klar hat der Doppel-Abstieg wehgetan, aber deshalb hat sich der Verein ja nicht aufgelöst. Sechzig ist Tabellenführer, das Stadion ist regelmäßig voll, die Gegenwart könnte schwärzer sein.

„Die Fehlerquote ist sehr hoch“

Die Sorgen vieler Beobacher gelten eher der Zukunft…

Patzke: Ja gut, da muss nicht drumherum reden, wie wichtig der Aufstieg in die Dritte Liga für Sechzig wäre. Entscheidend werden die direkten Duelle gegen Ingolstadt II, Schweinfurt und Bayern II. Ich hoffe, dass der Punktevorsprung der Mannschaft die nötige Sicherheit gibt, um als Erster durchs Ziel zu gehen. In den Relegationsspielen wird dann sowieso viel von der Tagesform abhängen. Das sind 50:50-Spiele, egal gegen wen es geht.

Bereits in einem tz-Interview aus dem Jahre 2013 hatte Patzke Fehler der Vergangenheit analysiert.

Wie beurteilen Sie die bisherigen Auftritte in diesem Jahr?

Patzke: Ohne diesen Rückpass gegen Nürnberg in der ersten Halbzeit wären neun Punkte dringewesen, andererseits ist derSieg gegen Buchbach schon mit sehr viel Ach und Krach zustande gekommen. Die Standards funktionieren meistens ganz gut, das muss man beibehalten, aber spielerisch passiert mir zu wenig. Kaum ein Angriff wird zu Ende gespielt, die Fehlerquote ist sehr hoch. Aber das weiß Daniel Bierofka genauso gut wie ich.

Schonungslose Analyse: Nur Gebhardt ist überragend

Hat die Mannschaft zu wenig überdurchschnittliche Fußballer?

Patzke: Das kann man so sagen, ja. Hart ausgedrückt ist Timo Gebhart der einzige wirklich herausragende Fußballer im Kader. Bei Michael Görlitz muss man abwarten, wie schnell er wieder in Tritt kommt. Aber der hat die nötigen Fähigkeiten ebenfalls. Ich hoffe, dass beide bis zur Endphase der Saison wieder voll bei Kräften sind. Die Achillessehnen-Geschichte bei Timo ist richtig bitter.

Sollte der Aufstieg gelingen…

Patzke: …dann müssen sie aufrüsten ohne Ende. Und zwar in sämtlichen Mannschaftsteilen. Fragt sich nur, ob das möglich ist. Viel Spielraum wird es finanziell nicht geben, wenn die aktuelle Politik ohne weitere Verschuldung bei Ismaik beibehalten wird.

Sollte sich die Profi-KGaA denn weiter verschulden?

Patzke: Salopp gesagt, ist es doch wurscht, ob du jetzt 50 oder 60 Millionen Euro Schulden bei deinem Eigentümer hast, oder?

Salopp gesagt…

Patzke: Ja, um eine ernsthafte Aussage treffen zu können, fehlen mir die Interna. Entscheidend ist doch, dass du eine Basis findest, einen gemeinsamen Nenner, auf den du die Planungen aufbauen kannst. Sich gegenseitig zu belauern und zu blockieren, ist wenig erfolgsträchtig. Momentan überdeckt die Tabellenführung einiges, aber das wird nicht immer so bleiben, dafür muss man Sechzig gar nicht sooo gut kennen.

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