“Die Mehrheit ist da so abgebrüht...“

Liga-Start der Löwen - Torwart Hiller: „Wir sind stärker als zuvor“

1860-Torwart Marco Hiller über den Neustart der 3. Liga und seine Geisterspiel-Erfahrung

  • Der Neustart der 3. Lig a in der Corona-Krise* ist nun beschlossene Sache.
  • Am 31. Mai spielen die Löwen gegen Duisburg - vor einer Geisterkulisse allerdings.
  • Wir haben Torwart Marco Hiller im Interview nicht nur dazu befragt.

München -  Am Sonntag um 13 Uhr wollen die Löwen* gegen Spitzenreiter Duisburg das erste Ausrufezeichen* im Drittliga-Endspurt setzen. Wir sprachen mit Torwart Marco Hiller über volle Motivation vor leeren Rängen.

Marco Hiller, Sie waren vor zwei Jahren dabei, als die Löwen vor leeren Rängen ein Regionalligaspiel gegen Nürnberg II bestritten. Wie fühlt sich so ein Geisterspiel* an?

Hiller: Wie der Name schon sagt: Das ist schon sehr gespenstisch, in einem leeren Stadion zu spielen. Vor allem: Wir als Sechzig sind es eigentlich gewohnt, dass die Ränge komplett voll sind. Das ist schon sehr ungewohnt. Da fehlt einfach diese gewisse Atmosphäre, die sonst Fußballspiele ausmacht.

Fällt es da schwerer, sich zu motivieren?

Hiller: Normal bist du automatisch motiviert, wenn du ins Stadion reingehst. Jetzt ist es die Aufgabe von jedem einzelnen Spieler, sich selbst zu motivieren. Du musst es irgendwie ausblenden, dass keine Fans im Stadion sind. Das ist auch das, was der Trainer uns jeden Tag sagt. Dass wir jetzt selbst in der Verantwortung stehen und es unsere Aufgabe ist, uns in jedem Training so zu pushen, dass wir am Wochenende keinen Unterschied spüren, ob da 15 000 Fans sind oder nicht.

Wenn Sie an das 5:3 damals zurückdenken: Wie haben Sie die Fans wahrgenommen, die sich damals vor dem Stadion versammelt hatten?

Hiller: Ich hab sie nicht durchgehend gehört, aber immer mal wieder ein paar Rufe. Diesmal hoffen wir, dass keine Fans ans Stadion kommen, sondern uns vor dem Fernseher anfeuern. Wer im Stadion dabei sein möchte, kann sich ja an der Aktion #MachtDas­SechzgerVoll beteiligen. Da sind die Fans ja zumindest mit einem Foto auf einem Mega-Banner im Stadion. Eine schöne Aktion, die uns viel Kraft geben wird.

Sie als Torwart sind ja schon von Haus aus näher an den Fans dran. Ist das schön oder auch mal schwierig?

Hiller: Ich find’s geil, auch wenn ich vor den Gästefans stehe und die dich durchgehend beleidigen. Das klingt jetzt zwar blöd, aber ich denke, das pusht einen noch mehr, das Spiel gewinnen zu wollen. Und es denen zu zeigen. Und wenn du vor der eigenen Kurve stehst, dann ist es erst recht was Besonderes.

Franz Beckenbauer hat eine interessante These geäußert. Er meinte, dass es Spieler gibt, die ohne Fans aufblühen, weil sie sonst vielleicht Probleme mit den Nerven* haben. Halten Sie das für möglich?

Hiller: Es kann schon sein, dass das dem einen oder anderen Spieler zugutekommt. Bei uns eher nicht. Die Mehrheit ist da so abgebrüht, weil wir ja regelmäßig vor vollen Rängen spielen.

Bis März war 1860 in 14 Spielen hintereinander* ungeschlagen. Ist die Form also auf Knopfdruck wieder abrufbar?

Hiller: Für die Köpfe war diese Serie auf jeden Fall hilfreich. Wir haben da was, wo wir anknüpfen wollen. Dafür geben wir im Training alles. Es war die ganzen letzten Wochen eine Riesenmotivation, da weitermachen zu wollen. Ich gehe auch davon aus, dass wir die Leistung wieder abliefern können, wenn es weitergeht.

Ist das Niveau in der Pause* eher runter- oder hochgegangen? Michael Köllner* hatte ja noch nie so viel Zeit, mit der Mannschaft fußballerisch zu arbeiten.

Hiller: Ich denke, individuell war es für die Spieler eine Chance, in Kleingruppen zu trainieren. Der Trainer konnte wirklich auf jeden Spieler genau schauen und gezielt an Schwächen arbeiten. Auch wenn es eine schwere Zeit war, kann man sie als Chance sehen. Ich denke, dass wir deswegen nicht schwächer zurückkommen, sondern noch stärker.

Interview: Uli Kellner

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Quelle: tz

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