Engländer wieder erstklassig - 1860 weiter in Liga drei

Leeds und Löwen – wie sich die Wege trennten

Kulttrainer im Vorzimmer zur Champions League: Leeds war auch für Werner Lorant ein Karrierehöhepunkt.
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Kulttrainer im Vorzimmer zur Champions League: Leeds war auch für Werner Lorant ein Karrierehöhepunkt.

Der TSV 1860 und Leeds United mussten gleichermaßen einen Absturz verkraften. Zieht man heute ein Fazit, gibt es viele Parallelen, aber auch einen Unterschied.

VON BERND BRUDERMANNS

München/Leeds – Knapp 20 Jahre ist es her, da standen der TSV 1860 und Leeds United vor den Toren der europäischen Königsklasse. Mit 2:1 und 1:0 setzten sich die Engländer damals in der Champions-League-Qualifikation durch und erreichten sogar das Halbfinale. Bei der Löwen-Aufstellung von damals dürften Fans von heute die Tränen kommen: Hofmann, Kurz, Paßlack (63. Winkler), Borimirov (76. Beierle), Stranzl, Mykland, Cerny, Häßler, Bierofka (73. Tyce), Max und Agostino schieden damals im mit 56 000 Fans gefüllten Olympiastadion aus – „Leeds bleibt unvergessen“, sagt Bierofka, damals 21 Jahre alt, später Nationalspieler und Löwen-Trainer. Was folgte, war für beide Vereine ein beispielloser Absturz, der erst in der dritten (Leeds) bzw. vierten Liga (TSV 1860) endete. Jetzt ist Leeds durch die Patzer der Aufstiegskonkurrenten West Bromwich Albion und FC Brentford als Meister der Championship wieder erstklassig – während die Löwen weiterhin in Liga drei versauern . . .

Die Gründe für den Niedergang nach 2001 sind für beide Vereine durchaus nicht so verschieden. Der TSV 1860 wähnte sich damals als etablierter Erstligist, mit dem späteren Einzug in die Allianz Arena schienen Europacup-Teilnahmen auf Dauer in Reichweite, ein Abstieg undenkbar. Auch Leeds United hatte nach dem Halbfinal-Einzug die zukünftigen Einnahmen durch TV-Rechte aus der Königsklasse fest einkalkuliert – als die ausblieben, folgte der Absturz.

Doch warum gelang den Nordengländern die Rückkehr in die Erstklassigkeit, während der von Hasan Ismaik seit 2011 gesponsorte TSV 1860 davon nur träumen kann? Leeds – genannt The Whites (Die Weißen) und The Peacocks (Die Pfauen) – gehört seit 2017 dem italienischen Investment-Unternehmer Andrea Radrizzani, 45. Und der hatte einen klaren Plan: Kurzfristig viel Geld investieren, um mittelfristig Geld zu verdienen. Im Juni 2018 holte er Marcelo Bielsa – immerhin ehemaliger Nationaltrainer Argentiniens – an die 38 000 Zuschauer fassende Elland Road. Und der führte Leeds nach 16 Jahren zurück in die Premier League.

Taktik-Guru: Leeds-Trainer Marcelo Bielsa. Foto: dpa

El Loco (den Verrückten) haben sie den heute 64-Jährigen in seiner Heimat Argentinien getauft. Nach Niederlagen wurde er schon mal nackt in der Kabine gesichtet, in Leeds ging er im Trainingsanzug des Vereins zum Einkaufen. Aber Bielsa ist eben auch ein charismatischer Taktik-Fanatiker – für Manchester Citys Teammanager Pep Guardiola der „beste Trainer der Welt“, für den früheren Tottenham-Coach Mauricio Pochettino „ein Genie“.

2004 führte er Argentinien zu Olympia-Gold, dann trat er als Trainer zurück, ging für drei Monate ins Kloster. „Ich nahm die Bücher, die ich lesen wollte, mit, ich hatte kein Telefon und keinen Fernseher“, sagte er damals. „Ich lese sehr viel und ich glaube nicht, dass jemand so viel über Fußball liest wie ich.“

Bielsa ginge aber auch als „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ durch. Im Januar 2019 ließ er Gegner Derby beim Training ausspionieren und wurde zu 220 000 Euro Geldstrafe verurteilt, die er selbst zahlte. Im April 2019 wurde ihm der Fairplay-Preis verliehen. Nach einem umstrittenen Treffer gegen Aston Villa hatte er sein Team angewiesen, ohne Gegenwehr ein Tor zuzulassen. Und wie schlägt man nun die Brücke zurück in den August 2000 und 1860 gegen Leeds? Löwen-Coach war damals Werner Lorant auch ein eher besonderer Trainer . . .

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