„Existenzangst kann ich nachvollziehen“

Das sagt Löwen-Torwart Bonmann über seine ungewisse Zukunft

Bonmann in Aktion - seine Zukunft bei 1860 ist aber ungewiss.
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Bonmann in Aktion - seine Zukunft bei 1860 ist aber ungewiss.

Auslaufender Vertrag in der Corona-Krise, dazu der Status als 1860-Torhüter Nummer zwei hinter Marco Hiller – für Hendrik Bonmann ist die gegenwärtige Situation ein einziges großes Fragezeichen.

Wie Hendrik Bonmann es dennoch schafft, positiv zu bleiben, verrät er im tz-Interview:

Herr Bonmann, wie sieht Ihr Tagesablauf aus in diesen Corona*-Zeiten?

Bonmann kam aus Dortmund zu den Löwen.

Bonmann: In der trainingsfreien Zeit hatten wir einen strikten Ablauf mit einem Video-Krafttraining in der Früh und anschließendem Lauftraining. Jetzt, wo wir wieder in Kleingruppen trainieren dürfen, ähnelt der Ablauf normalen Zeiten. Aber man hat natürlich etwas mehr Zeit und freie Wochenenden, das ist ungewohnt. Ich persönlich versuche das Positive in solchen Situationen zu finden und die Entschleunigung des Alltags auch zu nutzen.

Zum Beispiel durch das virtuelle Kompaktseminar beim Internationalen Fußball Institut in Ismaning, an dem Sie seit Anfang April teilnehmen. Was konnten Sie bisher mitnehmen?

Ich hab mich dem Programm im Bereich Athletik angeschlossen. Das hat den größten Nutzen in meiner momentanen Situation als Spieler. Der Kurs bestätigt mir ein gutes Grundwissen, aber es ist interessant, noch mehr in die Tiefe der Athletik zu gehen. Was genau in den Muskeln und im Blut passiert. Wie die Belastung aussehen sollte, auch die Regeneration. Ich kann viel mitnehmen und es nutzen, um mich noch mal zu verbessern.

Was vermissen Sie abgesehen vom Spielbetrieb am meisten?

Den Kontakt zur Mannschaft. Dass wir wieder mit allen Mann vor dem Training in der Kabine sitzen, unsere Späße machen und gemeinsam auf dem Platz stehen. Ich vermisse da schon die Jungs, die nicht in meiner Trainingsgruppe sind. Auch der Kontakt zum Umfeld von 1860 fehlt mir. Die Fans, die man nun enger kennt, die beim Training vorbeischauen. Auch meine Nachbarschaft ist Sechzig-geprägt, wir diskutieren oft im Café ums Eck. Der soziale Umgang fehlt insgesamt.

Als Torwart sind Sie das Training in kleinen Gruppen gewohnt. Fällt es Ihnen von daher leichter als den Feldspielern?

„Wir können uns grad noch mehr verbessern als im normalen Spielbetrieb“

Ich glaube, dass wir es insgesamt sehr gut meistern. Kleingruppen bieten auch Chancen die Trainingssteuerung zu individualisieren und noch intensiver zu arbeiten. Ich glaube, wir können uns grad noch mehr verbessern als im normalen Spielbetrieb. Und ich nehme es so auf, dass die Spieler sich dran gewöhnen. Aber ich glaube, wir Torhüter haben den meisten Spaß mit unserem Trainer Harald Huber. Das ist aber auch im normalen Spielbetrieb schon so.

Welche Motivations-Geschichte von Trainer Michael Köllner hat Ihnen bislang am besten gefallen?

Es gab durchaus einige Anregungen. Ich arbeite zusätzlich mit einem Mentalcoach zusammen. Wir nutzen die Zeit intensiv.

Können Sie das konkretisieren?

Wir haben eine personalisierte Strategie aufgebaut, um die Leistungen auf dem Platz zu verbessern. Von verschiedenstem mentalem Training über Entspannungsmaßnahmen bis hin zu geplanten Zielsetzungen im Training.

Dann zur Gesamtlage. Die Drittligisten sind gespalten in der Frage nach einer Fortsetzung der Saison. Können Sie die Argumente der Abbruchsbefürworter nachvollziehen?

Das ist kein Thema für uns Spieler. Dafür fehlt uns der Einblick hinter die Kulissen. Unser Job ist es, die Zeit bestmöglich zu nutzen und bereit zu sein, wenn der Tag X kommt – wann immer das sein wird.

„Ich werde bis zum 30. Juni alles für diesen Verein geben“

Ihr Vertrag bei 1860 endet am 30. Juni. Wie ist die Situation, gab es bereits Gespräche?

Ich bin dankbar und stolz, hier spielen zu dürfen, und werde bis zum 30. Juni alles für diesen Verein geben. Ich habe mich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt und das werde ich auch unabhängig von allen Entscheidungen in der Zukunft tun.

Marco Hillers Vertrag wurde bereits verlängert, Ihrer nicht. Wo sehen Sie Ihre sportliche Zukunft?

Die Frage kann ich im Moment nicht beantworten. Corona macht die Zukunft mit einem auslaufenden Vertrag natürlich nicht einfacher. Aber ich habe mich mit meiner Antwort vorhin klar positioniert.

Der Markt für Torhüter ist kein leichter. Wie groß sind Ihre Sorgen, einen neuen Klub zu finden? Ihr Kollege Marius Willsch sprach unlängst von Existenzängsten. Teilen Sie die?

Bonmann: Ich kann die Aussage von Marius durchaus nachvollziehen. Fußballer haben genauso Familien und Rechnungen zu bezahlen. Ich bin zwar sehr optimistisch, aber mit Sicherheit steht der Fußball vor einer ungewissen Zukunft.

Sieben Spieler des TSV 1860 München konnten ihren Marktwert steigern, der Großteil des Kaders wurde herabgestuft. Zwei Talente haben den größten Sprung gemacht.

Kommt es zur Zweiteilung und Aufstockung der 3. Liga? Geht es nach dem TSV 1860 München und der SpVgg Unterhaching kann es darauf nur eine Antwort geben.

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Quelle: tz

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