„Der erste Schritt ist gemacht“

Neustart mit Rückenwind beim TSV 1860 München

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Gemeinsam in eine neue Ära: Michael Köllner schwört die 1860-Profis auf seine Fußball-Philosophie ein. 

Neuer Trainer, neue Sitten – und ein kleines Sprachwirrwarr. Zwei Tage „durchschnaufen“ hatte Michael Köllner nach seinem erfolgreichen Einstand gegen Bayern II (1:1) angekündigt, doch siehe da:

München – Ein Durchschnaufen im klassischen Sinne war das gestern gar nicht. Köllners Löwen trafen sich um 10.15 Uhr, um bei einer Runde Fußballtennis auf angenehme Weise zu regenerieren. Heute ist dann richtig frei. Dann wird sich auch der Oberpfälzer Köllner dem Durchschnaufen nach hiesiger Interpretation hingeben.

Das Vokabular muss noch aufeinander abgestimmt werden – sportlich gesehen klappt das Feintuning schon beachtlich, wie die zweite Halbzeit des Derbys offenbarte. Die Löwen zeigten sich wehrhaft wie unter Vorgänger Daniel Bierofka, hatten jedoch auch Elemente drin, die dem Taktikfreund Köllner wichtig sind. Das offensive Verteidigen klappte nach der Pause besser, auch das Flügelspiel. Kompakt wirkten die Köllner-Löwen über die gesamte Spielzeit. Dass die gefürchtete Offensive der Bayern – mit Wriedt, Singh und Profi Cuisance – kaum mal gefährlich vors 1860-Tor kam, hat dem neuen Vordenker ziemlich gut gefallen. „Ich hab‘ den Jungs gesagt, sie müssen freier spielen“, gab er Inhalte aus seiner Halbzeit-Ansprache wieder. Speziell die Spieler „auf der Sechs und auf der Acht“ hätten sich dann prompt „deutlich mehr zugetraut“.

Angesprochen fühlen darf sich vor allem einer: Dennis Dressel. Der Schütze des 1:1, ein waschechter Urlöwe (seit 2007 im Verein), ist der erste Gewinner der Post-Bierofka-Ära. Imponiert hat dem neuen Coach der Aktionsradius des 21-Jährigen – und sein Ausgleichstor im Nachsetzen, das Köllner als vorbildlichen Akt des Willens adelte. „Dennis hat alles gegeben“, lobte er den Derbyhelden.

Trainingseindrücke haben starken Einfluss

Zum Erstaunen vieler war Dressel allerdings der einzige aus der Riege der Junglöwen, den der bekennende Talentschmied in die Startelf beorderte. Leon Klassen und Fabian Greilinger (beide 19), zwei Bierofka-Zöglinge, tauchten gar nicht erst auf im 18er-Kader. Dafür wechselte Köllner demonstrativ zwei andere Hinterbänkler ein: Noel Niemann, 20, und Simon Seferings, 24. Er habe damit zeigen wollen, dass er die Trainingseindrücke stark einfließen lässt, begründete Köllner seine späten Wechsel.

Auch Kristian Böhnlein, der Startelf-Debütant, kam in Köllners Bewertung besser weg als bei manchem Beobachter („Hat mir bestätigt, was er im Training gezeigt hat“). Auf Sicht jedoch dürfte der Franke seinen Startplatz an Efkan Bekiroglu verlieren, der gestern erstmals wieder am Teamtraining teilnahm. Auch Quirin Moll steht in den Startlöchern. Köllner jedenfalls blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Der erste Schritt ist gemacht“, sagte er. Den Rückenwind aus dem Derby nimmt er gerne mit – heute zum Durchschnaufen. Am Sonntag dann in den Hachinger Sportpark.

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