1860 in der Fremde harmlos

Auswärts ist Feuer unterm Dach: Gorenzel spricht Klartext

+
1860-Fans zündelten bei der Niederlage in Mannheim Pyrotechnik. Gorenzel bewertet die Show als „kein isoliertes Problem“.

Beim Spiel gegen Waldhof Mannheim machten Löwen-Fans mit gezündeter Pyrotechnik einen ebenso schlechten Eindruck wie der TSV 1860 mit seinem 0:4-Debakel. Darüber sprach nun Sportchef Gorenzel mit unserer Zeitung.

TSV-1860-Sportchef Günther Gorenzel

München – Eine Startbilanz war angekündigt, eine Frage-Antwort-Runde mit Günther Gorenzel, der wochenlang für niemandem außerhalb des innersten 1860-Zirkels zu sprechen war. Eine Terminansetzung mit Weitblick war das, denn wer wäre besser geeignet als der Sportchef, um das Desaster von Mannheim (0:4) richtig einzuordnen? Nicht nur die Mannschaft hatte sich ja gründlich blamiert beim Aufsteiger, der die Auswärtskrise der Giesinger verschärfte (die letzten Ergebnisse: 0:3, 2:5, 0:4, 1:2, 0:4). Auch Teile der Fans haben mit ihrer Pyro-Show für ein miserables Auftreten gesorgt. Um im Bild zu bleiben: Bei 1860 ist schon nach vier Spieltagen Feuer unterm Dach. Bühne frei also für den Krisenmanager, der zu allen drängenden Themen Stellung nahm. Gorenzelüber . . .

 . . . das 0:4 von Mannheim:„Wir brauchen nichts schönzureden. Zuvor gab es bei unseren Spielen Licht und Schatten. Diesmal war mehr Schatten als Licht. Wir wussten, wie Mannheim spielt: Sie verlagern gut die Räume, schaffen in Ballnähe eine Überzahl. Es ist uns nicht gelungen, das gut zu lösen. Die erste Halbzeit war nach Großchancen ausgeglichen, in der zweiten wollten wir vielleicht zu schnell zu viel. In dieser Liga wird jeder Fehler bitterböse bestraft. Und leider sind wir am Montag in zu viele Fallen reingetappt.“

 . . .  die Auswärtskrise:„Mir fehlt in vielen Dingen die Balance. Wir spielen in einem sehr komplexen 4-3-3-System, das im Ballbesitz viele Vorteile in sich birgt, aber auch bedingt, dass eine Feinabstimmung da ist zwischen den Mannschaftsteilen.“

  . . . Pyro-Ärger: „Ich möchte das Thema Pyro nicht zu hoch hängen, denn das ist kein isoliertes Problem von 1860 München. Es ist einfach so, dass in Teilen der Fanszene in Deutschland Pyros als Kult angesehen werden. Es ist verboten, es schadet – und es zieht Strafen nach sich. Von dem her kann ich nur an die Fans appellieren. Wir wollen Frauen im Stadion haben und Kinder, die nächste Fangeneration heranführen – da sind solche Dinge nicht förderlich. Trotzdem: Wir brauchen den Support der Fans und auch die Geschlossenheit, die wir zuletzt in der Kurve hatten. Deswegen möchte ich lieber das in den Mittelpunkt stellen. Man muss aber auch sehen, dass es bei den Strafen um Summen geht, die uns wehtun.“

 . . . die Notwendigkeit, im Sturm nachzurüsten: „Final kann man unseren Kader erst bewerten, wenn die Leistungsträger Stefan Lex, Nico Karger und Quirin Moll nach ihren Verletzungen zurückkommen. Wir halten die Augen und Ohren offen, aber es ist ja kein Geheimnis, dass die letzten beiden Transfers (Aaron Berzel, Timo Gebhart/Red.) nur durch externe Finanzspritzen möglich waren. Ich hab von Anfang an angemahnt, dass wir noch etwas tun müssten. Nur: Es muss halt auch umsetzbar sein. Bei uns gilt das Maximalprinzip, das heißt: Wir müssen versuchen, aus den vorhandenen Mitteln das Maximum rauszuholen. Es laufen im Hintergrund sehr viele Gespräche. Was dabei herauskommt, wird man in den nächsten vier Wochen sehen.“

 . . . die Idee, Prince Osei Owusu erneut auszuleihen: „Ossi ist momentan ein Spieler von Arminia Bielefeld, und aus Respekt vor ihm und dem Verein werden wir öffentlich nicht näher auf dieses Thema eingehen.“

 . . . sportliche Mitläufer wie Willsch, Ziereis, Böhnlein: „Ich habe mit jedem einzelnen Spieler Gespräche über seine sportliche Perspektive geführt – und der Trainer auch. Grundsätzlich ist es so: Die Spieler haben Verträge, und zu diesen bestehenden Arbeitspapieren musst du stehen, wenn du seriös am Markt auftreten willst. Es ist bisher kein Spieler auf uns zugekommen mit der Bitte, den Vertrag aufzulösen.“

 . . . den Sommer 2020, in dem fast alle Verträge auslaufen:„Die Kaderplanung ist im Moment mein Kernbusiness – und eine große Herausforderung, denn für Vertragsverlängerungen brauchst du einen finanziellen Handlungsspielraum. Dass so viele Verträge auslaufen, kann eine Chance sein, den Kader neu auszurichten. Es ist aber auch schwierig, wenn dann nur noch sechs, sieben Spieler gebunden sind. Stichwort Kaderstruktur. Ich versuche, diese Message gerade in allen Gremien zu platzieren.“

 . . . Spannungen im Verhältnis mit Trainer Daniel Bierofka: „Es ist kompletter Blödsinn, dass es atmosphärische Störungen gegeben haben soll. Es ist so, dass wir akribisch und auf Augenhöhe für die Zukunft von 1860 arbeiten. Dass man bei einem Diskussionsprozess nicht immer derselben Meinung ist, ist normal, aber die Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv. Um mal ein aktuelles Beispiel zu bringen: Draußen verläuft die Grünwalder Straße: Ob sie da jetzt mit 48 km/h entlangfahren oder mit 51 km/h -– ich glaube, damit hat nicht mal die Münchner Verkehrspolizei ein Problem. Ich denke, wenn es in einem Entwicklungsprozess prozentual solche Abweichungen gibt, dann ist das am Ende sogar förderlich. Wenn du immer komplett einer Meinung bist, kommst du nicht weiter. Auch von den Transfers Berzel und Gebhart waren wir beide zu 100 Prozent überzeugt. Die Frage ist nur, wie kommen diese Transfers zustande? Das war die Herausforderung. Die Situation ist eben momentan so, dass wir sehr kreativ sein müssen.“

 . . . seine selten gewordenen öffentliche Auftritte:„Es ist so, dass ich im Hintergrund sehr komplexe Dinge abzuarbeiten habe, die meine neue Aufgabe als Geschäftsführer mit sich bringen. Leider ist es mir nicht mehr möglich, alle Bereiche abzudecken. Auch künftig werde ich daher nur etappenweise zu Entwicklungen Stellung nehmen.“

 . . . den Totopokal, in dem 1860 am Donnerstag bei der FT Schweinfurt antritt: „Final haben wir natürlich den Ansporn, in den DFB-Pokal zu kommen. Da wieder dabei zu sein, wäre eine tolle Geschichte, deswegen wollen wir im Totopokal möglichst weit kommen. Speziell die ersten Runden sind aber eine Herausforderung, weil in der Vorbereitung auf die nächsten Spieltage der Trainingsrhythmus unterbrochen wird. Trotzdem werden wir die Partien seriös angehen.“

---

Problem-Fans im Visier: Hooligan-Jagd im Grünwalder Stadion – Unterwegs mit dem Fußball-Staatsanwalt beim Zwickau-Spiel

Trotz des Löwen-Debakels in Mannheim: Bierofka-Elf profitiert in zweiten Drittliga-Jahr von mehr Erfahrung

Auch interessant:

Meistgelesen

Ticker: 1860 erlebt Debakel in Magdeburg - fast alle Gegentore nach selbem Schema
Ticker: 1860 erlebt Debakel in Magdeburg - fast alle Gegentore nach selbem Schema
Mölders am Boden zerstört - Gorenzel spricht über Neuzugänge und Gebharts Extrapfunde
Mölders am Boden zerstört - Gorenzel spricht über Neuzugänge und Gebharts Extrapfunde

Kommentare