Neururer: "Zu 1860 wollte ich schon immer"

Trainer-Routinier Peter Neururer coacht derzeit den MSV Duisburg.
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Trainer-Routinier Peter Neururer coacht derzeit den MSV Duisburg.

München/Duisburg - Im tz-Interview spricht Peter Neururer, Trainer des nächsten Löwen-Gegners MSV Duisburg, über seine persönlichen Ziele und seine ganz besondere Beziehung zum TSV 1860 München.

Herr Neururer, was kommt Ihnen beim Stichwort 1860 in den Sinn?

Neururer: Ganz ohne Flachs: Sechzig ist ein Verein, zu dem ich immer schon mal wollte. Ich hab’ die schon als kleiner Junge bewundert. Grosser, Rebele, Heiß, Radi, Kohlars, Brunnenmeier – später Heinz Flohe, der seine Karriere ja leider in München beenden musste. Ich hatte auch immer einen guten Draht zu Karl-Heinz Wildmoser, dem alten Präsidenten. Aber mit Neururer und Sechzig ist es nie was geworden. Schade! Toller, sympathischer Verein!

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Wir dachten jetzt eher an das Wort Chaosklub als erste Assoziation…

Neururer: Nein, ich sehe das eher als Kuriositätenkabinett, was da zuletzt passiert ist mit dem Investor und so. Es wird ja jetzt ein neuer Anlauf unternommen von 1860. Ich kann und will da kein vorschnelles Urteil fällen. Richtig peinlich war die Geschichte damals 2004 mit Falko Götz, als der Vizepräsident (Hans Zehetmair, d. Red.) öffentlich die Entlassung verkündete und bei der Pressekonferenz ein paar Minuten später keiner was davon wissen wollte. Das war der Hit.

Mit Miki Stevic ist ein Neururer-Spieler aus Bochumer Zeiten neuer Sportdirektor bei 1860. Trauen Sie ihm zu, dass er die Löwen wieder hinbekommt?

Neururer: Vom Intellekt her und vom Standing auf jeden Fall. Miki ist ein absoluter Profi mit guten Beziehungen. Was ihm fehlt, ist die Erfahrung im Job. Aber er kennt das Umfeld bei 1860, das ist nicht ganz unwichtig. (lacht).

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Kommen wir zu Ihrem neuen Klub. In den sieben Spielen seit Ihrem Antritt hat der MSV zwei Punkte auf einen Aufstiegsplatz aufgeholt, jetzt sind es noch sieben Punkte und 14 Spiele…

Neururer: (unterbricht) Können wir die Hochrechnungen lassen? Ich war schon als Schüler mehr den Geisteswissenschaften zugetan als der Mathemetik.

Okay. Schafft der MSV den Aufstieg noch?

Neururer: Mein Auftrag ist die Bundesliga. Dieses oder nächstes Jahr. Zweite Liga macht auf Dauer keinen Spaß. Wenn wir am Sonntag Sechzig schlagen, dann haben wir eine sehr sehr gute Ausgangsposition. Dann haben wir bis auf Aachen und Lautern alle Mannschaften, die über uns stehen, zu Hause. Und dann traue ich meiner Truppe alles zu.

Ist in dieser 2. Bundesliga der Einäugige König?

Neururer: Einäugig ist mir zu despektierlich, das Niveau der Liga ist okay. Konstant ist das Wort. Bis auf Mainz hat kein Klub einen komplett erstklassigen Kader. Mit drei, vier Siegen bist du oben dabei. Das gilt für uns genau wie für 1860.

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Duisburg ist ihre 14. Trainerstation in 23 Jahren. Bereuen Sie irgendwas?

Neururer: Zwei Dinge. Den Rücktritt in Bochum nach dem Abstieg 2005 und mein Bundesliga-Engagement bei Hertha 1991. Ansonsten war alles okay. Ich bin 53 Jahre alt, gelebte 120 – und habe Spaß. Was will ich mehr?

Wie sehr haben die 26 Monate Arbeitslosigkeit zwischen Hannover und Duisburg zu dieser Einstellung beigetragen?

Neururer: Enorm. Ich bin dankbarer geworden. Ich freue mich auf jeden Tag, an dem ich arbeiten kann. Auch meine Familie ist heilfroh, dass ich wieder draußen bin. Ich bin allen richtig auf den Senkel gegangen. Sogar der Putzfrau hab’ ich gesagt, wie sie putzen soll. Schlimmer als bei „Pappa ante portas“.

Welche Träume haben Sie noch?

Neururer: Ich bin mit meiner Harley über die Golden Gate Bridge gefahren, bleibt also nur noch ein Traum: die Meisterschale.

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Quelle: tz

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