„Selbstkritik ist ein Zeichen der Stärke“

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Selbstkritisch: Löwen-Trainer Ewald Lienen nach dem Pokalsieg über Hertha BSC.

München - Nein, es war kein Straftraining, das sich Ewald Lienen am Donnerstag Mittag verordnet hatte. Der halbstündige Dauerlauf um den Trainingsplatz gehört zum Gesundheitsprogramm des Trainers.

 „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, erzählte der Coach – und lächelte milde in Richtung des fragenden Reporters. Selbstkritik hatte Lienen schon am Abend zuvor zur Genüge geübt. Mit den Einwechslungen Ghvinianidze für Beda und Ludwig für Cooper hatte er den Spielfluss der Löwen binnen Minuten komplett zum Erliegen gebracht. „Dafür muss ich als Trainer natürlich die Verantwortung übernehmen“, sagte Lienen. „Es waren offensichtlich unglückliche Auswechslungen.“

In der Mannschaft kommt Lienens Offenheit gut an. „Es kommt selten vor in der heutigen Gesellschaft, dass Leute öffentlich zu ihren Fehlern stehen. Meistens wird die Schuld bei anderen gesucht“, sagte Torben Hoffmann. Umso positiver sei Lienens Auftritt zu bewerten. „Er geht mit gutem Beispiel voran, wenn er so etwas sagt. Ich sehe das als Zeichen der Stärke. Seine Autorität hat nicht gelitten, im Gegenteil. Ich habe großen Respekt vor dem Trainer.“ Gabor Király wollte da natürlich nicht widersprechen: „Jeder macht Fehler. Daraus muss man lernen“, dozierte der Torwart. „Wenn du dich versteckst und deine Fehler nicht zugibst, dann bist du auch keine Persönlichkeit.“

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Warme Worte für Lienen, der die Schuld für ein mögliches Ausscheiden auf seine Kappe genommen hätte. Nicht zu Unrecht, versteht sich. Aber es ist ja anders gekommen. Verzettelt und trotzdem gewonnen, eine halbe Million Euro eingestrichen und jede menge Selbstvertrauen getankt – so lauten die Konsequenzen aus dem Sieg gegen die Hertha aus Berlin. Wobei sich letzterer Punkt freilich erst am Sonntag zeigen wird, wenn es im Liga-Heimspiel gegen Aufsteiger Paderborn geht. „Mit dieser Einstellung, mit diesem Biss wie gegen Hertha muss uns in der zweiten Liga vor keiner Mannschaft bange sein“, sagt Sportdirektor Miki Stevic.

Ewald Lienen sieht’s genauso: „Die Leistung gegen Hertha ist der Maßstab, den wir in jedem Spiel bringen müssen.“ Relativierende Einschränkungen: „Hertha ist sicher nicht auf dem Höhepunkt der Schaffenskraft.“ (Lienen). Und: „Wir hatten natürlich auch in diesem Pokalspiel einige Schwächephasen (Stevic). „Konstanz“ heißt also einmal mehr das Zauberwort. „Es muss jetzt endlich mal Schluss sein mit der Achterbahnfahrt“, sagt Torben Hoffmann. „Einmal top, einmal flop, das kann’s auf Dauer nicht sein. Jeder muss begreifen, dass du mit ein bisschen Fußballspielen in der zweiten Liga keinen Schritt vorankommst. Da kommt’s auf andere Tugenden an. Auf die Laufbereitschaft, auf die Zweikämpfe, auf die Leidenschaft.“

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Dazu braucht man auch Kraft. Und da sind die Löwen nach den anstrengenden 120 Minuten gegen Berlin sicher nicht im Vorteil gegenüber Paderborn.“ „Die wollen uns kaputt machen am Sonntag“, sagt Király, „aber sie kennen unseren Charakter nicht.“ Ob sich dieser mit einem gelungenen Pokalspiel grundlegend geändert hat, darüber kann freilich auch der Torwart nur spekulieren: „Wenn wir noch fünf solche Spiele abliefern, dann kann man darüber reden“, sagt er. Gesunde Einstellung.

Ludwig Krammer

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